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De biografie van Stamapostel Hermann Niehaus 3

  deel 3

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VOOR NIEUWS EN HISTORISCHE ACHTERGRONDEN.                -

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De biografie van Stamapostel Hermann Niehaus ( deel 3)

 

 

Einweihung des neuen Wohnhauses in Quelle-Steinhagen 1907. Der Spruch unter dem Giebel lautet: „Allen denen, die mich kennen, gebe Gott, was sie mir gönnen."

Vandaag de dag staat er een groot kerkcentrum op het grondgebied.


Bron: OF 19e jaargang nummer 8 augustus 2007

So heißt es in einem für diesen Tag verfaßten Lied. Diese Worte haben sich erfüllt vom ersten Tag an, ebenso wie die Worte des Stammapostels Niehaus bei der Einweihung: „Jetzt weihe ich dieses Haus zu einem ewigen Gedächtnis. Wenn ich auch nicht mehr lebe, dann soll es stets ein Heim bleiben für die Kin­der Gottes..."

So ist es geschehen, und vor allem die neuapostolische Jugend, die in Quelle so viele frohe Stunden verbracht hat, kann es ebenso bestätigen wie die Geschwister der Gemeinde Steinhagen, für die in diesem Haus ein Kirchenlo­kal eingerichtet worden war.

Am Tag der Weihe war das ganze Haus festlich mit frischem Grün ge­schmückt, und über dem Haupteingang prangte die Inschrift: „Gott segne eu­ren Eingang." Die Apostel Bornemann und Brückner sowie der Apostelhelfer Meuser begleiteten den Stammapostel. Als die Gottesknechte die Versamm­lungsstätte betraten, begrüßte Schwester Niehaus sie mit einer Kinderschar durch ein Lied. Nach dem Eingangsgebet sang die Gemeinde: „Bis hierher hat mich Gott gebracht ..."

Als Textwort für den Gottesdienst hatte der Stammapostel den 84. Psalm ausgewählt, in dem es heißt: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Ze­baoth." Und an anderer Stelle: „Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten

und von Herzen dir nachwandeln, die durch das Jammertal gehen und ma­chen daselbst Brunnen; und die Lehrer werden mit viel Segen geschmückt."

Der Stammapostel hielt in seinem Dienen noch einmal Rückblick auf die Vergangenheit, die so viele Kämpfe und Sorgen gebracht hatte, aber noch mehr Glaubenserlebnisse.

 

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„Daß ich heute so gesegnet bin", sagte er unter anderem, „worum ich viel beneidet werde von meinen Feinden, das verdanke ich folgendem: Ich habe die Apostel, die Boten des Herrn, aufgenommen, habe mit ihnen die Schmach und Bitterkeiten getragen. Ich habe für sie gekämpft und gearbeitet Tag und Nacht. Aus den geringen kleinen Verhältnissen ist das apostolische Werk groß und stark geworden, und aus der unscheinbaren Hütte, dem Stall, ist ein Pa­last geworden: In Bielefeld haben wir ein schönes neues Lokal gebaut. Obwohl die Feinde nach dem Ableben des Apostels Menkhoff schon die Grablieder sangen, sie sind zuschanden geworden. Wir stehen hier in großem Segen! Zu­erst ist hier die neue Landstraße gebaut, die fehlte auch. Dann hat es Gott so ge­führt, daß ich mit Hilfe der Brüder auch diesen neuen, schönen Bau ausführen konnte. Früher waren wir zurückgezogen, aber jetzt treten wir in die Öffent­lichkeit. Wir brauchen uns nicht zu schämen, wir können stolz und dankbar sein auf das, was Gott an uns getan hat...

Die Augen aller Apostel und Knechte Gottes in dem apostolischen Werke der ganzen Welt sind auf dieses Haus gerichtet. Es ist eine Zentrale für das gan­ze Werk, die Briefe und Berichte strömen hier zusammen, nicht allein aus Deutschland, sondern auch aus Holland, Frankreich, Italien, Schweiz, Schwe­den und so weiter, ja, sogar aus Amerika, Afrika, Australien und aller Welt. Von diesem Hause aus geht ein Strom des Segens unter alle Völker der Erde, in diesem Hause hat nicht allein die Gemeinde hier, sondern haben die Knechte Gottes aller Länder eine Herberge zur Heimat, wo sie Ruhe und Erquickung finden sollen. Das ist aus dem Stalle geworden, dem kümmerlichen Anfang!"

Anschließend übergab der Stammapostel das Haus dem Dienst des Herrn. Er schloß mit den Worten: „Erst eine neue Straße, dann ein neues Haus, in dem neuen Haus neue Möbel, neue Bänke, neues Harmonium, neues Licht. So müssen auch wir neue Menschen mit neuen Herzen sein. Daran hat Gott sein Wohlgefallen. Der Segen des Christentums hat seinen Ursprung in dem Stalle zu Bethlehem; so können wir auch wohl von diesem sagen: ,Eine Wurzel aus dürrem Erdreich!"'

In seiner Predigt hatte der Stammapostel Niehaus zusammengefaßt, wo überall in der Welt das Werk Gottes inzwischen schon vertreten war. Während die ersten zwölf Apostel der Endzeit in England geglaubt hatten, daß allein die christlichen Völker Zeugnis vom wiederaufgerichteten Gnaden- und Apostel­amt erhalten sollten, und sich in ihrer Wirkungszeit auch nur an diese gesandt hatten, suchte bereits der Apostel Schwartz nach neuen Wegen, um die Bot­schaft des Evangeliums auch den nichtchristlichen Völkern zu vekündigen. Die Apostel der Urkirche hatten schließlich ebenfalls „Heidenmission" betrie­ben getreu den Worten Jesu: „Gehet hin in alle Welt..."

In Holland war der Apostel Schwartz vor Jahren einem Mann begegnet, der aus der damaligen Kolonie Niederländisch-Indien in die alte Heimat zu‑

 

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rückgekehrt war: F. L. Anthing. Auf das Zeugnis der holländischen Brüder hin hatte dieser die Gottesdienste der „Hersteld Apostolische Zending Gemeente" besucht und wurde schließlich durch den Apostel Schwartz versiegelt. F. L. Anthing war 64 Jahre alt, als er zum Apostel für Java berufen und im Juli 1881 nach Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien, gesandt wurde. Dort gelang es ihm unter großen Mühen, Zeugnis zu bringen und einige Gotteskin­der zu sammeln.

Fünf Jahre nach dessen Tod wurde einer seiner Schüler, die weiterhin eif­rig für das Werk Gottes gearbeitet hatten, zum Apostel gesetzt. Er war chinesi­scher Abstammung und hieß Lim Tjoe Kim, wurde aber in der Regel nur Lim genannt. Nach nur zwei Jahren Amtstätigkeit ging er heim. Nach ihm wirkten die Apostel Hannibals und Jacobs in diesem Land, aber auch der Apostel Sa­drach Soeropranoto, ein ehemaliger einheimischer Missionar, der mit fünftau­send seiner Anhänger zum Werk Gottes gekommen war. So hatte sich dort nach anfänglichen Beschwernissen ein blühender Apostelbezirk entwickelt.

Auch nach Nord- und Südamerika, nach Australien und Afrika wurde die frohe Botschaft des Gnadenamtes getragen, dort allerdings zunächst haupt­sächlich von den deutschen Einwanderern angenommen. So wirkten in den USA nacheinander die Apostel Hoppe, Hoekstra und Mierau, der Apostel Fa­ber in Argentinien und Chile, der Apostel Niemeyer in Australien und der Apostel Klibbe in Südafrika. Der Stammapostel Niehaus hatte dem Apostel Bock die Schweiz, Frankreich und in Süddeutschland Baden als Arbeitsgebiete zugeteilt; nach dessen Heimgang be‑

kam der Apostel J. G. Bischoff diesen Bezirk zusätzlich übertragen. Wil­helm Oehlmann war nicht nur Apo­stel für Ost- und Westpreußen, son­dern auch für Litauen und Polen ge­worden, und der Apostel Wachmann hatte bis zu seinem Heimgang auch die Geschwister in Schweden bedient.

Für diesen treuen Gottesknecht, der im Jahre 1903 in die jenseitige Welt abberufen worden war, hatte der Stammapostel Niehaus lange Zeit um einen Nachfolger gebetet; nun fand er ihn in dem Bischof Albert A. S. Gül­denpfennig aus Berlin. Im Januar 1909 ordinierte er ihn zum Apostelhelfer für den Hamburger Bezirk und führte ihn auch dort ein.

 

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Apostolisches Gemeindehaus in Schaffhausen (Schweiz), dem Arbeits­bereich des Apostels Bock

Im selben Jahr zu Ostern reiste der Stammapostel erneut nach Ham­burg und übertrug Albert Gülden-pfennig das Apostelamt für Nord­deutschland, Schweden und Däne­mark, wo inzwischen das Zeugnis der Apostellehre bei einigen gläubigen Menschen Eingang gefunden hatte.

Doch der Braunschweiger Bezirk brauchte ebenfalls Hilfe. Seit dem Heimgang des Stammapostels Krebs lag die Versorgung der Geschwister auf den Schultern von Apostel Seba­stian. Er stand nun im 62. Lebensjahr und war gesundheitlich nicht mehr in der Lage, sein hohe Amt noch länger

mit allen Lasten und Pflichten ausüben zu können. Darum setzte der Stamm­apostel Niehaus ihn im Mai 1907 in den Ruhestand und sonderte den bisheri­gen Apostelhelfer und Propheten Otto Steinweg zum Apostel für Braun­schweig, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt aus.

Im Berliner Bezirk war durch die Versetzung des Bischofs Oehlmann, der im Oktober 1905 zum Apostel ausgesondert worden war, sowie durch die Be­rufung des Bischofs Güldenpfennig nach Hamburg eine große Lücke entstan­den. Aber der liebe Gott stopft keine Löcher zu, indem er andere aufreißt, son­dern schafft Abhilfe. Im Frühjahr 1906 reiste der Stammapostel Niehaus des­halb mit einigen Aposteln nach Berlin. Dort hielt er am 14. April einen großen Festgottesdienst.

„Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, daß ich hingehe zum Altar Got­tes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott", war das Textwort aus dem 43. Psalm, das darauf hinwies, wieviel nicht nur vom Stammapostel, sondern auch von Apostel Hallmann und den Berliner Brüdern um Hilfe und Unterstützung gebetet worden war. Hilfe, die ihnen jetzt zuteil wurde, denn der Stammapostel Niehaus konnte für den Bezirk Berlin an diesem Sonntag nicht nur zwei Apostelhelfer, sondern auch noch eine große Zahl weiterer Amtsträger zur Bedienung der Gemeinden einsetzen.

Im September befand sich der Stammapostel zusammen mit seiner Frau in Dresden. Minna Niehaus' Gesundheitszustand hatte sich so verschlechtert, daß die Ärzte ihr dringend zu einer Kur geraten hatten. In der sächsischen Lan­deshauptstadt hoffte sie nun, Heilung oder doch wenigstens Linderung ihrer Leiden zu finden. Doch dies erfüllte sich nicht. Ohne sichtbare Besserung

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erschienen 1908

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Auch das mußte ab und zu sein: einige Augenblicke der Entspannung. V. r. n. 1.: der Bischof Horsmann, der Apostel van Oosbree und der Stammapostel Niehaus sowie deren Frauen 1910 in Holland

mußte Minna Niehaus nach Quelle zurückkehren. Da kann auch ein Gottes­kind schon einmal den Mut sinken lassen. Und so meinte Schwester Niehaus, als sie auch die Heimreise wieder im Rollstuhl antreten mußte: „Vater, was werden die Leute sagen, wenn ich wieder im Rollstuhl angefahren komme?" Ihr Mann drückte tröstend ihre Hand. „Laß sie sagen, was sie wollen. Kreuze­sträger kann nicht jeder sein."

Aber neben all den Strapazen der Kuranwendungen und der Niederge­schlagenheit darüber, daß sie erfolglos blieben, gab es doch auch Freude in der Dresdner Zeit. Der Apostel J. G. Bischoff hatte, ebenfalls gesundheitlicher Pro­bleme halber, auf anraten des Stammapostels einige Zeit zuvor in Dresden ge­kurt und dort seine spätere Frau kennengelernt. In Dresden fand nun auch die Hochzeit statt, und der Stammapostel Niehaus spendete den Brautleuten den Segen dazu.

Im Jahr 1908 wurde Hermann Niehaus sechzig Jahre alt. Gleichzeitig konnte er auf eine vierzigjährige Amtszeit im Werk Gottes zurückblicken — für ihn kein Grund, persönliche Ehrungen anzustreben, sondern vor allem, Gott zu danken.

Einmal hatte er in einem Gottesdienst gesagt: „Die Seligkeit eines Amts­trägers aber liegt in der Bewährung, und wer die Talente (das Vermögen) nicht in sich trägt, für den ist es besser, er wäre wieder ein Glied und esse als solches das Brot im Reiche Gottes, da kann er selig werden ohne Amt, was doch besser

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ist, denn als Amtsträger ins Verderben gehen zu müssen. Und wenn ich alles getan habe, was ich konnte, so muß ich dennoch sagen: Ich bin ein unnützer Knecht, es ist und bleibt alles Gnade." So sah er in seiner Bescheidenheit sein vierzigjähriges Kämpfen, Ringen und Glauben.

Seine Brüder und Geschwister sahen es allerdings ein bißchen anders. Zwar wußten auch sie, daß Gott segnen muß, wenn menschliches Bemühen gedeihen soll. — Aber darüber hinaus zollten sie auch ihrem Stammapostel Dank und Liebe. Er hatte sich nicht verweigert, als Gott ihn rief. Er war für sie, die ihn brauchten, immer dagewesen, ob als Diakon, als Evangelist, Ältester, Bischof, Apostel oder Stammapostel, und war dabei bis an die Grenzen seiner Kraft, manchmal sogar noch darüber hinausgegangen. Und darum sollte er an seinem sechzigsten Geburtstag die Liebe aus den Reihen der Gotteskinder spü­ren. Und so erhielt er nun Blumen, Briefe, Glückwünsche — vielfältige Beweise der Dankbarkeit und Zuneigung. Daran änderte auch die Tatsache nichts, daß der Stammapostel Niehaus diesen Geburtstag nicht im heimatlichen Quelle, sondern in Frankfurt am Main beging, um auf diese Weise, wie er gemeint hat­te, all dem Feiern aus dem Wege zu gehen.

Dabei feierte er ohnehin nicht, wie es sonst üblich ist, sondern im Kreis der Apostel und Brüder, die er zur Apostelversammlung nach Frankfurt eingela­den hatte. Auch der Apostel Klibbe aus Afrika hatte sich eingefunden, dazu die Bischöfe, Helfer und Ältesten aus allen Teilen Deutschlands und Hollands.

Apostelversammlung in Frankfurt am Main, 1908. Sitzend v. 1.: die Apostel Bock, Brückner und Bornemann, der Stammapostel Niehaus, die Apostel Klibbe und Hall-mann. Stehend v. 1.: die Apostel Steinweg sen. und Güldenpfennig, der Bischof Meuser, die Apostel J. G. Bischoff f und Oehlmann, der Bischof de Vries, der Älteste Brakke und der Bischof Horsmann

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Am Sonntag, dem 26. Juli, diente der Stammapostel einer großen Schar Gotteskinder in Frankfurt mit der Begebenheit von Zachäus, die in Lukas 19 steht. Dabei sagte der Stammapostel unter anderem: „Auf die Bitte eures lieben Apostels hier am Platze bin ich mit meinem ganzen Reichtum nach hier gekom­men, und dieser Reichtum, das sind die mitgekommenen Apostel, Bischöfe und so weiter. Die schätze ich höher als Gold und Silber. Mein größter Schatz, das sind die Apostel und die, welche durch ihr Wort zum Glauben gekommen sind, also alle Gotteskinder."

Auf Zachäus eingehend, dem Obersten der Zöllner, der, da er klein von Gestalt war, auf einen Maulbeerbaum kletterte, um Jesum vorüberziehen zu sehen, verglich der Stammapostel die Gemeinde mit diesem Mann. Zachäus hatte manches Ungute in seinem Leben getan, wie er selbst bekannte, aber die Begegnung mit dem Gottessohn änderte seinen Sinn und sein Leben. So sei er von dem Maulbeerbaum, in diesem Zusammenhang Sinnbild des Größer-sein­wollens, auch des Richtens und der Selbstüberhebung, heruntergestiegen, da­mit der Herr bei ihm einkehren konnte. Und als ihm diese Gnade widerfuhr, worüber viele murrten, weil sie von des Zachäus' bösen Taten wußten und sich selbst für besser und würdiger hielten, bekannte er das begangene Unrecht und suchte, es wiedergutzumachen, indem er die Hälfte aller seiner Güter den Armen gab und denen, die er betrogen hatte, alles vielfältig zurückerstatten wollte. In dieser Gesinnung müßten auch die Gotteskinder stehen, sagte der Stammapostel, damit der Herr bei ihnen mit seiner Gnade Einkehr halten und das Mahl feiern könne.

Seinen Geburtstag zwei Tage später beging er wiederum im Kreis der Apo­stel und Brüder, und dieses Fest war für ihn ein weiterer Anlaß, wieder einmal Rückschau zu halten. Das prägt sich auch in seinem Dankschreiben für alle ihm an seinem Ehrentag zuteil gewordene Liebe aus, das im „Neuapostolischen Sonntagsblatt" am 27. September 1908 veröffentlicht wurde.

Darin schrieb er unter anderem: „Am Jahresschlusse sieht ein jeder zurück in die Vergangenheit und wohl auch vorwärts in die Zukunft, das ist allge­mein; aber ein Geburtstag ist mehr persönlich. Aber es ist eine Zeit von 365 Ta­gen, und darin muß manches durchlebt werden. Ein gläubiges Herz kann nur dankbar zurückschauen und sagen: Ich bin noch im Hause Gottes und habe auch die Brüder noch lieb. Wer darin Glauben behalten hat, darin ist das Herz fröhlich, und diese Freude findet auch Teilnehmer. Das DurchlebteSchau­en', aber die Zukunft fordert Glauben, Vertrauen, Hoffen!

Mein Geburtstag war für mich ein besonderer Tag. Das Alte ist vergangen, es ist alles neu geworden. Dieser Tag war für mich ein Gedenktag einer vierzig­jährigen Tätigkeit im apostolischen Werke. Das ist eine lange Zeit, worin viele Stürme durchlebt sind. Viele von denen, die im Glauben standen, sind gefal­len, ich muß aber an dem heutigen Tage noch sagen: Ich stehe noch in dem Werke der Seligkeit, das hat Gott getan und ist ein Wunder vor meinen Augen! Wenn eine Minute genügt, für Zeit und Ewigkeit unglücklich zu werden ... so sind es aber vierzig Jahre, in denen ich getragen bin von der Kraft Jesu, darin ist dem lieben Gott zu geben Lob, Ehre und Danksagung ...

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Stolzer Besitzer seines ersten Automobils

Sechzig Jahre bin ich alt geworden, davon sind aber zwanzig Jahre zum Teil verloren — und doch nicht verloren; die zwanzig Jahre haben müssen dazu dienen, die Tiefen des Verderbens kennenzulernen, um auch sagen zu kön­nen, mir ist Barmherzigkeit widerfahren, aber auch durch die Versuchungen Mitleid haben zu können mit denen, die versucht werden."

Diese Worte rühren noch heute, denn sie kennzeichnen das Wesen von Hermann Niehaus in seiner ganzen Schlichtheit und Ehrlichkeit. So war er, ein Streiter Gottes, ein unermüdlicher, treuer Arbeiter, der dennoch fragt: Womit habe ich so viel Liebe und Anerkennung verdient? Was habe ich denn groß ge­tan? Und der sich trotz allen ernsten Mahnens zur Umkehr und innerlichen Er­neuerung, wenn es not tat, immer ein Herz für die Gestrauchelten bewahrt hat, um ihnen, wenn sie es nur wollten, die Hand zu reichen.                                                                        —

Sechzig Jahre war nun ein Alter, in dem viele Menschen daran denken, sich allmählich aus dem tätigen Leben zurückzuziehen und sich auf einen ge­ruhsamen Lebensabend vorzubereiten. Aber für den Stammapostel Hermann Niehaus kam das nicht in Frage. Er war gesund und rüstig und wurde gebraucht — also arbeitete er weiter.

Und es war viel Arbeit, die es auch in diesem Jahr zu bewältigen gab. Neben seinen Reisen saß er wieder einmal viele Stunden am Schreibtisch.

Wir haben schon von seinen Gegenschriften auf die Verleumder des Wer­kes Gottes berichtet; in späterer Zeit hat er solche Angriffe ignoriert, weil er feststellen mußte, daß sie keinen Schaden anzurichten vermochten — im Ge­genteil. Auf diese Weise wurde vielen Menschen überhaupt erst bekannt, daß

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1908 gab der
Stammapostel
Niehaus das erste
Lehrbuch über den
neuapostolisch
es wieder Apostel gab und wo sie zu finden waren, und die Ehrlichen und Suchenden kamen daraufhin, um zu prüfen — und blieben.

Aber für die Geschwister veröffentlichte der Stammapostel Niehaus in dieser Zeit eine Broschüre „Lichtblicke ins Totenreich", in der viele wertvolle Erkenntnisse über die Bereiche der jenseitigen Welt aufgeschrieben waren.

Außerdem erschien das „Hülfsbuch für die Priester und Diener der Neu­apostolischen Gemeinden für den Religions-Kinderunterricht". Es diente da­zu, auch den kleinsten Gotteskindern eine einheitliche Unterweisung zukom­men zu lassen.

Dieses aus Liebe und Sorge für die jungen Seelen geschriebene Buch war der Vorläufer unseres heutigen Buches „Fragen und Antworten", nur daß es

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zusammenhängend und nicht in Fragen und Antworten aufgegliedert war. Später, im Jahre 1916, brachte der Stammapostel Niehaus dann eine Weiter­entwicklung des „Hülfsbuches" heraus unter dem Titel „Lehrbuch für den Re­ligionsunterricht (Fragen und Antworten)".

Aber zurück zum Jahre 1908. Ganz gewiß hat Hermann Niehaus, als es zu Ende ging, wiederum Bilanz gezogen, wieviel in diesen zwölf Monaten hatte begonnen und mit Gottes Hilfe fortgeführt werden können. Insbesondere das Wachstum der Gemeinden muß ihn gefreut haben, denn es gibt eine Statistik über dieses Jahr, den Stand der europäischen Gemeinden betreffend. Darin ist zu lesen, daß 1908 insgesamt 12483 Menschen gerichtlich bekundet haben, daß sie zur Neuapostolischen Gemeinde übergetreten sind, von denen 8055 bereits versiegelt wurden.

Die schwere Zeit der Anfänge war in der Tat vorüber, es ging „vorwärts, aufwärts, himmelan", wie es in einem unserer Lieder heißt. Noch war Frieden, der Erste Weltkrieg warf noch keine drohenden Schatten voraus, die Apostel Jesu durften ungehindert reisen, um ihren Auftrag zu erfüllen. Und so beschloß der Stammapostel Niehaus, den Gotteskindern in den USA einen Besuch abzustatten.

Schon der Stammapostel Krebs hatte dies geplant, sein Vorhaben jedoch von Jahr zu Jahr aufgeschoben, weil es im eigenen Lande so viel Arbeit gab. Doch jetzt wurde das Bitten des Apostels Mierau, der vor einigen Jahren auf Wunsch des Stammapostels Krebs nach Amerika gegangen war, und seiner dortigen Geschwister erhört: Zum ersten Male würde ein Stammapostel den Boden des amerikanischen Kontinents betreten.

BESUCH IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

Eine solche Reise in der damaligen Zeit war etwas anders als heute, wo man in wenigen Stunden von Frankfurt am Main aus einem bequemen Linien­jet nach New York fliegt und sich höchstens an die Zeitumstellung gewöhnen muß.

Der Stammapostel Niehaus fuhr mit dem Schiff. Es war der Postdampfer „Cleveland", der von Cuxhaven aus die lange Fahrt über den „großen Teich" antrat. In seiner Begleitung befanden sich seine Frau, einer seiner Söhne und der Apostel Brückner aus Dresden, der die Ereignisse der ganzen Amerikareise getreulich für die Leser der „Neuapostolischen Rundschau" aufzeichnete.

Am Sonntag, dem 15. August 1909, verabschiedete sich der Stammapostel in einem Gottesdienst in Bielefeld von seinen Lieben in der Heimat. Dazu wa­ren die Apostel Bornemann und Steinweg sowie alle Bischöfe und Ältesten des Bielefelder Bezirks eingeladen. Anders als sonst bei einem Gottesdienst des Stammapostels, wo Freude die Herzen erfüllt, waren dieses Mal die Geschwi­ster recht traurig und bedrückt. Sie alle machten sich Sorgen um ihren Stamm­apostel. Immerhin war er 61 Jahre alt — für damalige Verhältnisse schon ein äl­terer Herr. Da wogen die Strapazen und Unwägbarkeiten einer solch weiten Reise schwerer als bei einem jüngeren Menschen. Auch seine Mitapostel

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hatten ihn gebeten, doch seine Gesundheit zu schonen und lieber hierzublei­ben. Doch der Stammapostel hatte ihnen erwidert: „Haltet mich nicht auf, ich reise jetzt!"

In diesem Abschiedsgottesdienst wurde es notwendig, daß er die Ge­schwister und Brüder in ihrer Verzagtheit aufrichtete. „Es ist gerade so, als wenn eine Gethsemane-Stimmung auf der Gemeinde läge", sagte er zu den Versammelten. „Aber ich sage euch im Glauben: Über ein Kleines, da werdet ihr mich nicht sehen, und abermals über ein Kleines, da werdet ihr mich sehen."

Drei Tage später reiste er mit seiner Begleitung nach Hamburg. Mit einem Extrazug der H. A.-Linie ging es nach Cuxhaven, wo sie sich an Bord der „Cle­veland" begaben. Es war ein für damalige Verhältnisse sehr modernes Schiff, das seine Jungfernfahrt erst in jenem Jahr gemacht hatte und nun die vierte Reise unternahm. Der Apostel Brückner verglich den Überseedampfer mit einer schwimmenden Stadt, die 375 Mann Besatzung und 2825 Passagiere beherbergte.

Die „Cleveland" war 190 Meter lang, zwanzig Meter breit, hatte einen Tief­gang von zehn Metern und die Tragfähigkeit von 130000 Tonnen. Betrieben wurde das Schiff durch Kohlekraft. Um die insgesamt 4650 PS starken Maschi­nen in Bewegung zu halten, wurden pro Stunde 125 Zentner Kohle benötigt. Die Kohlenbunker faßten 2160 Tonnen Koks, was für eine vierzehntägige Fahrt ausreichte. Auf dem offenen Meer betrug die Geschwindigkeit der „Cleve­land" 30 bis 35 Stundenkilometer.

Zur Besatzung gehörten auch drei Ärzte, zwei Heilgehilfen und zwei Apo­theker. Es gab ein Schiffshospital und Verbandszimmer, eine Fülle von Gesell­schaftsräumen, wie Bibliotheken, Rauchsalons, Damensalons, Tanzsäle, au­ßerdem mehrere Meerwasserschwimmbäder, dazu Kohlensäure- und elektri­sche Lichtbäder, einen Turnsaal, ein Telegrafenamt und eine Druckerei, die die Passagiere täglich mit einer illustrierten Zeitschrift in drei Sprachen versorgte.

In seiner gewohnten Bescheidenheit hatte der Stammapostel Niehaus für sich und seine Lieben nur Passagen für die zweite Klasse gebucht. Am 19. Au­gust stach die „Cleveland" in See. Der Apostel Brückner schreibt, daß an die tausend Menschen am Kai standen, um den Abfahrenden nachzuwinken, un­ter ihnen der Apostel Güldenpfennig, der sein weißes Taschentuch wie eine Fahne schwenkte, um sich noch möglichst lange bemerkbar zu machen, wäh­rend die „Cleveland" aus dem Hafen fuhr.

Nach zwanzigstündiger Fahrt kamen die Kreidefelsen der englischen Kü­ste in Sicht. Im Ärmelkanal herrschten stürmisches Wetter und schwere See, so daß eine große Anzahl der Passagiere seekrank wurde. „Frühmorgens", heißt es im Reisebericht des Apostels Brückner „konnte man Männer, Frauen und Kinder beobachten, die, an der Schiffsreling stehend, beim Erbrechen saure Gesichter schnitten. Ja, liebe Leser, eine Seefahrt hat also auch ihre Schatten­seiten, und diese sind nicht gering. Der liebe Stammapostel sagt hierüber, es sei einem gerade, als ob die Schiffsschraube oben im Kopfe säße und sich im­mer tiefer herabbohre, bis sie sich im Magen festgesetzt hat und Kopf und Magen Tag und Nacht umrührt."

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Die Überfahrt nach Amerika dauerte zehn Tage.

Am Sonntag, dem 29. August, wurden die Passagiere der „Cleveland" ge­gen vier Uhr morgens wach, weil die Schiffsmotoren gedrosselt wurden. Die Peripherie von New York schälte sich aus dem Morgendunst. Dennoch dauer­te es noch Stunden, bis die Passagiere endlich in Hoboken von Bord gehen konnten. „Wir nahmen erst eine tüchtige Dosis von dem apostolischen Pulver Geduld ein", schrieb der Apostel Brückner darüber. Das war nötig, denn die

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ollformalitäten zogen sich unverhältnismäßig in die Länge. Doch dann war auch dies überstanden, und die Gottesknechte wurden am Pier von dem Apo­stel Mierau empfangen. Und schlagartig ließ das Bewußtsein, wieder ein Bru­der unter Brüdern zu sein, alle Strapazen in Vergessenheit geraten.

Von Hoboken aus, wo die großen Ozeanriesen anlegten, ging es mit dem Dampfboot nach New York, und damit hatte die lange Reise vorerst ihr Ende. In der Wohnung des Apostels Mierau wurden die Ankömmlinge liebevoll und gastfrei aufgenommen und konnten sich ausruhen.

In Deutschland aber traf ein Telegramm ein, das Hermann Niehaus gleich nach seiner Ankunft aufgegeben hatte und das unter den zurückgebliebenen Geschwistern große Erleichterung auslöste. „Heute morgen fröhliche Ankunft in Amerika."

Am Dienstag abend, dem 31. August, hielt der Stammapostel den ersten Gottesdienst in New York. Dazu schrieb der Apostel Brückner: „Eine zahlrei­che Menge Gottesvolk hatte sich in dem Eigentumshause der Gemeinde ver­sammelt. Das Lokal war als Ausdruck der Freude festlich geschmückt. Die Ge­meinde sang das Lied: „Was ist das Göttlichste auf dieser Welt, der Glaube, die Liebe, die Hoffnung." Der liebe Stammapostel legte seinen Worten und Aus­führungen in diesem Begrüßungsdienst die Frage zugrunde:

„Wo kommst du her?

Wo willst du hin?

Wer bist du?

Was willst du werden?"

Tags darauf erlebten die Geschwister in Brooklyn einen Gottesdienst des Stammapostels, in dem der 125. Psalm als Textwort verwendet wurde. Am Donnerstag war Gottesdienst in Pasaik, einem Industrieort, wo zehn Jahre zu­vor mehrere sächsische Firmen aus dem Vogtland große Fabriken gegründet hatten. Zahlreiche Sachsen hatten seinerzeit ihre Heimat verlassen und waren nach Amerika ausgewandert.

So fand der Apostel Brückner in Pasaik eine Reihe Landsleute vor, was all­gemeine Freude auslöste. Diese Gemeinde bestand noch nicht lange, und so betete der Stammapostel in diesem Gottesdienst besonders herzlich darum, daß sie im Segen wachsen möge, und ermahnte die Gläubigen, weiterhin eifrig Zeugnis zu bringen, damit der Name des Herrn immer größer werde.

Der Freitag war Gesprächen mit dem Apostel Mierau sowie einigen Erho­lungsstunden vorbehalten, um Kräfte für die am Samstag beginnende Rund­reise durch die USA zu sammeln. Zuvor schickte der Stammapostel noch ein Telegramm nach Deutschland: „Wir fahren morgen, Sonnabend, den 4.9., von New York ab nach Westen und kommen erst in drei Wochen wieder zurück nach New York. Morgen zwölf Stunden Bahnfahrt."

Das erste Reiseziel war Buffalo, eine Stadt, die damals etwa eine halbe Mil­lion Einwohner zählte. Mutter Niehaus war zu krank, um ihren Gatten auf die­ser Fahrt zu begleiten. Ein leiblicher Bruder von ihr lebte in Huntington in der Nähe von New York. Dort blieb sie während der Rundreise des Stamm­apostels. Ihr Hausarzt hatte ihr vor dem Aufbruch aus Bielefeld Hoffnung

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gemacht, daß sich ihr Gesundheitszustand durch den Klimawechsel bessern könne. Doch leider geschah das nicht.

Abends, nach einer langen, staubigen Fart, durchgerüttelt und müde, traf der Stammapostel in Buffalo ein, wo er und seine Begleiter im Hause des Älte­sten Erb gastliche Aufnahme fanden. Am Sonntag war dann um zehn Uhr Got­tesdienst in Buffalo. Da es nach deutscher Zeit gerade nachmittags vier Uhr war, gedachten der Stammapostel und die ihn begleitenden Apostel — denn na­türlich hatte sich der Apostel Mierau den Reisenden angeschlossen — ihrer Amtsbrüder und Geschwister in Europa, die sich um diese Zeit zum Nachmit­tagsgottesdienst versammelten, und beteten auch für sie.

Die Gemeinde sang als Eingangslied: „Ich bete an die Macht der Liebe", und der Stammapostel verlas nach dem Gebet und der Begrüßung der Versam­melten die Verse 1 bis 11 aus Matthäus 4.

Von Buffalo erreichte man in einer damals anderthalbstündigen Fahrt mit der elektrischen Stadtbahn die berühmten Niagarafälle, die der Stammapostel mit seinen Begleitern besichtigte. Das gewaltige Naturschauspiel, wie der Fluß plötzlich aus einer Höhe von etwa siebzig Metern über einen Felsenvorsprung in ein tiefes Tal stürzt, wobei durch das Sonnenlicht, das sich im Wasserstaub bricht, die schönsten Regenbogen zu sehen sind, beeindruckte die deutschen Gäste sehr.

Die nächste Etappe der Reise war Rochester, eine Stadt, die damals etwa 250000 Einwohner vieler Hautfarben zählte. Der Apostel Brückner schrieb

Der Apostel Mierau aus Nordamerika mit seinen 12 Söhnen

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Impressionen von
der Reise des
Stammapostels
nach Nordamerika:
Straßenszene
in Chicago 1909

dazu: „Hier denkt man unwillkürlich an das Psalmwort: In Zion werden allerlei Leute geboren. Sie sind alle Menschen, von einem Gott geschaffen, auch die Fülle der Heiden soll gewonnen werden. Gott hat ein weites Herz, möchten es alle Apostolischen bedenken und ein gutes Zeugnis ablegen vor allen Men­schen ohne Rassenunterschied."

Auch hier wurde Gottesdienst gehalten. Als Schale dienten die Worte aus Psalm 48: „Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel. Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden." Im Verlauf seines Die­nens wies der Stammapostel besonders auf den Wert des 13. und 14. Verses hin: „Machet euch um Zion und umfanget sie, zählet ihre Türme; achtet mit Fleiß auf ihre Mauern, durchwandelt ihre Paläste, auf daß ihr davon verkün­digt den Nachkommen."

Die Türme, so sagte er, seien sichtbar in den Aposteln. Sie müßten, zu Gott bittend, umgeben werden, ebenso die Mauern, die Amtsträger. Und so

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sollten auch die Amerikaner geheiligte Gebetshände für ihren Apostel und die Brüder aufheben und der Welt ein gutes Zeugnis verkündigen von den Taten der Liebe Jesu in Zion, der Apostelkirche.

Detroit, das nächste Reiseziel, war damals ein idyllisch gelegener Ort am Verbindungssrom zwischen Erie- und Huronsee, ganz in Grün gebettet. Um dorthin zu gelangen, mußte man vierzehn Stunden mit dem Dampfer über den Eriesee fahren. Hier besaß die Neuapostolische Gemeinde, wie in den meisten besuchten Städten, ein eigenes Versammlungslokal, das einem Pastor abge­kauft worden war. Schwester Steiner, die Frau des dortigen Vorstehers, diri­gierte den Chor, der die Ankömmlinge mit dem Lied begrüßte: „Dies ist der Tag, den der Herr macht."

In Detroit diente der Stammapostel mit dem Wort aus 2. Korinther 6, die Verse 11 bis 18, und sagte unter anderem: „Wir können wohl sagen, wir haben ein weites Herz; es ist viel Raum in uns. Wir lassen auch unser Leben für die Brüder ... Wir können tragen mit Geduld, selbst die Widerspenstigen, aber mehr noch die, die Christum liebhaben. Wäre es möglich, wir möchten die ganze Welt selig machen. Der größte Sünder hat Raum in uns, wenn er sich nur bessern will."

Am folgenden Tag ging es mit der Eisenbahn in westlicher Richtung wei­ter nach South Bend, wo noch am selben Abend ein Gottesdienst gehalten wurde. Am Sonntag setzte man dann die Bahnfahrt nach Chicago fort. Der Apostel Brückner schildert sehr lebendig die Beschwernisse in den ratternden, unbequemen Zügen der damaligen Zeit. Zugverspätungen waren die Regel, wie er schreibt, die Gepäcknetze über den Sitzen waren klein und nur in gerin­ger Anzahl vorhanden, so daß man kaum das Handgepäck unterbringen konn­te; die Sitze waren schmal und sehr eng, und statt eines Bahnwärters, der die Bahnübergänge überwacht, war an jeder Lokomotive eine Glocke angebracht. Sie läutete während der ganzen Fahrt, um das Herannahen des Zuges zu mel­den. Außerdem mußte die Lokomotive vor jedem Bahnübergang vier schrille Pfiffe als Warnzeichen für Fuhrwerke und Fußgänger ertönen lassen, so daß eine ruhige Unterhaltung während einer solchen Fahrt unmöglich war.

Am Sonntag wurde der Gottesdienst in Chicago in einem eigens dafür ge­mieteten Saal gehalten. Die Gotteskinder hatten sich vollzählig eingefunden, und der Stammapostel diente mit dem Wort aus Haggai 1, 2 bis B. Dieses Kapi­tel ist in der Heiligen Schrift überschrieben: Strafpredigt bei der Nachlässigkeit im Tempelbau.

Nun, eine Strafpredigt war es nicht, die der Stammapostel den Gotteskin-dem hielt, aber er ermahnte sie mit allem Ernst, doch eifriger zu opfern, damit der Apostel Mierau, der bis dahin weitgehend von Deutschland aus beim Auf­bau der Gemeinden unterstützt worden sei, auch darin ernten könne.

Der Stammapostel bleib einige Tage in Chicago und besuchte von dort aus die Städte Bellwodt und Milwaukee, um Gottesdienste zu halten. Erst spät in der Nacht erreichten sie wieder ihr Chicagoer Quartier, die Wohnung des Prie­sters Busse.

Cleveland war die letzte Station der Rundreise. In dieser Stadt, die damals etwa eine halbe Million Einwohner zählte, gab es nur eine kleine Gemeinde;

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wegen der großen Entfernungen konnte sie nur selten von höheren Amtsträ­gern besucht werden. Der Stammapostel diente dort in großer Liebe mit dem Gleichnis vom Himmelreich, das einer köstlichen Perle gleich sei, die ein Kauf­mann fand, dann hinging und alles verkaufte, was er hatte, um es für diese Perle hinzugeben. Der Wert des Apostelamtes im lebenden Apostel sei eine solche Perle, sagte der Stammapostel, von Christo in den Acker der Gemeinde hineingelegt.

In diesem wie in allen vorangegangenen Gottesdiensten wies er immer wieder auf den Apostel Mierau hin, den er vor acht Jahren auf Wunsch des Stammapostels Krebs schweren Herzens habe ziehen lassen, um in den USA das Werk Gottes voranzutreiben. Dieser Apostel Jesu, so betonte der Stamm­apostel, habe Übermenschliches geleistet und sich im Dienst des Herrn aufge­rieben. Um ihm neue Kräfte zu geben, sei er hergekommen, Kräfte, die dann wiederum den Gotteskindern zugute kämen.

Die Anstrengungen dieser Reise waren auch an Hermann Niehaus nicht spurlos vorübergegangen. Sie hatten ihn gezeichnet. Apostel Brückner berich­tet, daß er wohl an die zehn Pfund Gewicht verloren hatte und recht erschöpft wirkte.

Auch die Rückfahrt nach New York war alles andere als angenehm, sie dauerte diesmal zwei Tage und zwei Nächte, weil an der Lokomotive eine Kol­benstange brach, so daß der Zug lange Zeit auf freier Strecke stehenblieb. Wie leicht hätten beim Eintreten des Defektes Waggons entgleisen können! Aber der liebe Gott beschützte seine Knechte, so daß kein größeres Unglück geschah.

Allerdings gab es damals noch keine Liege- oder Schlafwagen, so daß die Reisenden die ganze Zeit in dem staubigen, zugigen Abteil zubringen mußten.

Am Sonntag, dem 19. September, fand dann in Brooklyn der Abschieds­gottesdienst statt. Dafür war wiederum ein Saal gemietet worden, da sich ein großer Wunsch des Apostels Mierau leider nicht erfüllt hatte. In Brooklyn be­fand sich die erste gemeindeeigene Kirche im Bau, und der Apostel hatte ge­hofft, sie würde rechtzeitig fertig, so daß der Stammapostel Niehaus sie wei­hen könnte. Doch dies war trotz angestrengtester Arbeit nicht zu schaffen gewesen.

Der Stammapostel ging in diesem Gottesdienst auf die Begegnung Jesu mit dem samaritischen Weibe am Jakobsbrunnen ein und sprach noch einmal die herzliche Bitte aus, die Geschwister möchten doch mehr Opferfreudigkeit an den Tag legen. Auch der Herr Jesus habe damals die Frau am Jakobsbrun­nen gebeten, ihm zu trinken zu geben, da er müde von der Reise war. So sei es auch nötig, den Gottesknechten beizustehen.

Nach der Abendmahlsfeier verabschiedete sich der Stammapostel von den Geschwistern. Viele von ihnen weinten, als er sagte, daß er nicht wisse, ob es ihm jemals wieder vergönnt sei, sie von Angesicht zu Angesicht zu sehen und noch einmal nach Amerika zu kommen. Doch dann hoffe er, in jener Welt alle wieder beisammen zu finden.

In der anschließenden Ämterversammlung stärkte er die Brüder für ihren Lebensweg und die vor ihnen liegenden Aufgaben. Damit endete der „offiziel‑

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le Teil" der Amerikareise des Stammapostels. Er hatte in nicht einmal drei Wo­chen 13 Gottesdienste gehalten und endlose Stunden in der Eisenbahn zuge­bracht.

Um sich noch ein wenig zu erholen, blieb er nun noch für fünf Tage in Huntington, wo seine Frau ihn bereits voller Sehnsucht erwartete. Beide wa­ren froh und dankbar, daß sie einander wiederhatten und der liebe Gott Be­wahrung und Segen auf der langen Reise geschenkt hatte.

Bei strömendem Regen hieß es dann am 24. September, endgültig Ab­schied zu nehmen. Der Stammapostel und seine Begleiter schifften sich dies­mal auf der „Cincinnati" ein, die am anderen Morgen pünktlich um acht Uhr den Hafen verließ.

Der Apostel Mierau und einige Brüder standen am Pier. Während die Bordkapelle fröhliche Weisen spielte, winkten sie mit tränennassen Augen dem Stammapostel nach, solange er noch zu sehen war. Inzwischen hatten sich die Regenwolken verzogen, es war ein klarer, sonniger Septembertag.

Auch am Sonntag herrschte noch strahlendes Wetter, und als der Stamm­apostel mit seinen Lieben gegen zehn Uhr das obere Schiffsdeck betrat, waren sie dort ganz allein. Das Meer glänzte im Licht, und jeder hing seinen Gedan­ken nach. Da wurde plötzlich auf dem nächsten Schiffsdeck von der Bordka­pelle das Lied gespielt: „Dies ist der Tag des Herrn." Zunächst leise, schwoll die Musik schließlich zu strahlendem Fortissimo an, und die Menschen auf dem Deck sprachen im Geist die Worte des Liedes mit, wo es heißt:

Die neuapostolische Kirche von Brooklyn/USA kurz nach

der Jahrhundertwende

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„Anbetend knie ich hier.

0 süßes Grau'n, geheimes Weh'n, Als knieten viele ungeseh'n

und beteten mit mir..."

„Das war ein Gottesdienst, kurz und erbaulich!" So empfand es der Apostel Brückner. „Tief zu Herzen gehend, den der liebe Gott uns selber hielt."

Ein ähnlich bewegendes Erlebnis wurde dem Stammapostel und seinen Begleitern auch am darauffolgenden Sonntag zuteil, als sie wieder gegen zehn Uhr an Deck kamen und die Schiffskappelle das Lied intonierte: „Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten."

Das war wieder ein Aufatmen für die Seele, zumal eine recht unruhige Woche hinter den Reisenden lag. Wegen eines aufgekommenen Sturmes und der haushohen Wellen mußten sogar die Kajütenfenster der „Cincinnati" ver­schraubt werden und drei Tage lang geschlossen bleiben. Dreiviertel der Pas­sagiere wurden seekrank, und als der Wind endlich ein wenig abflaute, hatte das Schiff schwere Schlagseite, weil vermutlich die Ladung durch den starken Seegang verrutscht war.

Am 2. Oktober, einen Tag später als vorgesehen, lief die „Cincinnati" in Cuxhaven ein. Hier wurden die Heimkehrenden von den Aposteln Borne-mann und Güldenpfennig erleichtert willkommen geheißen, und der Apostel Brückner konnte seine Frau, die in Deutschland zurückgeblieben war, in die Arme schließen. Er reiste mit ihr ins heimatliche Dresden zurück, während der Stammapostel sogleich nach Quelle aufbrach. Dort traf er gegen sieben Uhr abends ein, schon am Bahnhof freudig von seinen Angehörigen, Kindern und Enkeln und zahlreichen Gemeindemitgliedern erwartet.

Das Haus des Stammapostels war mit Ehrenbogen, Girlanden und Lam­pions geschmückt. „Herzlich willkommen", stand über dem Eingang, und vor der Haustür hatten die Brüder ein Schild angebracht, auf dem in westfälischer Mundart zu lesen war:

„Nord — Ost — Süd — West —

Hus best!"

Auch hier hatten sich Geschwister und Sänger versammelt, die die An­kommenden mit einigen Liedern erfreuten. Der Stammapostel dankte allen herzlich für die liebevolle Begrüßung, betonte aber immer wieder: „Gebt unse­rem Gott die Ehre!"

Mit Gebet und Segen endete das Beisammensein.

Im Juni 1910 reiste der Stammapostel Hermann Niehaus in Begleitung des Apostels Bornemann nach Holland. Der dortige Apostel Kofman war seit län­gerem schwer erkrankt, und obwohl ihm zwei Apostelhelfer zur Seite standen, vermochte er nicht mehr, seinen Bezirk so zu betreuen, wie dies nötig war.

Der Apostel Kofman war 66 Jahre alt und hatte seine ganze Kraft dem Werk Gottes geopfert. Nun sehnte er sich nach einem stillen, ruhigen Lebens­abend. Seine Mitapostel, die um seinen ernsten Gesundheitszustand wußten, hatten den Stammapostel seit einiger Zeit gebeten, Jakob Kofman in den Ruhe­stand zu versetzen. Er hatte schließlich zugestimmt, obwohl es ihm nicht

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Eine Apostelversammlung in Holland Ende der 20er Jahre

leichtfiel, diesen treuen Gottesknecht nicht mehr im aktiven Dienst an seiner Seite zu wissen.

In all den Jahren war der Apostel Kofman ihm ein lieber Freund gewor­den, und so erfüllte es den Stammapostel mit großer Traurigkeit, ihn, als er ihn in seinem Domizil in Enkhuizen besuchte, so hinfällig und leidend zu sehen. Er hatte oft für die Gesundheit dieses Apostels gebetet, doch als er jetzt an sei­nem Lager stand, sah er, daß diese Bitte nicht erfüllt werden würde.

Nach seinem Besuch hielt der Stammapostel in Enkhuizen einen Gottes­dienst für die Amtsbrüder. Die Gemeindevorsteher aus ganz Holland waren zugegen und dadurch alle 67 holländischen Gemeinden vertreten. In diesem Gottesdienst wies der Stammapostel noch einmal auf die aufopferungsvolle, gesegnete Arbeit des Apostels Kofman hin. Dann sagte er: „Wo das Haupt krank ist, da wird der ganze Leib schwach. Soll ich nun die Gemeinden in Hol­land unter dieser Last seufzen lasen? Nein! Die Notwendigkeit erfordert es, den Apostel Kofman, der seine Kräfte dem Werk Gottes geopfert hat, in den Ruhestand zu setzen und die Last und Verantwortung auf eine junge und ge­sunde Kraft zu legen ... Ich habe lange gesucht und gebetet — und dazu auch die anderen Apostel aufgefordert — Gott möchte uns doch den rechten Mann für seine Kinder in Holland finden lassen. Er wird es auch tun..."

Am nächsten Tag war Gottesdienst in Amsterdam. 2500 Geschwister hat­ten sich dazu eingefunden. Das Textwort stammte aus dem 1. Buch Samuel, Kapitel 16, in dem beschrieben ist, wie der Prophet Samuel auf Geheiß des Herrn ins Haus des Isai kam, um den neuen König für Israel zu salben.

Noch einmal berichtete der Stammapostel, wie herzlich er gebetet hatte, der liebe Gott möge den Apostel Kofman doch stärken und aufrichten, aber der Herr habe es anders beschlossen. „Der liebe Apostel Kofman ist alt und

 

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Dampfdruckerei F. J. W. Posthuma, Enkhuizen/Niederlande. Dort wurde früher das apostolische Schrifttum gedruckt. V. 1. n. r. Schwester Posthuma, Bruder Posthuma (Drucker), Bezirksältester Bloemers, Schwester Bloemers, Bischof de Vries, Bischof Horsman, der Stammapostel Niehaus und der Apostel van Oosbree

krank ... ich kann es nicht verantworten, daß er noch länger unter der Last ge­martert wird."

Dann fuhr der Stammapostel in bezug auf das Textwort fort: „Ich habe ge­sucht wie Samuel, der das Ölhorn in seiner Hand hatte und die Söhne Isais an sich vorüberziehen ließ. Als der älteste kam, da dachte Samuel: Der ist es. Aber Gott sagte nein. Gott hatte andere Gedanken ...

Hier sind die beiden Apostelhelfer de Vries und Horsman. Ich habe auch erst den Gedanken gehabt, die müssen doch wohl die Männer sein. Ich habe bei ihnen angeklopft, aber der Helfer Horsman schrieb: Ich bin schwach und kann die Last nicht tragen. Der Helfer de Vries schrieb auch, er kann es nicht, es muß ein gesunder Mann sein. Nun lasse ich wie Samuel alle vor meinem Geiste vorüberziehen, und wo sich meine und auch eure Gedanken daran bin­den, der muß es wohl sein...

Ein Mensch siehet, was vor Augen ist, aber der Herr siehet das Herz an, das Verborgene. Aber welchen hast du dann erwählet? Der Herr sagt: Es ist noch übrig der Kleinste, er ist auf dem Felde und hütet die Schafe, rufet ihn!"

Danach fragte der Stammapostel die Gemeinde: „Glaubt ihr, daß der wahrhaftige Apostel Jesus Christus in mir ist? Hier sagt der Herr: Rufet ihn! Als wahrer Apostel Jesu Christi rufe ich dich, van Oosbree, zum Apostel für Holland!"

Da ging eine gewaltige Bewegung durch die Versammelten, viele wein­ten, und die Berufung des Ältesten Johannes Hendrik van Oosbree aus Enk-huizen wurde durch viele Zeugnisse des Heiligen Geistes bestätigt.

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Mit Tränen in den Augen trat der Älteste van Oosbree zum Altar, und der Stammapostel fragte ihn, ob er die Last und Verantwortung auf sich nehmen wolle, was dieser mit einem Ja beantwortete. Daraufhin legte der Stamm­apostel ihm die Hände auf und berief ihn zum Apostel.

Der Apostel Kofman durfte sich noch ein Jahr seines Ruhestandes erfreu­en. Dann holte der Herr ihn heim. Der Stammapostel führte die Trauerfeier durch. Er war in Begleitung der Apostel Hallmann und Bornemann gekommen und diente in holländischer Sprache über das Wort: „Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hin­fort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit."

Auch von einem weiteren treuen Weggefährten hieß es bald darauf Ab­schied zu nehmen. Der seit dem Jahre 1907 im Ruhestand lebende Apostel Se­bastian wurde am 9. Juni 1912 in die jenseitige Welt abgerufen. Das Telegramm mit dieser Nachricht erreichte den Stammapostel Niehaus auf der Reise von Leipzig nach Süddeutschland, so daß er nicht mehr rechtzeitig zur Beerdigung kommen konnte. Deshalb beauftragte er den Apostel Bornemann, an seiner Statt den Trauergottesdienst durchzuführen.

Wiederum zwei Jahre später stand der Stammapostel Niehaus innerhalb von wenigen Wochen abermals an zwei Gräbern. Die beiden heimgegangenen Apostel Jesu waren jünger als er, und ihr Verlust erfüllte ihn und das ganze Gottesvolk mit tiefem Schmerz:

Der Apostel Heinrich Bornemann aus Iserlohn war nur 55 Jahre alt gewor­den. Mit ihm mußte der Stammapostel einen seiner engsten Mitarbeiter herge­ben, der ihn auf vielen Reisen begleitet und dessen gütiges Dulderwesen sein Herz gewonnen hatte. Der Beisetzung auf dem Friedhof legte der Stamm­apostel das Wort zugrunde: „Aber der Gerechte kommt um, und niemand ist, der es zu Herzen nehme; und heilige Leute werden aufgerafft, und niemand achtet darauf. Denn die Gerechten werden weggerafft vor dem Unglück; und die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern."

Die Gerechten werden weggerafft vor dem Unglück ... Ein wahrhaft pro­phetisches Wort in diesem Jahr 1914, denn Heinrich Bornemann starb nur we­nige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Sieben Wochen später, in den allerletzten Friedenstagen, nämlich am 27. Juni, wurde der Apostel Bock im Alter von 51 Jahren heimgerufen. Die Be­erdigung fand in Basel statt, wohin der Stammapostel Niehaus in Begleitung der Apostel Brückner, Hallmann, van Oosbree und J. G. Bischoff reiste. Bei der Trauerfeier, die in der Kapelle des Krankenhauses abgehalten wurde, in dem Apostel Bock seine letzten Erdentage verbracht hatte, tröstete der Stamm­apostel die Leidtragenden mit dem Wort aus Jesaja 28, Vers 29: „Solches ge­schieht auch vom Herrn Zebaoth; denn sein Rat ist wunderbar, und er führt es herrlich hinaus.

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Den verwaisten Bezirk des Apostels Bock, der Baden, die Schweiz, das Elsaß und Lothringen umfaßte, übertrug der Stammapostel dem Apostel J. G. Bischoff zur vorläufigen Pflege, damit die Geschwister wieder einen liebevol­len Hirten hatten.

Es gab aber nicht nur Trauer in diesen Jahren, sondern ebenso viele geseg­nete Gottesdienste und Amtseinsetzungen. Eine davon leuchtet besonders hervor: die Ordinierung des Bischofs Georg Heinrich Wilhelm Schlaphoff zum Apostel für Südafrika. Das geschah am 21. September 1913 im Beisein sämtli­cher Apostel in Bielefeld. Auch der Apostel Mierau aus Amerika war gekom­men. Er blieb fünf Monate in Deutschland und reiste dann, mit neuen Kräften ausgerüstet, in die Vereinigten Staaten zurück.

Zu diesem Zeitpunkt dachte noch niemand in Deutschland an Krieg. „Es ist Frieden, es hat keine Gefahr", sagten sich die Menschen. Aber der liebe Gott wußte es anders und hatte den Stammapostel rechtzeitig darauf hingelenkt, die Weichen für eine ausreichende Betreuung der überseeischen Gemeinden zu stellen. Durch den Krieg, der im August 1914 begann, waren die Gottes­kinder außerhalb Deutschlands für mehrere Jahre vom Stammapostel abge­schnitten.

GLAUBENSSTREITER IN SCHWERER ZEIT

Das vier Jahre währende Völkerringen brachte auch den Gotteskindern große seelische und materielle Not und schlug tiefe Wunden. Nicht nur, daß die Söhne und Familienväter an die Front mußten — in allen Bezirken wurden Amtsträger eingezogen. Und die Verbindung zu den überseeischen Gemein­den und denen, die plötzlich zum „feindlichen" Ausland gehörten, riß voll­ständig ab. Die ostpreußischen Gemeinden hatten ein besonderes Kreuz zu tragen, da dort die russischen Armeen einmarschierten. Viele Geschwister wa­ren geflüchtet und konnten erst später wieder gesammelt werden.

Vor allem aber fehlte es bald überall an Amtsbrüdern. So schrieb der Apo­stel J. G. Bischoff in der „Neuapostolischen Rundschau" voller Sorge: „Bei mir scheint große Not einzukehren, denn wenn der Landsturm weg muß, so blei­ben für beide Apostelbezirke (Frankfurt und Karlsruhe) mit 120 Gemeinden noch nicht mal 25 Amtsträger. Das ist eine Armut, wenn der liebe Gott den Vorrat des Seelenbrotes so wegnimmt! Vom Elsaß bekam ich heute meine Brie­fe zurück, sie wurden nicht mehr befördert. Auch die Schweiz ist augenblick­lich von jedem Briefverkehr so gut wie abgeschnitten."

Und der Apostel Brandes aus Stettin meldete in derselben Ausgabe, daß sämtliche Gemeinden viele Brüder zum Kriegsfeldzug hergeben mußten. Er sei dadurch gezwungen, mehrere Versammlungsstätten zu schließen, weil keine Seelenpfleger mehr in der Heimat waren.

In gewissen Abständen wurden per Feldpostbrief Gottesdienstberichte an die Brüder in den Kampfzonen versandt, da es an der Front fast nie möglich war, Gottesdienste zu halten oder örtliche Gemeinden aufzusuchen. Da und dort fanden sich wohl neuapostolische Brüder mit einem Amtsträger zu einer Andacht zusammen, doch das war die Ausnahme.

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Besuch des Apostels Schlaphoff (2. v. r.) aus Südafrika im Jahr 1913; hintere Reihe: der Evangelist Kuhfeld und der Bruder Staak mit ihren Frauen

Liebe und Sorge sprechen aus jedem dieser Briefe des Stammapostels an die Frontsoldaten, Sorge vor allem um den Seelenzustand der jungen Brüder, von denen täglich welche fallen konnten und die er dann für die jenseitige Welt gut vorbereitet wissen wollte.

Es gibt keine Statistik darüber, wie viele unserer Glaubensbrüder aus den am Ersten Weltkrieg beteiligten Ländern gefallen sind; in jeder Ausgabe der „Neuapostolischen Rundschau" wurden aber etliche Namen bekanntgegeben.

Der Stammapostel ließ sich durch den Krieg nicht daran hindern, Reisen zu unternehmen, um die Geschwister zu trösten und aufzurichten. So fuhr er im Jahr 1915 sogar nach Ostpreußen, wo er mehrere Gottesdienste hielt.

Das Jahr 1916 brachte neue Belastungen. Im Oktober wurde der Apostel J. G. Bischoff eingezogen. Der Stammapostel reiste nach Frankfurt am Main, wo er am 22. Oktober in einem Gottesdienst den Bezirksältesten August Hölzel zum Apostel für die Schweiz aussonderte und den Bezirksältesten Karl Hart­mann zum Bischof für den Karlsruher Bezirk setzte. Beide Gottesknechte wa­ren sich der besonderen Schwere ihrer Aufgaben unter den herrschenden Ver­hältnissen bewußt und gaben unter Tränen ihr Jawort dazu.

Kurz darauf verließ der Apostel Bischoff seinen Bezirk, um an die Front einzurücken. Er tat es in dem beruhigenden Gefühl, daß die ihm anvertrauten Gotteskinder durch die neuen Amtsgaben wohl versorgt werden würden. Der liebe Gott beschützte J. G. Bischoff im Krieg, so daß er im Frühjahr 1918 wegen Überschreitung der Altersgrenze für den Militärdienst heimkehren durfte.

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Im dritten Kriegsjahr führte der Stammapostel Niehaus eine wesentliche Neuerung ein. Bis zu diesem Jahr war in allen neuapostolischen Gemeinden das Abendmahl mit Brot und Wein gefeiert worden. Jeder, der zum Tisch des Herrn kam, nahm die Oblate und einen Schluck aus dem Abendmahlskelch, der ihm gereicht wurde. Um die Brüder im Feld ebenfalls mit dem Heiligen Mahl versorgen zu können, hatte der Stammapostel ihnen ausgesonderte Ho­stien senden lassen, auf die jeweils drei Tropfen Rotwein geträufelt worden waren. Zu dieser Maßnahme hatte der Stammapostel sich auch entschlossen, weil in diesen Kriegsjahren in Deutschland kaum Wein zu bekommen war. Außerdem warnten Ärzte und Gesundheitsbehörden zunehmend vor anstek­kenden Krankheiten und Seuchen, die durch das gemeinsame Trinken aus dem Abendmahlskelch übertragen werden könnten. Auch viele Geschwister hatten davor Angst, wenngleich sie nicht auf den Genuß des Abendmahls ver­zichten wollten.

Der Stammapostel Niehaus wußte darum und schuf Abhilfe. Wenn die vielen tausend Brüder im Feld mit dem Abendmahl in der neuen Form glück­lich und dankbar waren, wie zahlreiche Briefe bezeugten, warum nicht auch die Geschwister daheim? Und so wurde am Karfreitag des Jahres 1917 zum er­sten Mal das Abendmahl auf diese Weise gefeiert, wie wir sie heute noch ken­nen: Die mit Wein beträufelte Hostie wurde nach ihrer Aussonderung den Ver­langenden gereicht mit den Worten: „Der Leib und das Blut Jesu für dich ge­geben."

Überall im Werk Gottes war der Stammapostel Niehaus bestrebt, die durch den Krieg entstandenen Lücken zu schließen. Auch die Lücke, die in sei­nem eigenen Arbeits- und Lebensbereich der Heimgang des Apostels Borne-mann gerissen hatte, wurde in diesen Jahren verzäunt. Der Stammapostel

Die erste „Hostienbeträufelungsmaschine", entwickelt von Bruder Bickelmann, Göppingen

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Der Prophet Ernst Schärtlein

bedurfte dringend eines zuverlässi­gen Mitarbeiters. Er fand sich in dem Priester und Propheten Ernst Schärt­lein aus Württemberg, auf den der Apostel J. G. Bischoff den Stamm­apostel aufmerksam gemacht hatte.

Priester Schärtlein hatte bisher als Vorsteher der Gemeinde Öhringen gedient und war der letzte von einem Apostel berufene Prophet. Der liebe Gott hatte Ernst Schärtlein mit einer großen Seher- und Weissagungsgabe ausgerüstet. Dadurch wurde er Her­mann Niehaus in den folgenden Jah­ren zu einem überaus wertvollen Rat­geber, der sich, ohne seine Kräfte zu schonen, völlig in den Dienst des Werkes Gottes stellte. Der Stamm­apostel Niehaus pflegte ihn manch­mal scherzhaft, als „das Auge der Ge­meinde" zu bezeichnen.

Außerdem stand ihm noch der Apostelhelfer Meuser zur Seite, der ihn in vielen Belangen entlastete.

1918 beging der Stammapostel seinen siebzigsten Geburtstag und sein fünfzigstes Amtsjubiläum. Da Ernst Schärtlein neben seiner prophetischen Gabe auch über künstlerisches Talent verfügte, gestaltete er zu diesem Anlaß ein Gedenkblatt mit einem Bild des Stammapostels: Ihm zu Füßen sitzen die le­benden Apostel, über seinem Haupt sieht man die bereits heimgegangenen Apostel und den segnenden Jesus.

Alle Apostel, denen es möglich war, in diesem Kriegsjahr nach Bielefeld zu kommen, hatten sich eingefunden, um ihrem Stammapostel zu gratulieren, dazu eine große Zahl von Bischöfen und anderen Amtsträgern. Als Textwort für den zu diesem Anlaß angesetzten Festgottesdienst diente Jeremia 29, die Verse 11 bis 14: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch ge­be das Ende, des ihr wartet. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden. Denn so ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr, und will euer Gefängnis wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, dahin ich euch verstoßen ha­be, spricht der Herr, und ich will euch wiederum an diesen Ort bringen, von dem ich euch habe lassen wegführen."

Das war ein großes Trostwort für die Gotteskinder in dieser schweren Zeit, das die müden, ängstlichen Herzen stärkte. In seinem Dienen erinnerte der

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Stammapostel noch einmal daran, wie klein und armselig der Beginn des Wer­kes Gottes in seiner Heimat gewesen sei, und was alles durch Gottes Hilfe dar­aus geworden war.

„Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit", fügte er hinzu, „und doch — wie schnell sind sie dahingegangen. So sind auch siebzig Jahre eine lange Zeitspan­ne und für gewöhnlich eine Grenze des Lebens. Ich habe auch jetzt noch keine Lust, Gottes Werk hier zu verlassen, im Gegenteil: Ich habe lieb, o Herr, die Stätte deines Hauses und die Gesandten deines Sohnes, und das Gefühl mei­nes Herzens ist so, noch lange leben und wirken zu wollen nach Gottes Wohl­gefallen."

Dennoch stand dieser Festtag trotz allen Lobens und Dankens im bedrük­kenden Schatten des letzten Kriegsjahres. In Deutschland hungerten die Men­schen, der Feuerbrand der russischen Revolution sollte die Welt erschüttern, ihre Flammenzeichen griffen auch auf Deutschland über, und es war zu Streiks und Unruhen gekommen. In solchen Zeiten war kein Raum für ungetrübte Freude, auch unter den Gotteskindern nicht. 1918 war ein Schicksalsjahr, das große Veränderungen brachte.

Zwar wurde am 11. November im Wald bei Compiègne der Waffenstill­stand unterzeichnet, trotzdem war noch kein Frieden. Das gesamte System, der bürgerlichen Welt war zusammengestürzt, vieles fragwürdig geworden und ins Wanken geraten, überall kam es zu Unruhen und Kämpfen mit Frei­schärlern, die die alte Ordnung aufrechterhalten wollten. Millionen Gräber auf beiden Seiten waren die Bilanz dieses Krieges, dazu Hunger, Armut und Man­gel an allem, was zum Leben notwendig war.

Es gab viel Arbeit nach dem Krieg, auch im Werk Gottes. Überall in den Gemeinden fehlten Brüder, was um so deutlicher spürbar wurde, weil die schweren Zeiten viele Menschen für das Wort Gottes aufnahmebereiter ge­macht hatten als vordem, so daß Tausende dem Werk des Herrn zugeführt werden konnten.

Ende Juli 1919, wiederum in den Tagen um den Geburtstag des Stamm­apostels, war es seit Kriegsbeginn zum ersten Male wieder möglich, eine grö­ßere Apostelversammlung einzuberufen. Das gab ein frohes Wiedersehen! Die Apostel Hallmann, Brückner, Oehlmann, Bischoff, Steinweg, van Oosbree und Hölzel kamen nach Bielefeld. Auch der Apostel Mierau aus Amerika war eingeladen worden, hatte aber leider nur ein für Holland gültiges Visum erhal­ten und durfte daher nicht nach Deutschland einreisen. Deshalb beschloß der Stammapostel diesen treuen Mitstreiter im Gotteswerk im August in Holland zu treffen.

Doch auch das gestaltete sich zunächst als sehr kompliziert. Der Stamm­apostel brauchte, um nach Holland zu fahren, ebenfalls ein Visum, das vom Auslandskonsulat in Den Haag ausgestellt werden mußte. Deshalb wurde, um alle Hindernisse möglichst auszuschalten, der Apostel van Oosbree dort vor­stellig. Bald darauf traf ein Telegramm von ihm in Quelle ein: „Morgen kommt der Paß."

Der Stammapostel machte sich reisefertig, doch es wurde Mittwoch, es wurde Donnerstag, ohne daß das Dokument eingetroffen wäre. Deshalb tele‑

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Aposteltreffen 1918: Sitzend v.1.: J. G. Bischoff, C. Meuser, E. Hallmann, C. A. Bruck­ner, der Stammapostel Niehaus, W. Schlaphoff. Dahinter v. 1. A. Hölzel, O. Steinweg, E. Obst, A. J. Güldenpfennig, W. Oehlmann, H. Ecke, F. Mierau, J. van Oosbree

grafierte der Stammapostel an den Apostel van Oosbree zurück: „Donnerstag — und noch kein Paß da."

Daraufhin fuhr dieser noch einmal nach Den Haag zum Auslandskonsulat und veranlaßte, daß der Paß sofort nach Münster geschickt wurde, wo ihn der Stammapostel persönlich in Empfang nehmen sollte. Telegrafisch darüber in­formiert, fuhr er am nächsten Tag nach Münster. Doch dort wurde ihm bei der zuständigen Behörde mitgeteilt, daß sein Ausweis mit dem erteilten Visum be­reits auf dem Weg nach Quelle gewesen war, als die Benachrichtigung aus Den Haag eintraf, das Dokument werde in Münster abgeholt. Wieder wurde der Telegrammdienst bemüht, um den Apostel von Oosbree zu informieren, daß der Paß in Quelle, der Stammapostel aber in Münster sei und deshalb nun erst am Montag in Holland eintreffen könne.

Danach begab sich Hermann Niehaus zum Bahnhof, um eine Fahrkarte nach Hause zu lösen. Doch beim Betreten der Schalterhalle erblickte er zu sei­nem großen Erstaunen seine beiden Söhne, die den inzwischen in Quelle ein­getroffenen Paß mit dem Auto nach Münster gebracht hatten. Nun konnte der Stammapostel also doch schon am Freitag nach Holland fahren, wenn auch mit einem anderen Zug als dem ursprünglich vorgesehenen.

Aber am Grenzbahnhof, wo Hermann Niehaus umsteigen mußte, taten sich neue Schwierigkeiten auf. Ein holländischer Zollbeamter wollte ihn nicht einreisen lassen, weil in seinem Paß der Stempel des Landratsamtes fehlte. „Aber das ist doch nicht meine Schuld", entgegnete der Stammapostel. „Ich bin zweimal beim Konsul gewesen, wußte der denn das nicht? Ich muß durch, koste es, was es wolle."

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Der Grenzbeamte schüttelte den Kopf. „Es nützt alles nichts, wir dürfen Sie nicht durchlassen." „Das weiß ich auch", erwiderte der Stammapostel bit­tend. „Aber es läßt sich doch wohl ein Ausweg finden. Darin müssen Sie mir helfen."

Die Beamten — es hatten sich inzwischen noch einige Kollegen dazugestellt — beratschlagten gemeinsam. Dann rieten sie dem Stammapostel, eine telegra­fische Bestätigung vom Landratsamt anzufordern.

Das leitete er auch sofort in die Wege, wollte jedoch auf den Eingang der Antwort nicht warten, fuhr doch der letzte Anschlußzug zu seinem Zielort in zwei Stunden ab, und es war fraglich, ob bis dahin die erbetene Bestätigung eingetroffen war. Deshalb bat der Stammapostel die Beamten herzlich, ihn doch schon vorher passieren zu lassen, weil er sonst seinen Zug versäumen würde. Nach einigem Hin und Her gestand man ihm das schließlich zu, so daß er durch die Sperre durfte und auf seinen Zug warten konnte.

Wenig später lief der Schnellzug aus Berlin ein, mit dem der Stammapostel ursprünglich hatte fahren wollen. Er war überfüllt, und es gab ein großes Ge­dränge bei der Zollabfertigung. Alle Personen, bei denen die Papiere nicht hundertprozentig in Ordnung waren, wurden in Anbetracht des großen An­drangs zurückgeschickt. Außerdem war, als der Stammapostel seinen An­schlußzug bestieg und den Grenzbahnhof verließ, nicht einmal ein Drittel der Reisenden aus dem Berliner Zug abgefertigt. Die Zurückbleibenden mußten wohl oder übel auf dem Bahnhof übernachten. Nun wußte der Stammapostel, warum er seinen Paß erst mit Verspätung erhalten hatte. Der liebe Gott hatte dafür gesorgt, daß er gerade dadurch rechtzeitig sein Ziel erreichte.

Für den Apostel Mierau aber war es eine große Freude, den Stammapostel wiederzusehen. In all den Kriegsjahren hatte er keine Verbindung mit ihm ge­habt, keinen Brief, keinen Gottesdienstbericht oder eine Zeitschrift erhalten. Das war eine schwere Zeit für ihn und die Geschwister in Nordamerika gewesen.

„Aber nun", so sagte der Apostel, nachdem er mit dem Stammapostel und dem Apostel van Oosbree großen Segen in den Gottesdiensten hingenommen und durch lange und gute Gespräche auf alle drängenden Fragen Antwort er­halten hatte, „nun kann ich wieder fest treten, denn ich habe Boden unter den Füßen und erkenne, daß der Herr es ist, der alles tut und ausrichtet."

Das Jahr 1920 brach an, und der Stammapostel rief den Gotteskindern als Neujahrsgruß zu: „Ein jeder muß seinen Platz einnehmen, wohin er gestellt ist." Worte, an die er sich zuallererst hielt, denn es gehörte zu seiner Art, nie etwas von anderen zu verlangen, was er nicht selbst zu tun bereit war.

Im Juli vollendete er sein 72. Lebensjahr, und obwohl er noch rüstig und von großer geistiger Klarheit erfüllt war, wollte er doch Vorsorge treffen, wie es einst der Stammapostel Krebs getan hatte, damit das Gottesvolk nicht führer­los dastand, wenn er einmal nicht mehr war. „Wir alle sind Menschen von einem Tage", sagte er, „und das heißt, sterblich."

Deshalb hatte er zum 10. Oktober 1920 alle Apostel nach Bielefeld eingela­den. Schon einige Zeit zuvor hatte er sie unterrichtet, daß er einen Stellvertre­ter in seinem Amt bestimmen wolle, und um die dafür notwendigen Gebete

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und Vorschläge gebeten. Und da war immer wieder der Name des Apostels J. G. Bischoff genannt worden.

Weil auch der Stammapostel Niehaus selbst auf diesen Mann gelenkt wor­den war, rief er ihn bei einem feierlichen Gottesdienst an den Altar, um ihn zum Stammapostelhelfer zu ordinieren. Bei der Einsetzung sagte er: „Ich habe ja schon gekennzeichnet, wozu Ihr gerufen seid. Wie Ihr von uns allen am er­sten wißt, liegt es nicht an Eurem Wollen und Laufen, daß Ihr so weit gekom­men seid ...

Es ist allein Gottes Erbarmen, wodurch wir je und je geliebt werden, und um seiner Liebe willen hat der Herr Fleisch angezogen. Der Arbeit im Gottes­werk ist nun so viel geworden, daß ich nicht mehr allein fertig werde. Durch Zeugnisse und Gesichte ist mir immer der Apostel Bischoff gezeigt worden, vielfach ist auch der Apostel van Oosbree dabei gesehen worden. Dazu habe ich geäußert: Das ist recht, denn der Apostel van Oosbree ist mir nach dem Auslande eine große Hilfe. Ohne ihn wäre es mir in den Kriegsjahren hindurch gar nicht möglich gewesen, mit dem Auslande in Verbindung zu bleiben. Derenthalben habe ich Gott gedankt, daß der Apostel van Oosbree mit dem Apostel Bischoff gesehen wurde."

Danach rüstete er J. G. Bischoff mit dem Amtsvermögen eines Stammapo­stelhelfers aus.

Da es sich in den Kriegsjahren deutlich gezeigt hatte, daß es für einen in Deutschland lebenden Stammapostel äußerst schwierig, wenn nicht unmög­lich gewesen war, mit den überseeischen Gemeinden in dem notwendigen Kontakt zu bleiben, übertrug Hermann Niehaus anschließend dem Apostel van Oosbree die Leitung der außereuropäischen Gemeinden, wenn er selbst nicht dazu in der Lage sein sollte.

Außerdem ordinierte er den Apostelhelfer Meuser für seinen eigenen Be­zirk zum Apostel sowie die Bischöfe Lax und Gutbrod zu Apostelhelfern, erste­rer, um Apostel Hallmann zur Seite zu stehen, und Karl Gutbrod, um dem nunmehrigen Stammapostelhelfer Bischoff eine Stütze zu sein.

Dieser Gottesdienst fand bereits in dem neuen, größeren Versammlungs­lokal der Bielefelder Gemeinde statt. Schon seit längerer Zeit war durch den starken Zuwachs innerhalb der Gemeinde die bisherige Kirche zu klein gewor­den, und der Stammapostel Niehaus hatte sich gemeinsam mit den Brüdern um eine entsprechende neue Unterkunft bemüht. Da wurde in Bielefeld der größte Tanzsaal der Stadt mit dazugehörigem Wohnhaus zum Kauf angebo­ten. Die Bielefelder hatten dieses Gebäude scherzhaft „Wirtschaft zum bluti­gen Knochen" genannt, weil es dort oft zu Wirtshausschlägereien gekommen war. Nun aber sollte aus dem Tanzsaal ein Gotteshaus werden, denn der Stammapostel erwarb das Haus für die Neuapostolische Gemeinde und ließ es entsprechend umbauen. Im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen die Apostolischen so häufig angefeindet und bekämpft worden waren, erfreute diese Tatsache besonders die Nachbarschaft und auch die Polizei, da man nun nicht mehr befürchten mußte, nachts das Gröhlen von Betrunkenen und den Lärm sich prügelnder Randalierer zu hören, die dann in polizeilichen Gewahr­sam gebracht werden mußten.

 

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Die Blasorchester bereiteten dem Stammapostel Niehaus viel Freude

Das neue Kirchenlokal war schon am 13. Juli 1920 durch den Stamm­apostel in Anwesenheit der Apostel Bischoff, Hallmann, van Oosbree und Steinweg geweiht worden. In der alten Versammlungsstätte wurde ein kurzer Abschiedsgottesdienst gehalten, dann formierte sich die ganze Gemeinde mit ihren Amtsträgern, um sich in das neue Kirchenlokal zu begeben. Es war ein langer, festlicher Zug. An der Spitze ging der Stammapostel Niehaus, gefolgt von einem Posaunenchor aus Köln, der eigens zu diesem Fest angereist war. So ging es nun unter Musik zu dem neuen Gotteshaus, und dazu hatten sich auch viele Schaulustige eingefunden, die den Weg säumten — eine absolut er­wünschte Nebenwirkung bei diesem Umzug, war er doch eine gute Gelegen­heit, auch auf diese Weise Zeugnis zu bringen.

Erwähnt sei noch, daß der Stammapostel Niehaus, der ein großer Musik‑
liebhaber war, an dem Spiel des Kölner Posaunenchores bei der Weihe so viel
Freude hatte, daß er anregte, nun auch in Bielefeld solch einen Posaunenchor
zu gründen. Musikbegabte Geschwister stellten sich gern dieser Aufgabe, und
nach fleißigem Üben brachte es dieser Chor bald zu einem beachtlichen Kön‑
nen. Sonntags morgens im Hauptgottesdienst begleitete er den Gemeindege‑
sang, nachmittags zogen die Spieler mit den Sängern und der Jugend in der
warmen Jahreszeit in die freie Natur, um durch Musik und Gesang denen, die
es hören wollten, Freude zu machen und gleichzeitig Zeugnisarbeit zu leisten.
Alles in allem muß man sagen, daß in der Reichsgottesgeschichte dieses
Jahr 1920 nach den Stürmen der Vergangenheit ein gesegnetes Jahr war, eines

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zum Freuen und Atemschöpfen. Dies war auch nötig, denn in der Folgezeit ka­men neue Leiden und Belastungen auf das Volk Gottes zu, nicht nur durch die große Weltgeschichte, sondern auch in den eigenen Reihen.

Obwohl der Herr durch viele Hinweise die Berufung des Apostels J. G. Bischoff zum Stammapostelhelfer als in seinem Willen liegend bestätigt hatte, waren leider nicht alle Apostel damit einverstanden. Die Apostel Brückner und Ecke aus Sachsen widerstrebten und weigerten sich, den neu gesetzten Stammapostelhelfer als Gabe Gottes anzunehmen.

Der Stammapostel Niehaus versuchte mit viel Liebe und Geduld, die Wo­gen zu glätten, doch die Apostel Brückner und Ecke beharrten auf ihrem Standpunkt, und so kam es bedauerlicherweise so weit, daß sie im Frühjahr 1921 mit fast sechstausend Geschwistern das Werk Gottes verließen.

Das war ein herber Schlag, der dem Stammapostel großen Kummer berei­tete. Es ging ihm nicht um Zahlen, sondern ihn schmerzte der Verlust jeder einzelnen Seele. Aber auch dies war wohl ein Reinigungsprozeß, den der liebe Gott zugelassen hatte wie schon andere zuvor.

Die treu gebliebenen sächsischen Geschwister bedurften nun besonderer Fürsorge. Sie fanden sie zum einen im Stammapostelhelfer Bischoff, der sich des sächsischen Bezirks annahm, zum anderen aber in den Besuchen ihres Stammapostels. So oft es ihm möglich war, kam er nach Sachsen, um dort Got­tesdienste zu halten, verlangende Seelen zu versiegeln und die im Glauben Verzagten wieder zu festigen.

Zu seiner Unterstützung übertrug er am 31. August 1921 dem dortigen Be­zirksältesten Friedrich Stiegler das Bischofsamt. Der Bischof Stiegler erwies sich in dieser schweren Zeit als treuer Gottesknecht, der nicht wankte, sondern unter großem Einsatz ständig unterwegs war, um die Geschwister zu betreu­en. So konnte ihn der Stammapostel im April 1922, wiederum in Leipzig, zum Bezirksapostel für Sachsen aussondern.

Im selben Gottesdienst wurde der Bezirksälteste Georg Schall zum Apo­stelhelfer für den Bezirk Frankfurt und der Apostelhelfer J. Schmitz aus Hol­land zum Apostel für Java berufen.

1922 war aber auch ein „Gründungsjahr", denn der Stammapostel rief das „Apostelkollegium der Neuapostolischen Gemeinden e. V." ins Leben. Dies geschah, um eine offizielle übergeordnete Organisation zu schaffen, in der alle Apostel rechtlich vereinigt waren. Außerdeutsche Apostel konnten nach der Satzung aufgenommen werden, wovon in allen Fällen Gebrauch gemacht wur­de — ein weiteres Zeugnis für ihre weltweite geistige Einheit und Übereinstim­mung.

Im selben Jahr mußte der Stammapostel Niehaus leider von zwei treuen Aposteln Abschied nehmen. Es waren dies Ernst Hallmann aus Berlin und Al­bert Güldenpfennig aus Hamburg. Der Stammapostel hielt beide Trauergottes­dienste. Es kam ihn hart an, wiederum zwei treue Weggefährten in die jensei­tige Welt abgeben zu müssen, die beide jünger gewesen waren als er. Aber wie so oft sagte er: „Solches geschieht auch vom Herrn Zebaoth!" und ermahnte die verwaisten Gemeinden: „Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Got­tes gesagt haben; ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach."

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Der Herr hatte mit dem Heimgang dieser beiden Männer Wunden ge­schlagen, aber er heilte sie, indem er in der Folgezeit neue Amtsgaben schenk­te. So wurden in den Jahren 1921 bis 1923 die Apostel Karl Gutbrod, Karl Hart­mann, Edmund Blöcker, Martin Lax, Paul Dach, Hermann D. Magney, Georg Schall und Ernst Güttinger ordiniert. Ein sichtbarer Beweis für die gesegnete Ausbreitung des Werkes Gottes.

Nach dem Apostel Mierau, der als erster nach dem Krieg aus Übersee nach Europa gereist war, besuchte auch der Apostel Wilhelm Schlaphoff aus Süd­afrika im Jahr 1921 seine deutsche Heimat und den Stammapostel. Das waren segensreiche Wochen, die ihren krönenden Abschluß in einem Gottesdienst im September fanden, in dem der Stammapostel Niehaus den Apostel-- Schlaphoff verabschiedete und durch einen besonderen Segen den Schutz und die bewahrende Liebe Gottes auf ihn legte.

In der nachfolgenden Ämterversammlung sprachen die anwesenden Apostel und 350 Amtsträger des gesamten neuapostolischen Glaubensvolkes spontan und aus ehrlichem Herzen ihrem Stammapostel ihr vollstes Vertrauen als oberstem Seelenhirten und Hauptleiter der Neuapostolischen Gemeinden aus.

Hermann Niehaus hat, das wissen wir, niemals Wert auf menschliche Eh­rungen gelegt; dennoch muß ihm dieser Liebes- und Vertrauensbeweis nach dem Abfall der sächsischen Apostel wohlgetan haben, zeigte er doch, daß sein Liebesmühen nicht umsonst gewesen war, sondern Früchte getragen hatte.

SO LASSET UNS ABER GUTES TUN...

Im Herbst 1922 reiste der Stammapostel Niehaus in Begleitung seines Hel­fers J. G. Bischoff zum ersten Mal nach Skandinavien, um die dortigen Ge­schwister zu besuchen.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts war das Zeugnis vom wiederaufge­richteten Apostelamt nach Schweden und Dänemark gelangt. Einige wenige Menschen hatten damals den Weg ins Haus Gottes gefunden. In späteren Jah­ren hatten die Apostel Wachmann und Güldenpfennig von Hamburg aus im­mer wieder Missionsreisen nach Skandinavien unternommen, ebenso etliche Amtsbrüder, so daß dort die ersten Gemeinden gegründet werden konnten.

Die erste Station der Reise des Stammapostels war Hojer in Südjütland, wo einige Seelen versiegelt werden konnten und die Gemeinden Hojer und Tonder je einen Priester und Vorsteher erhielten.

Hojer sollte auch einen Unterdiakon bekommen, doch der Stammapostel entdeckte vor der Ordinierung nur Schwestern in dem Versammlungsraum. Die kleine Gemeinde bestand in der Tat überwiegend aus Frauen. Der Stamm­apostel blickte sich suchend und etwas irritiert um und sagte dann: „Ein Bruder namens Schaff soll ins Unterdiakonenamt gesetzt werden. Wo ist der junge Mann? Denn ich sehe hier nur Frauen!"

Bruder Schaff hatte aber nicht etwa vor der Amtseinsetzung Reißaus genommen, sondern den Gottesdienst wegen des Platzmangels von einem

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Nebenzimmer aus verfolgt. Von dort wurde er nun eilends geholt. In späteren Jahren diente er in Dänemark als Bezirksältester.

In Kopenhagen, seinem nächsten Reiseziel, beabsichtigte der Stamm­apostel, einen Priester und Vorsteher einzusetzen und damit die Gründung einer ersten Gemeinde in der dänischen Hauptstadt zu vollziehen. Aber der junge Bruder fühlte sich dieser Aufgabe nicht gewachsen und beteuerte dies auch dem Stammapostel. Nachdem er dreimal voller Zittern und Zagen ver­sichert hatte, daß er diese Arbeit nicht leisten könne sagte der Stammapostel Niehaus in seiner kernigen westfälischen Art: „Dann knien Sie nieder; ich ste­he für Sie ein!" Wer hätte nach einer solchen Bürgschaft noch länger widerspre­chen können!

In Kopenhagen war es auch, daß eine Glaubensschwester im Hotelzim­mer des Stammapostels einen Fleck im Spiegel entdeckte. Das war ihr pein­lich, und sie entschuldigte sich dafür. Doch der Stammapostel erwiderte ihr lächelnd: „Das macht nichts. Hauptsache, daß der, der reinschaut, rein ist."

In jener Zeit gab es auch drückende finanzielle Sorgen, die den Stamm­apostel ebenso wie die Geschwister belasteten. Zu Beginn der zwanziger Jahre machte sich eine Wirtschaftskrise in Deutschland dramatisch bemerkbar. Die Inflation bewirkte, daß alle Preise ins Unermeßliche stiegen. Man rechnete bald in Millionen und Billionen, weil das Geld wertlos geworden war.

Auch die Papierpreise kletterten in schwindelnde Höhen, so daß die Er­scheinungsweise der „Wächterstimme aus Zion", dem Nachfolgeblatt der „Neuapostolischen Rundschau", in der Zeit von 1922 bis 1924 einige Male ge­ändert werden mußte.

Die Papier- und Druckkosten stiegen schneller, als die Preise für die Kir­chenzeitschriften nachziehen konnten. Auf dem Höhepunkt der Inflation wa­ren die „Millionen", die man besaß, bereits am nächsten Tag nur noch die Hälf­te wert. Deshalb wurde auf Beschluß des Apostelkollegiums schließlich festge­legt, daß die Bezahlung der Kirchenzeitschriften in Zukunft in Goldpfennigen erfolgten mußte, die den ungeheuren Schwankungen des Papiergeldes nicht unterworfen waren.

Aber durch die Inflation waren nicht nur die Papier- und Druckkosten na­hezu unerschwinglich geworden, sondern alles andere ebenso. Und wer mit dem Zug und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln fahren wollte, wurde jeden Tag mehr zur Kasse gebeten. Dadurch war es für außerhalb wohnende Geschwister häufig unmöglich geworden, per Bahn, Bus oder Straßenbahn zu den Gottesdiensten zu fahren. Genauso erging es den Amtsbrüdern, wenn sie auswärtige Gemeinden bedienen sollten. So kam es, daß viele Gotteskinder nur noch auf die geistige Nahrung aus der „Wächterstimme aus Zion" ange­wiesen waren.

Diese Kirchenzeitung bildete für sie die einzige Verbindung zum Werk Gottes. Um die Geschwister weiterhin damit versorgen zu können, rief Her­mann Niehaus einen sogenannten „Wächterstimmen-Fonds" ins Leben. Dort konnten finanziell besser gestellte Gemeindemitglieder freiwillig Spenden ein­zahlen, um somit den Fortbestand der Kirchenzeitung zu gewährleisten.

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Sparen, hieß die Parole, nicht nur im privaten Bereich, sondern ebenso im Werk Gottes. So wurde in Braunschweig eines Sonntags im Oktober 1923 jede Hostie sorgfältig geteilt, so daß beim Heiligen Abendmahl nur jeder eine halbe Oblate erhielt.

In der „Wächterstimme aus Zion" wurde dies zur Nachahmung empfoh­len. Dort hieß es: „Im Sparen auf jeglichem Gebiet werden wir Deutschen ge­nug erzogen. Doch trotz allen Sparens und Entbehrens reißt der wilde Strudel der Geldentwertung immer weitere Volkskreise in wirtschaftliches Elend. Tau­send Hostien wurden vor dem Krieg mit 1,30 Mark berechnet; heute kommen noch ca. fünfzig Prozent über dem Friedenspreis hinzu, so daß tausend Stück jetzt zwei Goldmark kosten. Das sind bei einem gegenwärtigen Dollarstand von 32 Milliarden sechzehn Milliarden Mark. Eine Hostie kostet demnach zur Zeit sechzehn Millionen Papiergeld, was vielen Geschwistern die Augen öff­nen dürfte, die die Teilung der Hostien vielleicht als übertriebene Sparsamkeit ansehen."

In jener Zeit mit ihrer bitteren, ständig wachsenden Verarmung machte sich der Stammapostel um notleidende Geschwister viele Gedanken. Ihnen half er, soweit es ihm möglich war, und wenn er manchmal selbst nicht wußte, woher er die Mittel dazu oder für seine Reisen zu den Gotteskindern nehmen sollte, so kam immer wieder einmal Beistand von anderer Seite, weil der liebe Gott die Herzen entsprechend bewegt hatte.

Der Stammapostel Krebs war Bahnbeamter gewesen, und so standen ihm auch nach seiner Pensionierung alle Zugfahrten zum Nulltarif zu. Für den

Eigentlich mochte der Stammapostel Niehaus das Autofahren nicht besonders. Dennoch war er auf ein solches Fahrzeug immer wieder angewiesen

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Stammapostel Niehaus aber waren die Kosten für die oft weiten Strecken manchmal nicht mehr aufzubringen. Doch in der Nähe lebte ein Glaubensbru­der, der als selbständiger Geschäftsmann nicht unbegütert war. Er bot dem Stammapostel an, ihm die Fahrtkosten zu bezahlen. Allerdings machte Her­mann Niehaus von diesem Angebot nur Gebrauch, wenn es gar nicht anders möglich war. Kam er aber dann einmal zu jenem Bruder, so schüttete dieser sein Geld auf den Tisch und sagte: „Nimm dir, soviel du brauchtst — aber bitte nicht nur das Fahrgeld, sondern auch das, was du für eine zusätzliche Tasse Kaffee benötigst."

Zu dem Niehausschen Anwesen gehörte eine Wiese, die den Namen ,Gotteswiese" trug. Gerade sie wurde mit besonderer Sorgfalt gepflegt, denn was darauf wuchs, kam armen und hilfsbedürftigen Geschwistern für ihr Vieh zugute, ohne daß sie etwas dafür bezahlen mußten. In der Familie des Stammapostels handelten alle freudig nach dem Wort des Apostels Paulus: „So lasset uns aber Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen."

Bei allem aber blieb Hermann Niehaus für sich selbst bescheiden und an­spruchslos. Er suchte jede unnütze Geldausgabe zu vermeiden, und Beträge für seine eigene Bequemlichkeit oder eine Erleichterung bei seiner Arbeit mochten noch so gering sein — ihm erschienen sie immer noch zu hoch.

Schwester Helene Herterich, die 56 Jahre lang im Büro der Kirchenverwal­tung arbeitete, die sich damals im Queller Wohnhaus des Stammapostels be­fand, berichtete einmal, wie der Stammapostel zu seinem Geburtstag sein er­stes Auto bekam. Alles, was er dazu sagte, war: „Muß das denn sein?" Als nach längerer Zeit ein neuer Satz Reifen für den Wagen nötig geworden war, war der Stammapostel über den Preis von 250 Reichsmark sehr erschrocken; eine solche Ausgabe erschien ihm viel zu hoch. Erst als man ihm vorrechnete, um wieviel teurer es käme, wenn er und die ihn begleitenden Apostel und Amts­brüder jeder für sich eine Fahrkarte lösen müßten, schwanden seine Be­denken.

„Sprichwörtlich war auch die Dankbarkeit des Stammapostels", erinnerte sich Schwester Herterich. „Jede Hilfe, jede Handreichung wurde ehrlich aner­kannt und fand ein herzliches Dankeschön. Seine edle Gesinnung half ihm über manches Belastende hinweg. Über mißliche Verhältnisse war er zwar oft traurig, er zeigte sich jedoch nie verdrießlich. Ich kann ihn immer nur als einen guten ,Chef' hinstellen! Nie habe ich bereut, ihm meine bescheidene Kraft zur Verfügung gestellt zu haben."

Ein guter Chef, ein Vater, ein Vorangänger und Vorbild — dieses Zeugnis haben Stammapostel Niehaus alle Amtsträger und Gotteskinder, die ihn kann­ten, ausstellen müssen. Freilich nahm er auch kein Blatt vor den Mund, wo es nötig war, jemanden zurechtzubringen.

Einmal hatten Geschwister, die die Kirche geschmückt hatten, ein Messer auf dem Altar liegen lassen. Der Stammapostel entdeckte es und hielt es hoch. Das sei wohl ein Hinweis darauf, daß er in der Gemeinde die wilden Triebe zu­rückschneiden müsse, meinte er. Der Bezirksälteste, der in diesem Gottes­dienst mitdiente, sagte dann allerdings, das vergessene Messer habe den

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Wunsch der Gemeinde ausdrücken wollen: „Vater, schneide den Kindern Brot." Der Stammapostel lächelte still, und als er wieder an den Altar trat, be­zeichnete er den Bezirksältesten als „die Mutter, die ihre Schürze schützend über die Kinder hält, wenn der Vater streng mit ihnen ist".

Zu Beginn des Jahres 1924 rief der Stammapostel als Neujahrsbotschaft und -bitte den Gotteskindern zu: „Gott fördere das herrliche Werk seiner Hän­de durch uns auch im neuen Jahr und lasse uns von den Früchten seiner gro­ßen Barmherzigkeit genießen!" Dies erfüllte sich, denn auch in diesem Jahr schenkte der Herr neue Amtsgaben und ein weiteres Aufblühen seiner Ge­meinden.

Der Stammapostel konnte den großen Bezirk seines Helfers J. G. Bischoff teilen und zwei neue Apostelbezirke ins Leben rufen. Dem Apostel Gutbrod wurde die Führung des Bezirks Württemberg übertragen, dem Apostel Hart­mann der Bezirk Baden. So blieb J. G. Bischoff nur noch die Betreuung des Be­zirkes Hessen, in dem er im Apostel Schall eine liebevolle und tatkräftige Un­terstützung hatte.

Der Apostel Mierau in Nordamerika zählte zwar erst 55 Jahre, aber auch er hatte sich, wie viele Apostel und Amtsträger, für das Werk Gottes aufgeopfert und war krank und beinahe dienstunfähig geworden. Er ging auch ein knap­pes Jahr nach seiner Zurruhesetzung heim. An seiner Statt sonderte der Stammapostel am 12. Oktober 1924 den Bezirksältesten Erb zum Bezirks­apostel für Nordamerika aus.

Hermann Niehaus hatte inzwischen sein 76. Lebensjahr vollendet, und obwohl er noch immer voll bewunderungswürdiger Kraft und Frische war, wollte er doch, wie man so sagt, sein „Haus bestellen". Den ersten Schritt dazu hatte er bereits getan, als er den Apostel J. G. Bischoff zu seinem Helfer berief. Doch nun beabsichtigte er, endgültig die Frage seiner Nachfolge zu klären, wenn er einmal nicht mehr leben oder aus gesundheitlichen Gründen nicht im­stande sein würde, das Werk Gottes weiterzuführen.

Als sich am 14. Dezember 1924 alle Apostel in Frankfurt am Main mit einer großen Gemeinde zu einem Festgottesdienst versammelt hatten, wandte sich der Stammapostel nach der Feier des Heiligen Abendmahls an die Anwesen­den: „Ich habe bereits auf den Gnadenstuhl Beziehung genommen. Der Stuhl Gottes und seines Sohnes Jesus ist die Schar seiner Apostel; aber der Stuhl der Apostel sind die Gemeinden, die durch das Wort der Apostel zu den Taten Jesu geführt sind. Nun müssen wir aber auch mit der Zeit rechnen. Als vor einigen Jahren der liebe Stammapostelhelfer Bischoff für die europäischen und der Apostel van Oosbree für die Gemeinden des Auslandes ausgesondert wurden, so hat dies dem Werk Gottes nur zum Besten gereicht. Nun aber werde ich durch mancherlei Zeugnisse getrieben, zu eilen, als stünde etwas bevor.

Als seinerzeit Vater Krebs die Frage an mich richtete, ob ich nach seinem Ableben das Werk Gottes weiterführen wolle, kam mir das wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Nein sagen wollte ich nicht, und ja sagen konnte ich auch nicht. Aber unter dem Gedanken: Vater Krebs lebt länger als du! sagte ich ja. Es dauerte nicht lange, da wurde er hinweggenommen. Hätte ich das damals ge­wußt, ich glaube, es hätte viel dazu gehört, das Jawort aus mir zu bringen.

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Der Stammapostel Niehaus zusammen mit dem Stammapostel Bischoff

Nun haben mich die lieben Apo­stel darauf aufmerksam gemacht, daß es mit mir einmal so gehen könne wie mit Vater Krebs ... Apostel van Oos­bree mißt mir zwar noch eine lange Zeit zu, doch bei mir heißt es: Handle, bis daß ich wiederkomme ...

Nun bleibt ja der liebe Stamm­apostelhelfer Bischoff mein Helfer, so­lange mir die Möglichkeit gegeben ist, meinen mir gegeben Auftrag auszu­führen. Aber ich will heute offiziell handeln, wie es einst Vater Krebs bei mir getan hat. Wie oft habe ich mich später danach gesehnt, noch einmal unter dem Stammapostel Krebs die­nen zu können ...

So will ich nun in Anwesenheit der lieben Apostel an den lieben Stammapostelhelfer Bischoff offiziell die Frage richten: Willst du, wenn ich nicht mehr dazu imstande bin, das Werk Gottes weiterführen – und zwar so, wie ich es mir zur Aufgabe ge­macht habe, also nichts verlangen, was du nicht selbst tun kannst, Bru‑

der sein den Brüdern in der Liebe Christi, will du stets in allem den Brüdern eine Hilfe sein, zunächst den Aposteln und dann allen, die durch ihr Wort an Jesum glauben, willst du diese Last auf dich nehmen?"

Alle Anwesenden hatten sich von ihren Plätzen erhoben. Und J. G. Bi­schoff antwortete auf die Frage des Stammapostels: „Ja, mit Gottes Hilfe."

Vater Niehaus faltete die Hände und betete um Gottes Segen für seinen Nachfolger. Dann sonderte er ihn zum Stammapostel aus.

So war für die Zukunft des Werkes Gottes vorgesorgt worden. Doch dies war kein Grund für den Stammapostel Niehaus, nun mehr an sich selbst zu denken und seine Arbeit gemächlicher anzugehen. Er war und blieb in unge­brochenem Eifer der Mahner und beste Freund der Apostel und seiner Ge­schwister.

In Hamburg war der Apostel Blöcker schwer erkrankt. Darum fuhr der Stammapostel im April 1925 zu ihm, gemeinsam mit etlichen Aposteln, und setzte den Bezirksältesten Johannes Lembke zur Unterstützung seines Bezirks­apostels ins Apostelamt.

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Das Silberhochzeitspaar Hermann und Wilhelmine Niehaus

Im selben Jahr erschien auch das neuapostolische Gesangbuch in über­arbeiteter, veränderter Form. .Es ist heute noch in unseren Gemeinden ge­bräuchlich.

Am 3. Oktober 1926 erlebte Bielefeld einen großen Festtag. Minna und Hermann Niehaus begingen das Fest ihrer silbernen Hochzeit, und dazu wa­ren von nah und fern Hunderte von Gästen gekommen. Alle europäischen Apostel mit ihren Bischöfen hatten sich eingefunden, außerdem der Apostel Erb aus Amerika, sowie eine große Anzahl von Repräsentanten der Gemein­den des Apostelbezirks Bielefeld. Der Gottesdienst fand in der Bielefelder Stadthalle statt. Zunächst diente der Stammapostel den Versammelten. Der Segensstunde lagen ein Wort aus Jesaja 63, Ibis 10 sowie der 43. Psalm zugrun­de. Den Segen zur Silberhochzeit spendete dann der Stammapostelhelfer Bischoff.

Auch im Jahr 1927 gingen zwei Apostel heim. Es waren Edmund Blöcker und Friedrich Stiegler, der im sächsischen Bezirk so segensreiche Arbeit unter den treugebliebenen Geschwistern geleistet hatte.

1928 dann starb in Johannesburg in Südafrika der Apostel Wilhelm Schlaphoff ganz unerwartet an einer Lungenentzündung. Er war 61 Jahre alt geworden.

 

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Im selben Jahr folgte ihm der Apostel Sie tse Faber aus Holland, der in Ar­gentinien und Chile diente, und Vater Niehaus empfand jeden Verlust, als sei

ihm ein naher Verwandter und geliebter Freund gestorben, wenngleich er wußte, daß den Entschlafenen nun ein Dasein in einem Bereich beschieden war, in dem sie ohne die Schmerzen dieser Erde weiterlebten.

Es entsprach seiner Dennoch-Gesinnung, daß er der Beerdigung des Apo­stels Stiegler wieder einmal die Worte zugrunde legte: „Und solches kommt auch vom Herrn Zebaoth!" Dem Apostel Blöcker, der sehr lange krank gewe­sen war und viel gelitten hatte, rief er nach: „Siehe, um Trost war mir sehr ban­ge. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdür­be; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück" (Jesaja 38, Vers 17). Und dem ebenfalls heimgegangenen Apostelhelfer Heinrich Wolf aus Erfurt stellte der Stammapostel das Zeugnis aus: „Er war treu wie Gold."

Aber wenn der liebe Gott eine Tür zuschlägt, so öffnet er ein Fenster, sagt schon der Volksmund. So war es auch dieses Mal. Für den Bezirk Leipzig gab er den Apostel Arthur Landgraf, und für Südafrika setzte der Stammapostel Heinrich Franz Schlaphoff, den Sohn des heimgegangenen Apostels Schlap­hoff, zum vorläufigen Leiter des Apostelbezirks ein, eine Ordinierung, die ein Jahr später bei einem Deutschlandbesuch bestätigt wurde. Außerdem war be­reits 1925 Jotham Mertoredjo für Niederländisch-Indien und 1926 Jakob Dietz als Apostel für Australien berufen worden.

Am 28. Juli 1928 beging Vater Niehaus seinen 80. Geburtstag und gleich­zeitig sein sechzigstes Jubiläum als Amtsträger. Aus diesem Anlaß wurde vom Apostelkollegium seine Lebensgeschichte als Buch veröffentlicht. Sein Titel: „Der Größte unter ihnen." In einem in der „Wächterstimme aus Zion" erschie­nenen Festartikel heißt es unter anderem: „Mit dem Tagesanbruch des 28. Juli tritt unser allseitig hochgeschätzter und geliebter Stammapostel Hermann Nie-haus, Quelle, in seinen neuen Lebensabschnitt. Er hat an diesem Tag sein 80. Lebensjahr vollendet. Damit überschreitet er die Grenze des im 90. Psalm er­wähnten biblischen Alters. In der hocherfreulichen Tatsache, daß der liebe Stammapostel in diesem hohen Alter leiblich und geistig noch so rüstig ist, er­kennen und schätzen wir eine besondere Gnade Gottes für den Jubilar und das Volk des Herrn, wie auch für seine liebe Familie ...

Mit diesem Geburtstage darf der geliebte Stammapostel auch sein sechzig­jähriges Amtsjubiläum feiern ... Was der Jubilar in diesen sechzig Jahren in selbstloser, aufopfernder Hingabe für das Werk des Herrn gearbeitet und ge­wirkt hat, ist im vollen Umfange nicht zu beschreiben. Sein Leben war köstlich in viel Mühe und Arbeit."

Wiederum in der Stadthalle zu Bielefeld fanden sich am Tag darauf, einem Sonntag, alle europäischen Apostel, viele Bischöfe und Bezirksälteste aus ganz Deutschland, der Schweiz und Holland mit etwa insgesamt viertausend Ge­schwistern ein, um einem Dankgottesdienst beizuwohnen, und in allen neu­apostolischen Gemeinden auf der Erde wurde an diesem Tage des Jubilars vol­ler Dank und Fürbitte gedacht.

Ein Jahr darauf gab es wiederum einen besonderen Freudentag. Als der Stammapostel Niehaus im Jahre 1906 sein Wohnhaus in Quelle gebaut hatte, war in diesem Gebäude auch ein Kirchenlokal für die Steinhagener Gemeinde eingerichtet worden. Doch inzwischen reichte der Platz für all die neu hinzuge‑

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Weihe der neuen Kirche in Quelle am 28. Juli 1929. Der Architekt überreicht dem Stammapostel Niehaus den Schlüssel

kommenen Geschwister nicht mehr aus. Darum hatte Hermann Niehaus einen Teil seines Grundstücks für den Neubau einer Kapelle zur Verfügung gestellt. Sie wurde an seinem 81. Geburtstag von ihm selbst geweiht. Wiederum waren alle europäischen Apostel zusammengekommen, dazu der Apostel Heinrich Franz Schlaphoff aus Afrika. Auch der Stammapostelhelfer Bischoff war inzwi­schen von einer Reise aus Nordamerika zurückgekehrt, die er vom 6. Mai bis 12. Juli 1929 im Auftrag des Stammapostels durchgeführt hatte.

„Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen", spielte die Musikkapelle der Steinhagener und Bielefelder Gemeinden, nachdem der Stammapostel in der bisherigen Versammlungsstätte eine kurze Dankandacht gehalten hatte.

Vor der neuen Kapelle fand die Schlüsselübergabe an ihn statt, und der Stammapostel wandte sich an die versammelten Festgäste: „Durch den Archi­tekten wurde mir der Schlüssel zur Kapelle überreicht, womit ich nunmehr die Tür aufschließe: Ich verbinde damit die Worte: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken."

Damit öffnete er die Tür und betrat die Kirche, gefolgt von den Aposteln, Amtsträgern und Geschwistern. Der Chor sang: „Wie lieblich ist Zion ..." Da­nach betete der Stammapostel und wandte sich hinterher an die Gemeinde: „Heute morgen habe ich gesagt: Wer mitgearbeitet hat, soll auch mitgenießen, und wer die Treue bewahrt hat, soll auch den Lohn der Arbeit hinnehmen. Un­ser Beisammensein ist ein Genuß, und meine Freude ist eine große. Zunächst

spreche ich dem Architekten für den Entwurf und die Bauleitung meine volle Anerkennung aus, denn der Bau ist zu meiner vollen Zufriedenheit ausgefal­len. Die Brüder haben auch unermüdlich gearbeitet; sie haben

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Bäume gefällt, den Boden abgetragen, die Ausschachtung vorgenommen, den Sand und die vielen Steine herangefahren. Wer hat es ihnen bezahlt? Ich habe mich über die aufopfernde Liebe und über die Freudigkeit, die sie bis zur letzten Stunde ge­zeigt haben, gewundert. Der Lohn für diese treuen Arbeiter bleibt nicht aus."

Er dankte dann noch allen anderen Mitarbeitern an diesem Bau und weih­te im Anschluß daran das neue Gotteshaus mit den Worten: „Verbunden mit den Aposteln weihe ich nun diese Stätte und übergebe sie der Apostelgemein­schaft. Wenn ich nicht mehr unter den Lebenden weile, soll diese Stätte den­noch eine Segensstätte bleiben."

DIE LETZTEN LEBENSJAHRE

Am 24. Januar 1930 durfte Hermann Niehaus auf eine 25jährige Amtszeit als Stammapostel zurückblicken. Das war ein Freitag. Am Sonntag sollte zu diesem Jubiläum ein großer Festgottesdienst stattfinden. Die europäischen Apostel hatten sich schon am Vortag in Quelle eingefunden, um mit ihrem ge­liebten Vater Niehaus so lange wie möglich zusammenzusein.

Erst am Abend verabschiedeten sich die Gäste von ihm, um in ihr Hotel nach Bielefeld zu fahren. Der Bezirksälteste Hermann Niehaus, ein Sohn des Stammapostels, brachte einen Teil von ihnen mit dem Wagen dorthin.

Währenddessen unternahm der Stammapostel seinen gewohnten abend­lichen Rundgang durch sein Anwesen, sah nach, ob alles in Ordnung war, und verschloß die noch offenen Türen. Schließlich stieg er die Steintreppe vor dem Aufgang zu seiner Wohnung hinauf. Ob es nun ein plötzliches Unwohlsein oder ob die Treppe vom Januarfrost ein wenig vereist und daher glatt war – auf jeden Fall stürzte Vater Niehaus so unglücklich, daß er bewußtlos liegenblieb.

Sein heimkehrender Sohn fand ihn und leistete ihm Erste Hilfe. Dann ver­ständigte er den Stammapostelhelfer Bischoff, der mit dem Apostel Hermann Magney noch in der Nacht nach Quelle kam, um sich des Kranken anzu­nehmen.

So wurde nun aus einem Tag, der als Freudentag gedacht gewesen war, ein Tag des Kummers und der Wehklage. Die Gotteskinder, die sich an jenem Sonntag in Bielefeld versammelt hatten und die Nachricht von dem Unfall ih­res Stammapostels erfuhren, waren tief bestürzt und von Sorge erfüllt. Unzäh­lige Gebete sind an diesem Morgen und in allen folgenden Wochen zum lieben Gott aufgestiegen, er möge Vater Niehaus doch wieder die Gesundheit schen­ken. Aber der Herr hatte es anders beschlossen. Zwar war Hermann Niehaus nach einiger Zeit wieder in der Lage, das Bett zu verlassen, und hielt später so­gar noch mehrere Gottesdienste, doch seine vollen Kräfte kehrten nicht mehr zurück.

Und dann traf ihn wenige Monate später ein weiterer harter Schlag. Seine liebe, treue Frau Minna ging am 11. April im Alter von 71 Jahren heim. Über

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Der Stammapostel im Kreise seiner Familie

28 Jahre hatten sie mit ihrem Mann gelebt, hatte seinen Kindern aus erster Ehe die Mutter ersetzt und war in ihrem Leiden und ihrer Geduld für viele ein gro­ßes Vorbild geworden.

Welch großen Anteil das ganze Gottesvolk an ihrem Heimgang nahm, zeigte ihre Beisetzung, an der fast alle europäischen Apostel teilnahmen, dazu eine unübersehbare Schar von Amtsträgern und Geschwistern. Der Stamm­apostelhelfer Bischoff hielt den Trauergottesdienst mit den Worten aus Hiob 19, die Verse 25 und 26: „Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt; und als der letzte wird er über dem Staube sich erheben. Und nachdem diese meine Haut zer­schlagen ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott sehen."

Der Stammapostelhelfer hielt noch einmal Rückblick auf den Lebens- und Leidensweg der Verstorbenen. Und er erinnerte sich dankbar an die liebevolle Aufnahme und Gastfreundschaft, die Minna Niehaus ihm und allen anderen Gottesknechten, die in ihr Haus kamen, immer erwiesen hatte. „Ich verkehre schon viele Jahre im Hause des Stammapostels", sagte er, „und habe oft durch­lebt, daß sie uns mit zitternder Hand und unter Aufbietung all ihrer Kräfte be­diente. Ihre Liebesarbeit ist beim Herrn angeschrieben, denn Jesus sagte auch, daß der Trunk Wassers, der einem der Seinen gereicht wird, nicht unbelohnt bleiben soll. Die Entschlafene hat oft gesagt: Wie gern würde ich mehr für den Herrn tun, aber mein schwacher Körper läßt es nicht zu. Die Unfähigkeit des Körpers hat manches vereitelt, was der Geist zu tun gedachte. Die Entschlafe­ne stand aber in der gewissen Hoffnung: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Sie hat, so gut es ihr möglich war, die Erdenzeit ausgenützt, um sich Ewigkeits­werte zu schaffen und zu sammeln, die nach Jesu Worten weder Motten und

Rost noch Diebe zu vernichten imstande sind. Der Heimgang eines wahren Apostolischen ist ein Hineingeborenwerden in ein anderes Reich."

Nach der Trauerfeier begleiteten mehr als zweitausend Leidtragende Min­na Niehaus' sterbliche Hülle

 

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zum Friedhof, wo der Stammapostelhelfer am Grab noch einmal ein kurzes Gebet sprach, bevor er den Leib der Erde übergab.

Der Stammapostel Niehaus überlebte seine treue Lebensgefährtin noch um zwei Jahre und vier Monate. Es waren Jahre in der Stille und Zurückgezo­genheit, umgeben freilich von Liebe und Fürsorge und auf Händen des Gebets getragen, die sich überall für ihn falteten.

Im Sommer 1930 holte der Apostel van Oosbree ihn nach Holland. Die Ruhe und das gesunde Seeklima von Zandvoort würden, so hoffte man, sei­nen Zustand bessern. Doch in Zandvoort erlitt der Stammapostel eine leichte Gehirnblutung. Die Apostel, die ihn in seinem holländischen Domizil besuch­ten, mußten einsehen, daß ihr geliebter Vater Niehaus nicht mehr so weit ge­sunden würde, um noch länger als Stammapostel dienen zu können. Dies war auch die Meinung der behandelnden Ärzte.

So begann für Hermann Niehaus am 20. September 1930 der Ruhestand. Er war mehr als wohlverdient nach allem, wie dieser Gottesknecht im Lauf sei­nes Lebens für Gott und die ihm Anvertrauten gekämpft und gearbeitet hatte.

Schon der Stammapostel Krebs hatte einmal in einer Gemeinde mit dem Hinweis auf seinen Nachfolger gesagt: „Unter seiner Wirksamkeit wird die Gemeinde so groß werden, daß bei seinem Besuch der größte Saal im Ort kaum ausreichen wird." Die damals noch sehr kleine Gemeinde hatte an dieses Wort fast nicht zu glauben ver­mocht, aber es bewahrheitete sich. Als der Stammapostel Niehaus nach dem Ersten Weltkrieg einmal in jener Stadt diente, konnte tatsächlich der größte Saal die Geschwister kaum fas­sen.

Eine solch gewaltige Entwicklung aber hatte das Werk Gottes überall ge­nommen. Als der Stammapostel Nie-haus sein Amt im Jahr 1905 über­nahm, gab es sechs Apostelbezirke mit 488 Gemeinden. 1928, also zwei Jahre vor seinem Ruhestand, waren daraus in Europa zwölf Apostelbezir­ke mit 1528 Gemeinden geworden. Dazu kamen noch fünf Apostelbezirke

Der Stammapostel Niehaus am Tag seiner Zurruhesetzung,

30. September 1930

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in Übersee mit 200 Gemeinden. Er hatte in seiner Amtszeit 31 Apostel einge­setzt, dazu unzählige Amtsbrüder.

Vater Niehaus selbst stand immer wieder staunend wie ein Kind vor dem, was sich aus den armseligen Anfängen in den 62 Jahren seiner Zugehörigkeit zum Werk Gottes entwickelt hatte. „Gebt unserm Gott die Ehre", sagte er dann jedesmal. Aber die Tausende, die durch die Liebe Gottes zu seinem Altar gezo­gen worden waren und dort durch die nie ermüdende Fürsorge von Hermann Niehaus und seiner Mitapostel eine Heimstatt für ihre Seele gefunden hatten –sie alle wußten, was dieser Mann für sie getan hatte. Er hatte sein ganzes Leben in den Dienst des Herrn und seines Volkes gestellt.

Nun trat sein Nachfolger, Johann Gottfried Bischoff, an seine Stelle, und Vater Niehaus durfte noch zwei Jahre miterleben, daß dieser das Versprechen hielt, das er am Tag seiner Aussonderung für das Stammapostelamt abgelegt hatte. Der Stammapostel Bischoff führte das Werk Gottes so weiter, wie Vater Niehaus es sich zur Aufgabe gemacht hatte, und war ein Bruder den Brüdern in der Liebe Christi. Das erfüllte das Herz des alten Gottesmannes mit Frieden und Freude.

Aber der Leib war müde und gebrechlich geworden. Im Frühsommer des Jahres 1932 nahmen die Schwächezustände von Vater Niehaus zu, so daß er schließlich bettlägerig wurde. Am 23. August durfte er dann im Alter von 84 Jahren sanft und friedlich in die jenseitige Welt hinübergehen und schauen, woran er hier so unverbrüchlich geglaubt hatte.

Zu dem Trauergottesdienst, der am 26. August 1932 in Bielefeld stattfand, versammelten sich die Apostel, viele Amtsträger aus nah und fern sowie eine große Anzahl von Geschwistern, auch aus dem Ausland waren einige ange­reist.

Vater Niehaus war in der Queller Kirche aufgebahrt. Der Sarg war mit so vielen Kränzen und Blumen geschmückt, daß für den Transport der Kränze zu dem Friedhof achtzig Brüder notwendig waren. Um 15.30 Uhr hielt der Stammapostel Bischoff im Beisein der Apostel van Oosbree (Holland), Oehl­mann, Steinweg, Hölzel, Gutbrod, Hartmann, Lax, Dach, Magney, Lembke, Landgraf, Schall und Schüring den Trauergottesdienst, an dem 2500 bis 3000 Brüder und Geschwister teilnahmen. Nur ein kleiner Teil von ihnen fand in der zur Verfügung stehenden Kapelle der Queller Gemeinde Platz; die meisten Teilnehmenden füllten den Hofraum des Niehausschen Anwesens.

Als Grundlage für die Trauerfeier verwendete der Stammapostel Bischoff das Wort aus Hebräer 13, Vers 7: „Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben, ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach." In seinem Dienen sagte er: „Wieviel Licht, Liebe, Güte, Gnade und Barmherzig­keit hat Gottes Volk aus diesem Gottesgesandten hingenommen! Es ist unmög­lich, dies alles beschreiben zu können. Alles, was er im Geiste der Liebe Christi an dem Volk Gottes getan hat, wird vom Herrn seine volle Belohnung finden" und fuhr fort: „Sein felsenfester Glaube, sein Eifer und seine Festigkeit, seine kindliche Einfalt, seine Sanftmut und Geduld waren vorbildlich. Nun ist seine Erdenzeit vorüber. Sorgen wir alle dafür, daß auch wir in Treue, Gewissenhaf­tigkeit und Erfüllung unseres Auftrages erfunden werden."

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Oben: Der von

Pferden gezogene Leichenwagen mit dem Sarg von Hermann Niehaus

 

Der Trauerzug, so berichtete die „Wächterstimme", brauchte über eine Stunde, um von der Kapelle der Queller Gemeinde nach dem Friedhof in Stein­hagen zu gelangen. Ungezählte säumten die Straßen, als sich der Trauerzug dem Friedhofe näherte. Es war unmöglich, daß alle, die einesteils in Steinha­gen auf den Trauerzug warteten, andernteils aber im Trauerzug mitkamen, auf dem Steinhager Friedhof Platz fanden.

Weiter heißt es in der Wächterstimme: „Die Liebe, Achtung und Ehr­furcht, die Stammapostel Niehaus zu seinen Lebzeiten genossen hatte, kam

Links: Der Stamm­apostel Bischoff

am Grab der

Familie Niehaus

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hier voll zum Ausdruck. Tausende ließen ihre Arbeit liegen, legten zum Teil erhebliche Wegstrecken zurück und scheuten keine Opfer, als es galt, den Mann, der für sie gearbeitet, gebetet und gestritten hatte, zur letzten Ruhe zu geleiten. Innig kam darin das Verbundensein des sichtbaren Hauptes der Kirche Christi mit den Gliedern zum Ausdruck. So groß die Trauer war, die alle bei dem Hinscheiden des lieben Vaters erfüllte, so groß ist aber auch die Freude und Dankbarkeit dem Herrn gegenüber, daß Gottes Volk unter der Hand eines solch edlen, starken und liebevollen Führers wandeln durfte."

Der Stammapostel Niehaus hat einmal gesagt: "Der Lohn, den wir heute erhalten, ist nicht der volle Lohn des Herrn. Auf Erden erhalten wir nur einen Teilbetrag. Das große Kapital bleibt bis zum Ende stehen." Darauf hoffen wir alle, die wir aus Gnaden erwählt sind, den Weg des Lebens zu gehen! Der Stammapostel
Niehaus im Ruhe‑

stand kurz vor
seinem Heimgang.
Er sagte einmal:
„Der Lohn, den wir
heute erhalten,
ist nicht der volle
Lohn des Herrn.
Auf Erden erhalten
wir nur einen
Teilbetrag. Das
große Kapital bleibt
bis zum Ende
stehen."

 

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 Geplaatst op: 31-08-2007

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