Geschichtlicher Rückblick
auf die
Entwicklung des Stammapostelamtes
Den in den Jahren 1832 bis 1835 in England gerufenen Aposteln wurden entsprechend den Stämmen des alten Bundesvolkes Israel zwölf Wirkungsbereiche zugewiesen. Jeder dieser zwölf Arbeitsbereiche erhielt den Namen eines Stammes des alten, natürlichen Volkes Israel und jeder der zwölf englischen Apostel war Apostel eines Stammes des neuen, geistlichen Volkes Israel.
So war das Arbeitsgebiet England und USA der Stamm «Juda» und dem Stamm-Apostel Cardale anvertraut. Süddeutschland und Österreich wurden als Stamm «Ruben» vom Stamm-Apostel Woodhouse bedient usw. In der Catholic-Apostolic Church gab es also zwölf Stamm-Apostel, welche die zwölf Stämme (Apostelbezirke) zu betreuen hatten.
Als im Jahr 1863 die Spaltung der Apostolischen Gemeinden stattgefunden hatte, war es bis viele Jahrzehnte danach in der «Neuen Ordnung» wie man die unter den neu gerufenen Aposteln stehenden apostolischen Gemeinden auch nannte, wie vorerwähnt. So war anfänglich der Apostelbezirk Holland der Stamm «Juda», geleitet von Apostel Schwarz als Apostel dieses Stammes. Norddeutschland galt als Stamm «Bphraim», von Apostel Preuß geführt usw.
Jeder dieser Apostel alter und neuer Ordnung war Stammapostel seines Stammes (Apostelbezirks), aber von allen sprach und schrieb man nur als von «Aposteln».
Um den ursprünglichen Sinn des Wortes Stammapostel noch mehr zu verdeutlichen, sei angemerkt, daß es in den ersten Jahrzehnten der «Neuen Ordnung» auch Stamm-Bischöfe gab. In «Alte und neue Wege» ist auf Seite 323 zu lesen, daß der nachmalige Apostel Kofman nach dem Heimgang des Apostels Schwarz von 1895 bis 1898 das Stamm-Bischofsamt im Stamm «Juda» (Apostelbezirk Holland, getragen hat. Und auf Seite 329 steht berichtet, dass Hermann Niehaus im Todesjahr des Apostels Menkhoff, 1895, Stamm-Bischof für den Stamm «Isaschar» (Apostelbezirk Westfalen/Rheinland) wurde.
Lange Zeit hatten die Apostel der neuen Ordnung untereinander wenig Kontakt, es fehlte sehr an gemeinsamen Zusammenkünften und somit an Gedanken- und Meinungsaustausch über Glaubenslehre und sonstige Glaubensangelegenheiten. Dieser Mangel wurde insonderheit von Apostel Schwarz erkannt, der mehr einheitliches Wirken der Apostel erstrebte, ohne aber solche Einheit selbst völlig erreicht zu haben. Schwarz hat aber keinesfalls das Stammapostelamt im Sinne eines Führers aller Apostel getragen, wie es vereinzelt in neuapostolischen Schriften erwähnt wurde.
Apostel Krebs, der dem Apostel Schwarz sehr nahe stand, hat nach des Apostels Schwarz Heimgang tatkräftig an der Verwirklichung der Aposteleinheit gearbeitet und eine solche schließlich auch erreichen können. Er wurde allerdings mehr schon durch Schwarz zum Stammapostelamt bestimmt und ordiniert. Während eines großen Gottesdienstes in Bielefeld, der nach Aussagen von Teilnehmern 1897, nach andern Berichten im Jahr 1896 stattfand, sagte Apostel Niehaus, dass eine einheitliche Leitung der apostolischen Gemeinden unter einem Haupt notwendig sei und daß hierzu von allen Aposteln der Apostel Krebs als Stammapostel erwählt wurde.
Es ist allerdings unwichtig, ob Krebs im Jahre 1896 oder 1897 Stammapostel und Hauptleiter der Apostolischen Gemeinden wurde, als zu wissen, welchen Sinngehalt das neue Stammapostelamt haben sollte und gewiß auch lange Zeit in gottgewollter Weise hatte. Aber in dieser Hinsicht hat sich seit der Ernennung des Apostels Krebs als Stammapostel bis heute Wesentliches geändert.
In der Zeit, da Krebs Stammapostel war, ging es diesem Gottesmann vornehmlich darum, die Einheit unter den Aposteln zu pflegen, in allen Glaubensangelegenheiten ein rechtes Einssein unter den Aposteln zu fördern, alle Träger des Apostelamtes einander näherzubringen, sich bei Differenzen vermittelnd zu betätigen, in Krisenfällen ausgleichend und versöhnend zu wirken, bei Schwierigkeiten zu helfen und dergleichen, aber nicht etwa als dirigierender und befehlender Vorgesetzter oder in allen Glaubensangelegenheiten maßgebender Lehrer zu wirken.
Es ist denn auch während der Zeit von der Ernennung des Apostels Krebs zum Stammapostel bis zum Tage seines Heimganges, dem 21. Januar 1905, in Apostolischen Gemeinden immer nur von «Vater Krebs» oder «Apostel Krebs», nicht aber von «Stammapostel Krebs» gesprochen und geschrieben worden. In dem zu jener Zeit von Apostel Bornemann herausgegebenen «Herold» ist niemals von «Stammapostel Krebs», sondern immer wieder nur von «Apostel Krebs» die Rede. Sogar in der Herold-Ausgabe vom Februar 1905, in welcher ein Nachruf für den im Januar 1905 entschlafenen Apostel Krebs veröffentlicht wurde, schrieb man nur von «Apostel Krebs».
Daraus erhellt, daß Stammapostel Krebs als ein «Primus inter pares», das heißt als «Erster unter Gleichen» galt und daß er selbst sich als solcher verstanden hat. Er war und blieb Bruder unter Brüdern im Kreis seiner Mitapostel, ohne besondere Vorrechte auszuüben.
Wollten wir die sich über Jahrzehnte erstreckenden Veränderungen und Abweichungen vom ursprünglichen Sinn des Stammapostelamtes und das, was mittlerweile in der Neuapostolischen Kirche aus dem Stammapostelamt geworden ist, auch nur einigermaßen aufzeichnen, so ergäbe dies ein umfangreiches Buch. Im Rahmen dieser Schrift können wir nur auf Wesentliches eingehen.
Im November 1947 baten alle damals in Europa tätigen Apostel den zu jener Zeit nahezu 77jährigen Stammapostel Bischoff in einem Brief, er möge in Anbetracht seines hohen Alters doch bald einen Nachfolger ordinieren. Bischoff berief dann zum 21. Mai 1948 eine Apostelversammlung ein, in welcher auf seine Anordnung hin eine geheime Abstimmung darüber stattfand, wen die Apostel als seinen Nachfolger nennen würden. Entsprechend dem einstimmigen Ergebnis dieser geheimen Wahl, zu dem kurze Zeit danach auch alle in Übersee tätigen Apostel schriftlich ihre Zustimmung gaben, wurde am 1. August 1948 durch Bischoff die Aussonderung des Apostels Kuhlen zum Stammapostelamt vorgenommen mit der Maßgabe, daß Apostel Kuhlen solange wie Bischoff noch arbeitsfähig sei, als Stammapostelhelfer arbeiten und in dem Augenblick, wo Bischoff vom Herrn abberufen würde, ohne weiteres an dessen Stelle als Stammapostel treten soll.
Aus Beweggründen, die hier nicht erörtert werden sollen, wurde von Kräften, die auf Bischoff großen Einfluß hatten, diesem bald nach der Ordination eingeredet, daß er doch keinen Nachfolger mehr benötige, da er selbst des Herrn Werk der Endzeit vollenden würde und er der letzte Stammapostel wäre. Parallel dazu wurde Bischoff geradezu verherrlicht. Dazu ein Beispiel:
Nicht lange nach Beginn des zweiten Weltkrieges mußte das Erscheinen der «Wächterstimme» eingestellt werden. Als dann am 1. Oktober des Jahres 1949 diese Zeitschrift (Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich: J. G. Bischoff; Druck und Verlag: Friedrich Bischoff) wieder erschien, war gleich in der ersten Nummer in einem Artikel mit der Überschrift «Der Schlüssel des Himmelreichs» folgendes zu lesen (auszugsweise):
«Wenn die Apostel des Herrn im Auftrage ihres Senders (das ist und bleibt der durch göttliche Zeugnisse erwählte Stammapostel) auch aus Menschenkindern Gotteskinder machen können, so sind sie, wenn ihre Arbeit für die Ewigkeit erfolgreich sein soll auf den Schlüssel des Himmelreiches im Stammapostel angewiesen. Kraft seines besonderen Auftrages - und nun kommen wir zu dem Hauptpunkt - und der ihm gewordenen höchsten Erkenntnis kann nur er den jeweils zeitgemäßen Willen Gottes erschließen, und durch die allein von ihm verkündigte Lehre allen gläubig zu ihm Aufschauenden die Möglichkeit vermitteln, am Ende in das von Jesu bereitete Reich eingehen zu können. Diesem vom Herrn Erwählten hat der Sohn Gottes die Macht des Aufschließens, die Gabe der rechten Erkenntnis und die Fähigkeit, die Zeit an der göttlichen Uhr richtig zu erkennen, bleibend geschenkt. Ohne dieses Letzte muß alles andere, im göttlichen Sinne, Stückwerk bleiben. Nur unter der Bestätigung des Stammapostels wird der Apostel und treuen Brüder Arbeit auch die Anerkennung des himmlischen Vaters finden, denn er ist es, der durch seinen Sohn diese Ordnung gesetzt und gegeben hat. - Durch den dem gegenwärtigen Stammapostel übergebenen Schlüssel des Himmelreichs sind uns alle Erkenntnisse, die das Werk Gottes über alle Religionssysteme so hoch erhebt, übermittelt worden. Auch die guten und neuen Gedanken, die da und dort in den Gottesdiensten der Apostel und Brüder geboren werden, haben in dem Geiste des Stammapostels ihren Ursprung, ihre Quelle, bevor sie in den Worten der Amtsbrüder Niederschlag und Ausdruck finden. Gerade die Tatsache, daß der Stammapostel allein darüber entscheiden kann, und ausschließliche Autorität nach göttlichem Willen sein und bleiben muß, gibt diesem Gedanken die Bestätigung und erschließt die Geheimnisse des Reiches Gottes und damit das Reich Gottes selbst. - Durch die in ihm wohnende größte Liebe, wie sie kein zweiter besitzt, wird selbst denen noch das Himmelreich erschlossen, die bei andern keinen Eingang mehr finden würden. - Seine klare Sprache, wie wir sie vergeblich bei befähigten Brüdern immer wieder suchen, erschließt das Himmelreich sogar für solche, die außer ihm sonst keinen recht verstanden haben. - Sind dieses nicht sichtbare Beweise, daß auch dem gegenwärtigen Stammapostel der Schlüssel des Himmelreichs, das wichtigste Vorrecht vor allen Aposteln, die höchste Verpflichtung von Seiten Christi gegeben ist? Kraft dieses empfangenen Schlüssels handelte er in den zurückligenden Jahren in einer Weisheit, die über jede menschliche Vernunft erhaben ist. - Wer sich dieses, im Besitz des Stammapostels befindlichen Schlüssels bedienen will muß das Herz jenes Mannes besitzen, der das völlige Vertrauen des Sohnes Gottes sein eigen nennen darf Ihm nicht restlos zu vertrauen und seinem Worte nur in Gedanken widerstehen zu wollen heißt, sich wider den Sohn Gottes zu versündigen.»
Diese Ausführungen schreiben dem Stammapostel eine Macht zu, die keinem Menschen gegeben ist und enthalten so viele Superlative für den Stammapostel, daß manche der Apostel über diesen Artikel bestürzt waren und ihr großes Befremden darüber äußerten.
Die Heilige Schrift lehrt uns, daß Jesus einst Apostel sandte und senden will, daß also Jesus selbst der Sender seiner Apostel ist. So wurde es auch immer in apostolischen Gemeinden gelehrt und ebenso lautet es im 4. Glaubensartikel des neuapostolischen Glaubensbekenntnisses. In dem vorerwähnten Wächterstimmen-Artikel aber wird der Stammapostel als Sender der Apostel hingestellt.
Im besagten Artikel wird von der allein vom Stammapostel verkündigten Lehre gesprochen. Was ist das doch für ein Abweichen von dem im letzten Kapitel des Matthäus-Evangeliums zu lesenden Sendungsbefehl des Herrn, woraus klar ersichtlich ist, daß Jesus alle seine Apostel beauftragt hat, Lehrer nach seinem Willen zu sein!
In der «Wächterstimme» Nr.3 vom 1. November 1949 wurde dann die Abhandlung «...auf daß sie alle eins seien!» veröffentlicht. Darin heißt es unter mehr:
«Die in Nr.1 der Wächterstimme erschienene Abhandlung «Der Schlüssel des Himmelreichs» war gerade in der Redaktion fertiggestellt, als unser Stammapostel einen Brief erhielt, dessen Inhalt in gedrängter Kürze die Leitgedanken der erwähnten Abhandlung wiedergab. Den Wortlaut des Briefes lassen wir hier folgen :
«Herzlich geliebter Stammapostel Mit tiefer Dankbarkeit im Herzen habe ich mich am gestrigen Tage wieder von ihnen verabschiedet. Immer wieder bewundere ich die einfache Auslegung des Wortes, wodurch Sie uns die tiefsten Gedanken übermitteln. Immer deutlicher tritt in Erscheinung, was Jesus in Johannes 14, 17 sagte: Den Geist der Wahrheit kann die Welt nicht empfangen, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Wenn ich eie Entwicklung des Werkes verfolge, ist es einzg und allein Ihrer Führung zu verdanken, daß der Geist der Wahrheit in seiner Reinheit - durch keinen fremden Geist getrübt - den Kindern Gottes verkündigt worden ist. Hier muß ich mit dem Dichter voller Rührung in das Lob ausbrechen: Wenn ich dies Wunder fassen will dann steht mein Geist vor Ehrfurcht still? In diesen Tagen habe ich mich oft gefragt: Welches ist eigentlich das grißte Ereignis im Werke Gottes seit der Ausgießung des Spatregens? - Ich bin zu keinem andern Ergebnis gekommen als dem, daß Sie, lieber Stammaposte4 als Träger der höchsten Verantwortung vor dem Herrn mit keinem Grad von der Lehre der Väter abgewichen sind. Sie haben den Kurs innegehalten! Wie wäre es sonst möglich gewesen, das Volk des Herrn mit der bisherigen Klarheit zu bedienen. Durch den Geist der Wahrheit haben Sie uns die Lehre Jesu als Apostellehre in vollendeter Reinheit verkündet und alle Verlangenden mit den Heilstaten Jesu in Verbindung gebracht. Das Werk des Herrn ist dank Ihrer Arbeit dazu fähig gemacht, bald vollendet zu werden. - Der himmlische Vater hat gewußt, wem er seinen Geist anvertrauen konnte. Er hat Vater Krebs den Anfang, Vater Niehaus den Fortgang und Ihnen die Vollendung seines Werkes anvertraut. Wenn Paulus schon sagen konnte: Das Siegel meines Apostelamtes seid ihr in dem Herrn! dann ist das Erlösungswerk im Zeichen der Vollendung das Siegel Ihres Stammapostelamtes. Es ist leichter, den Erfolg einer Sache hinterher zu bewundem, als zu erkennen, worauf der Erfolg einer Sache zurückzuführen ist. In dieser reinen Lehre will ich weiter tätig und mit Freuden Ihr Diener sein. Nehmen Sie für heute diese wenigen Zeilen als Ausdruck meiner Liebe und Wertschätzung zu Ihnen entgegen, verbunden mit herzlichen Grüßen.
Ihr dankbarer WS.'»
Schreiber des in dieser Abhandlung zitierten Briefes war Apostel Walter Schmidt, welcher unmittelbar nach Erscheinen der betreffenden «Wächterstimme» den damaligen Stammapostelhelfer Kuhlen telefonisch anrief und dann diesen sofort besuchte, um ihm zu sagen, daß er über die Anführung seines Briefes im Zusammenhang mit einem derartigen Aufsatz in der «Wächterstimme» entsetzt sei, daß er das Geschriebene überhaupt nicht so gemeint habe usw. Als die Apostel im Juni 1950 in Holland weilten, erklärte der Stammapostel (am 18.06.50) den Aposteln E. und 0. Güttinger und R. Schneider im Hotelzimmer in Eindhoven, daß der Herr ihm eine Offenbarung gegeben habe, daß er nicht mehr sterben werde.
Nach und nach kamen immer mehr
Gerüchte auf, der Stammapostel habe gesagt, ihm sei eine Gottesoffenbarung
geworden, wonach er nicht mehr sterben, sondern das Werk vollenden und Jesus
noch zu seinen Lebzeiten wiederkommen werde. Im Apostelkreis hatte der
Stammapostel davon allerdings keinerlei Mitteilung gemacht.
In der «Wächterstimme» Nr. 20 vom 15. Oktober 1950 war alsdann unter der
Überschrift «Nachklang zum 21. September 1950» (an diesem Tag jährte sich zum
zwanzigsten Mal der Tag, an welchem Bischoff das Stammapostelamt angetreten
hatte, zu lesen:
«Wenn wir ihn heute in jugendlicher Kraft wirken und dem Volke Gottes dienen sehen, so kommt bei den Getreuen, wie einst unter den Brüdern, die Rede auf: Dieser Jünger stirbt nicht!»
Ja, diese Rede kam mehr und mehr auf, ohne daß der Stammapostel selbst dazu im Apostelkreis irgend etwas gesagt hätte oder den Aposteln geschrieben worden wäre.
In dem im Verlag Friedrich Bischoff für das Jahr 1951 erschienenen Kalender (Buchform), der den Aposteln in der zweiten Novemberhälfte 1950 zugestellt wurde, stand unter der Überschrift «An Christi Statt» ein Aufsatz, der ebenfalls Bischoff als den «Vollender» herauszustellen suchte. Zu jenem Kalenderaufsatz wäre sehr viel zu sagen; hier sei nur vermerkt, daß darin die christliche Kirchengeschichte und besonders die kirchengeschichtliche Entwicklung der apostolischen Gemeinden gründlich verzerrt und unrichtig dargestellt wurde. Nach diesem Artikel soll Schwarz der erste Apostel nach der urchristlichen, apostellosen Zeit gewesen sein und wäre Bischoff das letzte Glied in der Kette der Stammapostel. - In jenem Kalenderartikel steht von Bischoff auch: «Er ist der festen Überzeugung, daß der Herr die Seinen noch zu seinen Lebzeiten heimholen wird ins Vaterhaus, zumal ihm der Herr - nach seinen eigenen Worten - noch keinen gezeigt hat, der das Gotteswerk auf Erden nach ihm weiterführen solle.»
Dieser Satz stand im Widerspruch zu der am 1. August 1948 vorgenommenen Ordinierung eines Nachfolgers und mußte logischerweise allerlei Fragen und Gedanken bei den Mitgliedern der Neuapostolischen Kirche auslösen.
Um eine aus dieser Verwirrung entstehende drohende Spaltung und Katastrophe in der Neuapostolischen Kirche möglichst zu verhüten, hat dann Apostel Kuhlen am 25. November 1950 seinen Rücktritt vom Amt des Stammapostelhelfers und Nachfolgers im Stammapostelamt eingereicht. Über die mancherlei Gründe, die ihn zu diesem Rücktritt veranlaßten, ist in den Kirchenakten der Vereinigung Apostolischer Christen ein ausführlicher Bericht hinterlegt.
Es dauerte dann immerhin noch mehr als ein Jahr, bis der Stammapostel offiziell seine «Botschaft» predigte, daß er nicht sterben, sondern das Werk vollenden würde. Dann aber wurde diese «Botschaft» in neuapostolischen Schriften und Gottesdiensten mit sich steigerndem Fanatismus gelehrt, wobei alle Amtsbrüder, welche der «Botschaft» nicht zustimmten, verketzert und als böse Knechte hingestellt wurden. Über die «Botschaft» wurde so viel geredet und geschrieben, daß es Bände füllen würde, wollte man solches alles aufzeichnen.
Hier einige Zitate aus neuapostolischen Schriften, für deren Inhalt Bischoff verantwortlich war.
1. insonderheit als Beweis für den Stammapostelkult und die Vergottung Bischoffs:
- In einem Gottesdienst an
Weihnachten 1951 in Gießen gehalten, nannte ein Apostel den Stammapostel «den
Größten - nächst Christus -, den die Erde je getragen hat». Das hat sich
Bischoff widerspruchslos angehört und den Bericht über jenen Dienst in alle Welt
versenden lassen.
- «Hatte der Vater an dem Wirken seines Sohnes sein Wohlgefallen, dann ruht das
gleiche Wohlgefallen auch auf dem Stammapostel» («Jugendfreund»1952, S .8);
- «Der Stammapostel allein ist die geoffenbarte Liebe Gottes» («Amtsblatt»
1952, S. 94);
- «Der Sohn Gottes sitzt zur Rechten seines Vaters, ist aber heute in seinem
ersten Knecht, dem Stammapostel in vollkommenem Maße verkörpert» («Amtsblatt»
1953, S. 181);
- « Warum hat Gott sein Werk nicht schon früher vollendet? Weil er einen Mann
brauchte, wie einen Noah, einen Abraham, einen Mose, einen Petrus, so brauchte
er heute einen Bischoff, um sein Werk zu vollenden» («Wächterstimme» 1953, S.
55);
- «der größte Mann der Gegenwart» («Der Gute Hirte» 1953, S. 74);
- «der größte Mensch auf dieser Erde» («Jugendfreund» 1954, S. 51);
- «der Vollender des Ratschlusses Gottes» («Unsere Familie » 1953, S. 441);
- «Ihn hat der Herr von Ewigkeit her dazu ausersehen, das zur Vollendung zu
bringen, was er selbst einmal begonnen hat» (Kalender «Unsere Familie»
1955, S. 48);
- «Er kündet die Aufhebung der Naturgesetze für die, die seinem Worte glauben,
daß sie den natürlichen Tod nicht schmecken brauchen und verheißt ihnen nach
göttlichem Willen das ewige Leben» («Wächterstimme» 1955, S. 31);
- «Ohne den Stammapostel Bischoff gibt es keine Erste Auferstehung, keinen
Einzug in den Hochzeitssaal und kein Wohnen im Reiche der Herrlichkeit»
(«Wächterstimme» 15.10.55);
- Laut «Unsere Familie» 1955, S. 623, sagte Bischoff selber: «Wir können vor
Gott treten und behaupten, daß wir besonders gute und vollkommene Menschen
seien»;
- Unter der Überschrift «Engel des Menschensohnes» wurde auf Offbg. 14, 6
hingewiesen. Dazu hieß es: «Dieser Engel ist und bleibt unser Stammapostel bis
zur herrlichen Erscheinung des Sohnes Gottes.... Das ewige Evangelium, das er
verkündet, ist die ihm vom Herrn gegebene Verheißung, daß das Geheimnis Gottes
zu seiner Lebenszeit vollendet wird, solange er posaunen wird und als
Stammapostel steht» («Wächterstimme» 1955, S. 120);
- «der Exponent göttlicher Herrlichkeit» (Kalender 1956, S. 60);
- «Die Stellung des Stammapostels kann nicht mit der eines Propheten des Alten
Bundes verglichen werden, sie kann auch nicht derjenigen gleichgestellt werden,
die der Seher von Patmos einnahm, sondern seine Stellung ist dadurch
gekennzeichnet, daß sein Auftrag der größte ist, den der Herr je einem Menschen
gegeben hat. Wir finden eine Parallele zwischen ihm und dem Sohn Gottes, die
darin besteht, daß Jesus bekannte, daß er Christus, der Sohn des lebendigen
Gottes ist» («Wächterstimme» 1957, S. 142);
- « Was ist es für einen Apostel ein köstliches Gut, wenn er aufblicken kann zum
Stammapostel als dem Heiligen und Herrlichen!» («Unsere Familie» 1955, S. 151).
2. als Beweis für die Festlegung Bischoffs als «letzter Stammapostel»:
- «Wie Mose und der Auszug des
Volkes Israel aus der Gefangenschaft der Ägypter zu einem Begriff geworden sind,
so ist für die Kinder Gottes der Stammapostel und die Vollendung der Braut
unteilbar» («Wächterstimme» 1954, S. 88);
- «Bischoff als der geistige Josua führt die Kinder Gottes ins Land der
Verheißung, ins himmlische und ewige Kanaan hinein» (Kalender 1954, S. 46);
- «Aber daß der Sohn Gottes zu meiner Zeit kommt, ist so sicher, daß eher Himmel
und Erde vergehen werden, ehe das Wort sich nicht erfüllen würde»
(«Wächterstimme» 1954, S. 68);
- «Kein anderer wird die Braut dem Gottessohn und Bräutigam entgegenführen, als
der den Auftrag dazu erhalten hat, beide zu vereinen, der treue Elieser, unser
Stammapostel» («Wächterstimme» 1955, S. 45);
- «Ohne diesen Mann kann das königliche Priestertum, die Braut des Lammes, nicht
vollendet werden» («Wächterstimme» 1955, S. 54);
- «Der gegenwärtig' lebende Stammapostel ist der Letzte» («Wächterstimme»
1956, S. 165);
- «Seit Jahren wird uns verkündet, daß der Herr zur Lebenszeit unseres
Stammapostels wiederkommt, nicht irgendeines Stammapostels, sondern unseres
derzeitigen Stammapostels» («Wächterstimme» 1959, S. 99);
- « Wenn der Herr darauf hinweist, daß wir an seiner Hand das Ziel erreichen
werden, so steht hinter diesem Wort die nüchterne Erkenntnis, daß uns außer ihm
keiner dem Herrn entgegenführen kann» («Amtsblatt» 1960, S. 34);
- « Wir haben doch neben dem Stammapostel keinen mehr und neben der Botschaft
des Stammapostels keine andere mehr» («Wächterstimme» 1957, S. 15);
- «Das steht unabänderlich fest als eine göttliche Verheißung: Der Herr kommt
zur Lebzeit unseres Stammapostels» («Unsere Familie» 1955, S. 400).
Viele Apostel und Amtsbrüder, die durch die «Botschaftslehre»mit dem Stammapostel in Widerspruch geraten waren, wurden ihres Amtes enthoben und aus der Neuapostolischen Kirche ausgeschlossen. Die Erkenntnis, daß Bischoffs «Botschaft» nicht mit den Worten Christi über seine Wiederkunft in Einklang stand und das viele Unrecht, das gegenüber denen geschah, die an den fundamentalen Heilswahrheiten des Evangeliums festhielten, veranlaßte viele tausend Gemeindemitglieder, sich mit den ausgeschlossenen Aposteln und Amtsbrüdern zu einer neuen apostolischen Gemeinde zusammenzuschließen.
Aber die aus verschiedenen Motiven, über die ein besonderes Kapitel geschrieben werden könnte, so hochgespielte «Botschaft» brach zusammen, als Bischoff am 6. Juli 1960 starb. Nun hatte Gott gesprochen.
Da war der Zeitpunkt gekommen, an
dem in der neuapostolischen Kirchenleitung Erkennen des Irrtums, Eingeständnis
des Fehlverhaltens und demütige Bußfertigkeit vor Gott hätten offenbar werden
sollen. Da hätte ein Wandel zum Guten, eine Rückkehr zur ersten Liebe auch
gegenüber denen, die man lieblos als «Gegner» bezeichnete, stattfinden können,
da hätte Besinnung darüber kommen sollen, wohin die alles Maß übersteigende
Verherrlichung des Stammapostels geführt hatte.
Aber was geschah?
Die neuapostolischen Apostel nahmen Zuflucht zu einer Ausrede!
In einem Schreiben vom 7. Juli 1960, das in den neuapostolischen Gemeinden vorgelesen wurde, schrieben diese Männer: «Der Stammapostel kann sich nicht geirrt haben! Wir fragen uns, warum Gott seinen Willen geändert hat?»
Anstatt die Schuld zuzugeben, machten sie Gott dafür verantwortlich, daß es nicht so gekommen war, wie sie gepredigt hatten!
Jahre danach schrieb Walter Schmidt, der Erstunterzeichner des erwähnten Schreibens, wonach Gott seinen Willen geändert haben sollte, «daß sich Gottes Wille in der Verwirklichung seines Heilsplanes niemals und nicht im geringsten geändert hat» («Unsere Familie» 1973, S. 3).
Ebenso schrieb Walter Schmidt später: «In Jerusalem ist niemals die Kunde laut geworden, daß die Schriftgelehrten und Pharisäer ihr Fehlurteil überprüft und zugegeben hätten. Sie beugten sich nicht vor Gott und taten nicht Buße für ihre Sünden. Ihre Stellung unter dem Volk verbot es ihnen, zu bekennen, daß sie einem Irrtum zum Opfer gefallen waren» («Amtsblatt» vom 15.03.1963).
Und wie verhielten sich die neuapostolischen Apostel, als Gott durch den Tod Bischoffs eine deutliche Sprache redete?
- Trotzdem in neuapostolischen
Predigten und Schriften unzählige Male gepredigt und geschrieben worden war, daß
Stammapostel Bischoff der Letzte sei,
- obwohl in der «Wächterstimme» vom 1. Juni1956 auf S. 87 geschrieben wurde:
«Hätte Jesus von Nazareth versagt, so gäbe es keine Gnade und keine Erlösung.
Die Augen der Gläubigen erkennen eine einmalige und einzigartige Parallele . Am
Anfang der Gnadenzeit stand ein Mann - Jesus von Nazareth
- an ihrem Ende steht ein Knecht, dem die Aufgabe geworden ist, die Braut
heimzuführen... er ist durch keinen andern zu ersetzen»,
- obgleich es in «Christi Jugend» vom 15. März 1956, S. 46, heißt: «Nach ihm
(Bischoff) kommt keiner mehr, der sich darauf berufen könnte, von dem Sohn
Gottes einen Auftrag zu haben,
- und wenn auch Walter Schmidt noch wenige Tage vor dem Sterben
Bischoffs sich an dessen Krankenlager vom Stammapostel mit den Worten
verabschiedet hatte: «Aber es bleibt bei der Verheißung: ,Der
Herr kommt zu ihrer Lebenszeit' und Bischoff darauf geantwortet hatte
,Ja, das ist gewiß!»
wählten die neuapostolischen Apostel noch ehe die sterbliche Hülle Bischoffs begraben war Walter Schmidt zum neuen Stammapostel.
Und nun ist seit Februar 1975 mit Ernst Streckeisen bereits der zweite Stammapostel nach Bischoff tätig.
Nachwort
Dem aufrichtigen Leser dürfte es klar sein, daß durch den Stammapostelkult und -anspruch die Auftraggebung Christi an alle seine Apostel entstellt und mißachtet wurde und noch mißachtet wird. Es betrübt uns, solche Fehlentwicklung aufzeigen zu müssen, doch darf Negatives in der Geschichtsschreibung nicht einfach weggelassen werden. Die Bibel verschweigt es auch nicht und vermag gerade deshalb um so besser den rechten Weg zu weisen. So will auch die vorliegende Abhandlung ehrlichen Herzen Wegweisung sein.
Wir halten es mit dem Worte Jesu (Matth. 23, 8, 11, 12):
«Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen
lassen; denn einer ist euer Meister, Christus;
ihr aber seid alle Brüder.
Der Größte unter euch soll euer Diener sein.
Denn wer sich selbst erhöht, der
wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.»
Im Frühjahr 1975
Vereinigung der Apostel der apostolischen Gemeinden
Nachdenkliches
über die
Botschaft des Stammapostels J. G. Bischoff: „Ich sterbe nicht, der Herr Jesus
kommt noch zu meiner Lebzeit wieder?“
In der Wächterstimme Nr. 9 vom 1. Mai 1932 schrieb der Stammapostel in dem Artikel „Steiget herauf" folgendes:
„Nun wollen wir aber nicht in den Fehler vieler gottesdiensttreibender Geister verfallen, uns damit zu beschäftigen, wann diese Zeit sein wird. Obgleich der Herr Jesus lt. Apostelgeschichte 1, 7 sagte: „Es gebühret euch nicht, zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat, suchen dennoch viele in ihrer Vermessenheit Tag und Stunde der Wiederkunft Christi festzulegen. Alle, die sich damit befaßt haben, mußten bis jetzt eine schmähliche Enttäuschung erleben. Für die Kinder Gottes ist es nicht Hauptsache, zu wissen, wann der Herr kommt, sondern viel wertvoller ist es, daß wir Christo angehören, wenn er kommen wird, und daß wir zu denen zählen, welche die große Stimme vom Himmel hören dürfen: Steiget herauf"
Warum ist der Stammapostel nicht bei dieser gemäß der Heiligen Schrift einzig richtigen Glaubensanschauung geblieben? Muß nicht nach seinen eigenen Worten da eine schmähliche Enttäuschung kommen, wo für das Wiedererscheinen Christi ein zeitlich begrenzter Termin angesagt wird?
Sehr bald hat der Stammapostel den im Mai 1932 von ihm vertretenen Standpunkt verlassen, und bereits in den Jahren, als Apostel Landgraf in Frankfurt wirkte -1933 bis 1936 hat der Stammapostel oftmals Gesichte und Träume, die das Kommen des Herrn zu einem bestimmten Zeitpunkt angaben, als von Gott kommend, angesehen und erzählt. So hat der Stammapostel damals dem Apostel Landgraf kurz nach dem Tode des Priesters Hoffmann in Frankfurt (des Bruders der jetzigen Frau des Stammapostels) berichtet, daß sein Sohn Fritz geträumt habe, der vor wenigen Tagen entschlafene Priester Hoffmann sei bei ihm gewesen und habe gesagt, daß der Herr Jesus am nächsten Weihnachten käme. Der Stammapostel hat dies als sicher eintreffend angenommen. Apostel Landgraf hat dann aber eingewendet, daß man doch niemals Termine für das Kommen Jesu angeben dürfe, denn das sei entgegen dem Worte Jesu, wonach niemand, selbst der Sohn Gottes nicht, Zeit und Stunde wisse. Also könne man auch keinen Traum, der anderes besage, als das vom Herr's gegeben, als von Gott kommend, ansehen. Daraufhin hat der Stammapostel von der weiteren Verbreitung dieses Traumes Abstand genommen.
In einem Artikel aus dem Jahre 1939 stellt der Stammapostel die Frage: „Wann wird der Herr kommen?" Und die Antwort lautet: Wenn das Erlösungswerk so weit fortgeschritten ist, daß die laut Lukas 17, 34-36 geschilderten Zustände, welche nach Jesu Worten seinem Kommen vorausgehen, in der Tat in seinem Erlösungswerk vorhanden sind, dann ist mit der Wiederkunft des Herrn zu rechnen. Diese da genannten Zustände sind heute (1939!) wirklich vorhanden Die Zeit ist also da!"
War die Zeit des Wiederkommens Jesu im Jahre 1939 tatsächlich schon vorhanden? Sind nicht manche Zustände, die in der Heiligen Schrift als vor dem Erscheinen Christi vorhanden angeführt sind, erst nach 1939 gekommen?
Am 22. Juni 1947 sagte der Stammapostel in einem großen Gottesdienst in Dinslaken, an dem mehr als 4500 Geschwister der Bezirke Ruhrort und Hamborn teilnahmen, folgendes: „Ich sage euch nicht zu viel, wenn ich erwähne, daß wir verschiedene Geschwister, selbst Amtsträger haben, die bereits die Verheißung des Herrn empfingen, daß sie nicht mehr sterben, sondern verwandelt werden. Das sind doch auch göttliche Zusagen".
Am gleichen Tage sagte der Stammapostel in einem kleinen Kreise, daß der Bezirksälteste Illig aus Frankfurt am Main einer von jenen wäre, der solche Verheißung empfangen hätte. - Bezirksältester Illig aber ist am 10. 8.1950 verstorben, womit klar ist, daß es sich bei seinem Fall um keine göttliche Verheißung gehandelt hat, sondern, daß der Traum oder das Gesicht, welches den Bezirksältesten Illig glauben ließ, daß Jesus noch zu seiner Lebzeit käme, aus dem Jesum liebenden Herzen und dessen Sehnsucht nach der Vereinigung mit ihm erzeugt war.
Eigenartig ist hierbei auch, daß der Stammapostel im Jahre 1954 an manchen Orten erklärt hat, er sei gegenwärtig der einzige Mensch auf Erden, dem der Herr verheißen habe, daß er nicht sterben würde, während er doch 1947 sagte, daß der Herr solche Verheißung mehreren Geschwistern und Amtsbrüdern gegeben hätte. Was stimmt denn da? Das, was er 1947 sagte? Oder das, was er in jüngster Zeit sagt? Oder?
In dem Amtsblatt vom 1. Mai 1949 steht ein Artikel, in welchem über einen vom Stammapostel gehaltenen Gottesdienst berichtet wird. Dortselbst hat der Stammapostel u. a. folgendes gesagt: „Es besteht auch vielfach die Ansicht, daß vor dem Kommen des Herrn der Abfall kommen müsse, von dem Paulus in 2. Thessalonicher 2, 3 schreibt. Dieses Wort bezieht sich aber ausschließlich auf die damalige Zeit und hat sich bereits buchstäblich erfüllt“. Und weiter predigte dort der Stammapostel: „Aus der wiedererstandenen apostolischen Kirche haben wir also keinen Abfall als Vorzeichen der Wiederkunft Christi zu erwarten". Und ferner sagte er: „Es ist also sehr wichtig, bei unserer Zubereitung auf das Kommen des Herrn, nicht mehr auf solche Zeichen zu warten, die einerseits Jesus für sein Wiederkommen gar nicht angab, und die sich andererseits längst erfüllt haben“.
Sonderbar ist, daß der Stammapostel 1949 behauptete, es sei vor dem Kommen des Herrn kein großer Abfall mehr zu erwarten, vielmehr wäre in dieser Hinsicht alles erfüllt, während gegenwärtig, also mehrere Jahre später, wieder sehr eifrig davon gesprochen wird, daß jetzt der große Abfall im Gange sei.
Im Amtsblatt vom 1. November 1949 steht unter dem Titel „Höchste Bereitschaft" zu lesen: „Unser Stammapostel sprach kürzlich die Worte: ,Ich erwarte den Herrn jeden Tag'. Somit sind die göttlichen Verheißungen, die das Kommen des Herrn Jesu betreffen restlos erfüllt.
Wie? Waren diese Verheißungen 1949 restlos erfüllt? Warum kam denn der Herr Jesus trotzdem 1949 noch nicht?
Als die Apostel im Sommer 1950 mit dem Stammapostel zur Bedienung der dortigen Gemeinden in Holland weilten, erklärte der Stammapostel den Schweizer Aposteln E. und 0. Güttinger und R. Schneider, und zwar am 18.06.1950 im Hotelzimmer in Eindhoven, er habe eine göttliche Offenbarung gehabt, daß er nicht mehr sterben würde.
In der zweiten Novemberhälfte des Jahres 1950 wurde den Aposteln der im Verlag Friedrich Bischoff erschienene Kalender „Unsere Familie" für das Jahr 1951 zugestellt. In diesem Kalender stand ein Artikel des Schriftleiters Meyer-Geweke, in dem es u.a. hieß: „Er - der Stammapostel - ist der festen Überzeugung, daß der Herr nicht mehr lange verziehen und die Seinen noch zu seinen Lebzeiten heimholen wird ins Vaterhaus, zumal ihm der Herr - nach seinen eigenen Worten - noch keinen gezeigt hat, der das Gotteswerk auf Erden nach ihm weiterführen solle".
Am 25. November 1950 war ich dann gemeinsam mit Apostel Dehmel beim Stammapostel. Bei unserer Unterredung mit dem Stammapostel war auch Bezirksältester Weine zugegen. Im Laufe des Gespräches sagte der Stammapostel: „Ich habe vor einiger Zeit den Schweizer Aposteln gesagt, und das wiederhole Ich auch euch gegenüber: „Ich werde nicht sterben!" Da haben die Schweizer große Augen gemacht; aber ich weiß, was ich sage, und ich bleibe auch dabei. Ich weiß wohl, daß es viel gesagt ist „Ich werde nicht sterben", aber ich werde es niemals anders sagen; denn wenn ich es je anders sagen würde, dann wäre das ein Abweichen von der Lehre. Die Wiederkunft Christi steht kurz bevor, und wer das nicht lehrt, der steht nicht richtig“.
An jenem Tage erklärte ich meinen Rücktritt vom Amte als Stammapostelhelfer und Nachfolger im Stammapostelamte. Als ich nach der Besprechung beim Stammapostel anschließend mit Apostel Dehmel und dem Bezirksältesten Weine im Büro der Gemeinde auf der Sophienstraße 48 ankam, um dort mein Rücktrittsschreiben zu formulieren, wurde mir gleich durch den Hirten Weiler gesagt, daß soeben der Stammapostel telefonisch angerufen habe, und mir bestellen ließ, ich soll in mein Schreiben einfügen, ich träte deshalb zurück, weil ich zu der Erkenntnis gekommen sei, daß der Stammapostel das Werk Gottes vollenden würde. - Daraufhin habe ich gesagt: „Das tue ich nicht, denn das ist nicht meine Überzeugung".
So hatte der Stammapostel also bereits am 18.06.1950 gegenüber den Schweizer Aposteln mit aller Bestimmtheit gesagt, daß ihm eine göttliche Offenbarung geworden sei, nach welcher er nicht mehr sterben werde, und uns gegenüber wiederholte er solches am 25.11.1950 mit allem Nachdruck. Aber erst Weihnachten 1951 verkündigte der Stammapostel dies öffentlich in der Gemeinde zu Gießen. Später jedoch hat es immer geheißen, der Stammapostel habe die Botschaft, daß er nicht mehr sterben werde und Gottes Werk vollenden würde, unmittelbar nach deren Empfang durch den Herrn dem Volke Gottes mitgeteilt
Wann hat denn nun der Stammapostel diese Botschaft vom Herrn erhalten? Hat er sie schon lange vor 1950 bekommen, oder erst 1950, oder an Weihnachten 1951? Oder was hat es damit für eine Bewandtnis?
Am 4. Februar 1951 führte der Stammapostel im Gottesdienst in Karlsruhe in der Gemeinde Gartenstraße u.a. folgendes aus: „Und wenn der Herr haben will, daß ich sein Werk vollende - und das will er - dann bin ich überzeugt, daß er mich auch so lange am Leben erhält".
Da betont also der Stammapostel, daß Gott will ihn so lange am Leben erhalten und durch ihn das Werk vollenden. Wenn der Stammapostel derart sicher sprach von dem Willen des Herrn, dann durfte er solches doch nur, wenn ihm der Herr bereits zu jener Zeit geoffenbart hatte, daß es also sein würde.
Wiewohl nun aber der Stammapostel gegenüber den Schweizer Aposteln am 18.06.1950 und uns gegenüber am 25.11.1950 so positiv sicher gesprochen hatte, daß er nicht mehr sterben und der Herr noch während seiner Lebzeit wiederkommen werde, und obgleich er in Karlsruhe am 04.02.1951 behauptete, es sei der Wille Gottes, daß er (der Stammapostel) des Herrn Werk vollende und solange am Leben bleibe, schwächte er in einer Ämterversammlung in Stuttgart, zu welcher auch ein Teil der Frauen der Amtsbrüder eingeladen war, am 18.02.1951 seine den Schweizer Aposteln und uns gemachten Aussagen und ebenfalls seine Äußerungen in Karlsruhe wieder sehr ab; denn er sagte daselbst folgendes:
„Meine lieben Brüder und Schwestern, ich möchte hierzu kurz erwähnen: Tag und Stunde weiß niemand. Wir lesen in Markus 13, 32, daß Jesus sagte, daß auch er es nicht wisse. Somit ist doch jedes Disputieren darüber eine völlig überflüssige Angelegenheit. Wir wissen einfach Tag und Stunde nicht. Weil wir aber das nicht wissen, darum habe ich mich, wenigstens für meine Person, an die Worte Jesu gehalten, in dem er sagte: „Wachet, denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird" (Matth. 24, 42). Da spricht der Herr nicht mehr von Tagen, sondern von einer Stunde.
Nun wird da oder dort allerlei gesprochen, was ich in dieser Hinsicht nicht alles gesagt haben soll. Laßt euch von derartigen Redereien nicht beeinflussen. Ich erwarte den Herrn täglich! Das habe ich oft genug in den Gottesdiensten und auch in meinen Schriften bekanntgegeben, und das Recht hat jedes apostolische Gotteskind, das zu glauben. Außerdem glaube ich, daß der Herr Jesus zu meiner Lebzeit kommt Ich habe aber nicht gesagt, daß er in der Zeit kommen muß, sondern ich glaube, daß er in meiner Lebzeit kommt. Dieses glaube ich nicht etwa auf Grund eines Traumes oder aus irgend einer anderen Ursache, sondern auch hierin ist mir nur sein Wort maßgebend. Warum sollten wir denn nicht glauben dürfen, daß der Herr zu unserer Lebzeit kommt? Er hat doch gesagt: „Wenn aber dieses (was er geschildert hat) anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter darum, daß sich eure Erlösung naht" (Luk. 21, 28). Wir dürfen doch das glauben, was Jesus sagte. Worauf sollen wir denn unseren Glauben gründen? Deshalb habe ich euch heute in diesen beiden kurzen Sätzen meine persönliche Glaubensstellung gezeigt, so daß ihr Bescheid wißt. Ich habe also nicht gesagt, daß der Herr zu meiner Zeit kommen muß sondern ich glaube, daß er in dieser Zeit kommt".
Hier sprach also der Stammapostel absolut nicht davon, daß ihm der Herr eine göttliche Offenbarung gegeben habe, wonach er nicht mehr sterben und das Werk vollenden werde, sondern er stellt Derartiges sogar direkt in Abrede, indem er sagte, daß seine Überzeugung von der Wiederkunft des Herrn zu seiner Lebzeit auf der Erkenntnis der Zeichen der Zeit beruhe, aber auf keinen Fall gegründet wäre auf einen Traum oder irgend eine andere Ursache. Sind das nicht Widersprüche?
Und dann kam der Weihnachtsgottesdienst 1951 zu Gießen, derjenige Gottesdienst des Stammapostels, von dem in letzten Jahren so überaus viel in der Neuapostolischen Kirche gesprochen worden ist als dem Tage der Verkündigung der Botschaft des Stammapostels, daß er nicht mehr sterben, sondern Jesus durch ihn sein Werk vollenden werde. Nachstehend seien nun einige Ausführungen aus dem erwähnten Gottesdienst des Stammapostels angeführt:
Tag und Stunde, wann der Herr kommt, wissen wir nicht. Aber ich persönlich bin ü b e r z e u g t , daß die Zubereitung des königlichen Priestertums in der Zeit erfolgt, in der ich noch vorhanden bin und daß die Reichsgottesarbeit im Weinberg des Herrn mit mir ihr Ende erreicht".
„Nun steht hierzu nicht mehr viel Zeit zur Verfügung, denn im allgemeinen rechnet man doch damit, wenn ein solch hohes Alter erreicht ist, daß dann auch schließlich das Ende kommt. So geht nun auch das Jahr 1951 dem Ende entgegen und die Zubereitung des königlichen Priestertums auch. Auch die Zeitspanne, die Jesus als elfte Stunde bezeichnete, geht ihrem Ende entgegen. Und wie ich schon erwähnte, wird sich das alles in der Zeit, in der ich noch hier auf Erden bin, erfüllen. Ich weiß natürlich nicht, ob es viele sind, die dafür Ohren haben, um das zu hören, aber es ist eben Tatsache; denn ich kann nichts aus dem Ärmel schütteln, und mein menschlicher Geist und meine menschliche Vernunft sind unfähig, solches zu offenbaren. Für mich steht sicher, daß, wie angeführt, die Zeit der Zubereitung des königlichen Priestertums unter meiner Hand vollendet wird und daß die Reichsgottesarbeit im Weinberg des Herrn mit meinem Ende auch ihr Ende erreicht. Dies ist eine Botschaft, die etwas anders klingt als ein Hinweis, daß Jesus einst geboren wurde, daß er lebte, lehrte, gekreuzigt wurde, gestorben, auferstanden und gen Himmel gefahren ist".
„Wenn aber der Geist des Herrn etwas in mir erweckt, so werde ich das nicht unterschlagen, sondern weitergeben“.
„Ich bin der Letzte, nach mir
kommt keiner mehr. So steht es im Ratschluß Gottes, so ist es festgelegt, und so
wird es der Herr bestätigen!"
„Es ist mir persönlich eine große Freude und Genugtuung, allmähIich dahin
gelangt zu sein, daß der Geist des Herrn eine solch deutliche Sprache zu führen
imstande ist“.
„Wir haben nicht mit Tagen,
Wochen, Monaten oder Jahren zu rechnen, sondern wie Jesus sagte: „Ihr wisset
nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird“.
„Das Wort von heute mag manchem neu erscheinen, aber es ist lediglich eine
Fortsetzung der bisher geleisteten Arbeit“.
„Es könnten den Hörern diese Worte fast als eine Vermessenheit erscheinen, daß eine solche Sprache geführt wurde. Ich mußte selbst erst das glauben. was der Geist des Herrn erweckt. Und wenn der Geist des Herrn heute sagen würde: „Der Herr Jesus kommt an dem und dem Tag, wenn auch die Stunde nicht genannt würde, dann müßte ich das genau so gut glauben, wie ich das übrige seither durch ihn Geoffenbarte glaubte. Also in der Hinsicht ist das Wort erfüllt, daß der, der da spricht, zuerst an das Wort aus seinem Munde glauben muß, daß es das Wort des Herrn ist“.
„Wir sind überzeugt, daß der Herr kommt, und zwar zu unserer Zeit, wo wir noch hier sind, um dann die Seinen zu sich zu nehmen“.
In dem gleichen Weihnachtsgottesdienst 1951 sprach Apostel Rockenfelder unter mehr: „Ich entsinne mich einer Stunde, als ich ein Junge von 10 Jahren war, da nahm mich mein Vater auf einem Spaziergang mit. Er setzte sich auf eine Bank und nahm mich zwischen seine Knie und sagte: „Sieh' Junge, unser Apostel (der heutige Stammapostel Bischoff) wird einmal unser Stammapostel werden. Das war im Jahre 1914. Und wenn er Stammapostel ist, dann ist er es, der Gottes Werk zu Ende führt. ich sagte: „Vater, woher willst du das wissen, wer hat dir das gesagt?" Er gab zur Antwort: „Der Herr hat mir's geoffenbart". - Und ich war dann, weil in mir der Verstand waltete, unter dem Gedanken: Wie hat der Geist des Herrn deinem Vater das geoffenbart? in anschließenden Tagen und Wochen ein lebendiger Zeuge davon, daß der Geist des Herrn durch Gesichte und mancherlei Fingerzeige Dinge offenbart, die kein Menschengeist wissen kann. So ist dieser Glaube in mir gewachsen, und ich habe diese Erlebnisse erst in letzter Zeit dem Stammapostel gesagt. Er wußte davon damals nichts, er hatte keine Ahnung davon“. „Meine felsenfeste Überzeugung ist es, daß Gott und Jesus den Glauben seines Knechtes krönen werden durch das herrliche Erscheinen des Sohnes Gottes und damit das Wort dessen krönen wird, den als den Größten, nächst Jesus, die Erde je getragen hat“.
Apostel Friedrich Bischoff sagte unter anderm in dem gleichen Gottesdienste: „Es kann dem Volke Gottes kein langes Warten, kein weites Sehen mehr zugemutet werden“.
Was soll man nun zu den mancherlei Aussprüchen des Stammapostels und der Apostel Rockenfelder und Friedrich Bischoff in jenem denkwürdigen Weihnachtsgottesdienste sagen? Lauten nicht zahlreiche Sätze der Predigt daselbst ganz anders als gegenwärtig hierüber gesprochen wird vom Stammapostel? In der Folgezeit sagte der Stammapostel nämlich unzählige Male: „Der Herr hat mich wissen lassen, daß ich nicht sterben werde und daß er zu meiner Lebzeit kommt". Später hieß es dann seinerseits immer wieder, daß der Herr selbst ihm erschienen wäre und ihm solche Botschaft gebracht hätte. Manchmal hat der Stammapostel auch erklärt, er habe keine Veranlassung, Näheres darüber zu sagen, wie der Vorgang der Gottesoffenbarung gewesen sei. Und noch anderwärts hat der Stammapostel gesagt, daß jene Offenbarung so wunderbar gewesen sei, daß ihm die Worte fehlten, alles zu schildern.
Was stimmt denn nun eigentlich von diesen einander widersprechenden Aussagen des Stammapostels?
In jenem Weihnachtsdienste 1951 sagte der Stammapostel nur, daß er persönlich überzeugt wäre, daß es also kommen würde. Von einer Erscheinung Jesu, durch welche ihm solches angesagt ist, war damals gar keine Rede.
Auffällig ist auch, daß der Stammapostel in dem Weihnachtsdienste 1951 anführte, der Geist des Herrn habe dies alles (wohl in den Gedanken) erweckt, aber von einer derartigen Ansage durch den Herrn selbst sagte der Stammapostel nichts.
Ganz eigentümlich muß es berühren, wenn der Stammapostel in jenem Weihnachtsgottesdienste sagte, „laß es ihm eine Freude und Genugtuung sei, allmählich dahin gelangt zu sein, solche Sprache fuhren zu können. Wenn nämlich der Herr Jesus dem Stammapostel persönlich erschienen wäre und ihm gesagt hätte, daß er nicht mehr sterben werde und Gottes Werk vollenden würde, dann hätte der Stammapostel dies sofort sagen müssen, wie er ja auch selbst erwähnte, daß er nichts, was in ihm vom Herrn erweckt sei, unterschlagen wolle. Aber wenn eine derartige Botschaft „erst allmählich" gereift ist, was ist es dann mit der persönlichen Ansage durch Jesum?
Besonders stutzig aber muß jeden ernsthaft Denkenden machen, wenn der Stammapostel hinsichtlich der Botschaft, daß er nicht mehr sterben und das königliche Priestertum und die Reichsgottesarbeit unter seiner Hand vollendet werde, selber anführte: „Ich mußte selber erst das glauben, was der Geist des Herrn erweckt". Es ist nämlich ganz ohne Zweifel, daß, wenn der Herr Jesus dem Stammapostel persönlich erschienen wäre, um ihm zu sagen, daß er nicht mehr sterben, sondern das Werk Gottes vollenden werde, dann müßte solches doch alles beim Stammapostel von demselben Augenblick an unumstößlich feststehen und wäre nicht erst ein Durchringen zu diesem Glauben mehr erforderlich. Freilich sieht die Sache ganz anders aus, wenn Derartiges erst im Gedankenbereich des Stammapostels erweckt. wurde und er sich dann erst durchkämpfen mußte, zu glauben, daß seine diesbezüglichen Gedanken Gottesoffenbarungen seien.
Es muß auch mehr als sonderbar berühren, daß Apostel Rockenfelder bereits als Zehnjähriger gewußt haben will, daß der nachmalige Stammapostel J. G. Bischoff das Werk vollenden werde und daß er sein Wissen erst kurz vor Weihnachten 1951 dem Stammapostel mitgeteilt und Letzterer bis dahin von dem allen keine Ahnung gehabt hat Ist durch diese Mitteilung des Apostels Rockenfelder an den Stammapostel der Glaube des Letzteren zur Gottesoffenbarung geworden?
Wie merkwürdig auch, daß Apostel Rockenfelder schon im Kindesalter von 10 Jahren so mit seinem Verstande zu kämpfen hatte, als ihm sein Vater von dessen Gottesoffenbarung sprach. Hat er wohl als Zehnjähriger schon so tiefgründig über das Kommen Jesu zur Lebzeit des späteren Stammapostels Bischoff nachgedacht?
Und wenn Apostel Friedrich Bischoff in dem bekannten Weihnachtsgottesdienste 1951 sagte: „Es kann dem Volke Gottes kein langes Warten, kein weites Sehen mehr zugemutet werden", so kommt daß ja fast einem Ultimatum an den Herrn gleich, wonach Jesus unbedingt zu erscheinen habe, weil welche da sind, die ein längeres Warten auf des Herrn Kommen nicht mehr mitmachen wollen. Ob Gott nicht selber bestimmt, was er den Seinen noch auferlegen oder zumuten kann und wann er zur Heimholung der Seinen seinen Sohn sendet?
Im Weihnachtsgottesdienst 1951 hat der Stammapostel also nicht von einer ihm gewordenen Gottesoffenbarung gesprochen, vielmehr sagte er da nur, daß er persönlich überzeugt wäre, daß es für ihn sicher sei, daß der Geist des Herrn in ihm erweckt habe, er würde nicht sterben und Jesus käme noch zu seiner Lebzeit wieder, daß es nun allmählich so weit gekommen sei, also sprechen zu können und dieses lediglich eine Fortsetzung der bisher geleisteten Arbeit wäre und daß er selber solches erst glauben mußte.
Jedoch schon im Gottesdienst am 30.12.1951 zu Heidelberg sprach der Stammapostel von dem allen als ihm von Gott geoffenbart. Er sagte: „Ich selbst habe die feste Überzeugung und den unwandelbaren Glauben, daß der Herr zu meiner Zeit seine Braut holt; ob das geglaubt wird oder nicht, spielt keine Rolle. Dieser Hinweis ist keine Überhebung; denn ich weiß, daß ich genau so gut ein sterblicher Mensch bin wie jeder andere auch; aber was mir der Herr geoffenbart hat, das nimmt niemand aus meinem Herzen.
Am 16. März 1952 sagte der Stammapostel im Gottesdienst in Ulm: „Damit bin ich von einer Erkenntnis zur andern gelangt, und zwar auch soweit, daß ich heute positiv überzeugt bin, daß der Herr zu meiner und eurer Lebzeit kommt, um uns heimzuholen". - Und weiter sprach er daselbst: „Und wenn ich sagte, daß ich glaube, daß der Herr zu meiner Lebzeit kommt, dann ist diese Überzeugung nicht ein Produkt meines Verstandes, sondern eine Offenbarung von Seiten des Herrn Jesu, als er mich wissen ließ, daß er mich erwählt hat, um ihm seine Braut entgegenzuführen. Diese meine Überzeugung hat also ihre Grundlage in dem, was mir der Herr Jesus persönlich offenbarte. Ihr dürft glauben, daß dabei auch mein Verstand suchte sich geltend zu machen. Zunächst führte mir mein Verstand mein hohes Alter vor. Aber der Verstand hat nicht erwogen, daß der Herr Jesus schon morgen kommen kann. Der Verstand sagte: So schnell geht das doch nicht, und wenn du dann doch stirbst, was dann?! Der Glaube an die mir vom Herrn gewordene Offenbarung hat den Sieg davongetragen".
Trotzdem der Stammapostel also in Ulm sagte, daß ihm der Herr Jesus persönlich alles offenbarte, hat sein Verstand den Einwand gemacht: „Wenn du dann doch stirbst, was dann?" Später hat der Stammapostel gegenüber andern, die über jene Angelegenheit keine persönliche Offenbarung gehabt haben, sondern allein auf das vom Stammapostel Gesagte angewiesen waren, gesagt, daß schon der Gedanke: Wenn er aber doch stirbt? teuflisch sei.
Am 13.04.1952 sprach der Stammapostel im Gottesdienst in Tübingen: „Ich persönlich bin überzeugt, daß der Sohn Gottes zu meiner Lebzeit kommt und daß ich ihm die Braut entgegenführen werde. Ich sage das nicht, weil mir das etwa als Begleitschreiben bei meiner Geburt in die Wiege gelegt worden wäre, sondern deshalb, weil mir das der Herr geoffenbart hat. Ob das nun wenige oder viele glauben, ist deren Sache; ich weiche davon nicht einen Finger breit ab. Wer es fassen kann, der fasse es, wer es nicht fassen kann, der lasse es. Es ist das ja jedem Einzelnen selbst überlassen“.
Zu jenem Zeitpunkte war der Stammapostel also immerhin noch so tolerant, zu sagen, es sei jedem Einzelnen überlassen, wie er sich dazu stelle; jedoch später wurde der Glaube oder Nichtglaube an die vom Stammapostel verkündigte Botschaft als das Entscheidende für Annahme oder Nichtannahme des Einzelnen am Tage des Herrn angegeben.
Zu Köln-Ehrenfeld sprach der Stammapostel am 11. Mai 1952: „Ich bin überzeugt, daß der Herr Jesus zu meiner Lebzeit kommt und sage das dem Teufel ins Gesicht und sage es jedem, der es Wissen oder hören will, weil ich über diese Behauptung Unterlagen habe, nicht menschliche Unterlagen und Ansichten, sondern die Offenbarungsstätte und sein Wort ist auch in diesem Fall die Unterlage meines Glaubens und meiner Behauptung". – „Ich weiß und bin überzeugt, daß diese Worte, die ich nicht nur hier, sondern auch anderwärts gesprochen, mitunter auf heftigen Widerstand gestoßen haben. Da wird mein Alter angeführt. Ist das so schlimm, wenn man 80 oder 81 Jahre alt ist, kann man dann nichts mehr tun?" Und ich werde nicht eher gehen, bis ich meinen Auftrag, den ich vom Herrn empfangen habe, ausgeführt habe. Und wenn ich gehe, gehen die, die meinem Worte geglaubt haben, mit mir, die bleiben nicht zurück. – „Der Gedanke: Wenn er aber stirbt, was dann? Wartet es doch ab, erst abwarten, dann urteilen! Ich habe vom lieben Gott keinen Auftrag zu sterben". – „Heute handelt es sich nicht bloß um mich, sondern um die gesamte Braut des Herrn, und ich freue mich auf die Stunde, wenn der Herr dann kommt und uns zu sich nimmt, und dann werden die zusehen müssen, die heute so halb und halb stehen und meinen: Wenn es aber nicht so kommt? Macht euch keine Gedanken, es kommt schon nicht, wie solche denken".
In diesem Kölner Gottesdienste sagte der Stammapostel, man möge doch ruhig erst abwarten, um aber kurz hinterher in gleichem Gottesdienste zu sagen, daß diese so halb und halb Stehenden dann gewissermaßen das Nachsehen haben würden.
Es ist unmöglich, die zahlreichen ähnlich lautenden Ausführungen in Gottesdiensten des Stammapostels alle zu zitieren. Es herrschte eine Zeitlang auch eine gewisse Duldsamkeit in dem Sinne, daß es halt jedem überlassen sei, wie er zu des Stammapostels Botschaft stehe und, daß man ja niemanden zum Glauben zwingen könne.
Dann aber lehrte der Stammapostel nach und nach, daß diejenigen ungetreue oder böse Knechte seien, die seine Botschaft vom - Wiederkommen des Herrn zu seiner Lebzeit nicht predigten und jene törichten Jungfrauen seien, die seiner Botschaft, daß er nicht mehr sterben werde, nicht glaubten.
Z. B. sprach der Stammapostel am 15.11.1953 im Gottesdienst in Dortmund über die Gründe, warum am Tag des Herrn der eine angenommen, der andere nicht angenommen werden wird. Er sagte dazu: „Nun kam vor zwei Jahren an Weihnachten die Botschaft, daß der Herr zu meiner Lebzeit wiederkommt, und da kam es darauf an, ob diese Botschaft geglaubt wurde oder nicht. Die Arbeit fand wie seither ihre Fortsetzung sowohl bei dem, der angenommen wird, als auch bei dem, der nicht angenommen wird. Was ist nun die Ursache, daß einer angenommen wird und der andere nicht? Die Arbeit geht bei beiden gleichmäßig vorwärts. Es werden Seelen eingeladen, die Brüder besuchen die Seelen, es werden Gottesdienste gehalten, alles genau so wie vorher, nur mit dem einen Unterschied: Der eine Knecht, um in der Einzahl - zu sprechen, glaubt der Botschaft und arbeitet - in diesem Glauben an den Seelen weiter wie vorher, während der andere auch wie vorher arbeitet, aber nicht an die Botschaft glaubt, die ihm geworden ist. Also, der eine macht seine Arbeit im Glauben, und der andere macht seine Arbeit zwar wie seither, aber ohne den Glauben an die gewordene Botschaft, daß der Herr zu meiner Lebzeit kommt. Das ist der Unterschied, das ist die Ursache, warum der eine angenommen wird und der andere zurückbleibt“.
Wo steht in der Heiligen Schrift geschrieben, daß von dem Glauben oder Nichtglauben daran, daß der Stammapostel das Werk Gottes vollendet, Annahme oder Zurückbleiben am Tage des Herrn abhängig sind?
Und dann kam der 1. Januar 1954, an welchem Tage der Stammapostel in Wiesbaden Gottesdienst hielt unter Zugrundelegung des Wortes aus Psalm 118, 13-18. Darin heißt es u. a. „Die Rechte des Herrn behält den Sieg; die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den Sieg!" Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen. Der Herr züchtigt mich wohl; aber er gibt mich dem Tode nicht". Der Stammapostel sagte im Laufe des Gottesdienstes, daß er über 56 Jahre apostolisch sei und viel in der Heiligen Schrift gelesen habe, sich aber nicht entsinnen könne, die vorgelesenen Schriftworte jemals gelesen zu haben. - Erwähnen darf ich dazu wohl, daß der 118. Psalm einer der bekanntesten ist und auch in zahlreichen Gottesdiensten der Neuapostolischen Kirche besonders in den vorstehenden genannten Versen Verwendung gefunden hat und daß manchmal Abhandlungen hierüber in den neuapostolischen Zeitschriften gestanden haben. Aber der Stammapostel erwähnte in dem Wiesbadener Gottesdienste, diese Psalmworte seien deshalb verborgen geblieben, bis es die Notwendigkeit erforderte, auf den Inhalt dieser Schriftworte aufmerksam zu machen. Und dann bezieht er die Worte aus dem 118. Psalm auf sich und sagt im Hinweis darauf: „Mir ist vom Herrn die Zusage gegeben, daß ich nicht sterbe, sondern den Willen Gottes verkündige. Hier ist ausdrücklich gesagt: Er gibt mich dem Tode nicht." – „Ist denn jemand auf der Erde gewesen, dem dieses Wort gegolten hätte?" – „Das kann doch nur da in Erscheinung treten, wo der Herr selbst die Zusage gegeben hat, daß der Betreffende nicht sterben wird. Also geht daraus hervor, daß diese angeführten Schriftstellen nicht mehr und nicht weniger sind als die Voraussage auf die Zeit, in welcher der Inhalt dieser Worte verkörpert in Erscheinung getreten ist". – „Es leben heute etwa 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde. Es wird kein zweiter unter diesen vielen Menschen sein, dem der Sohn Gottes mitgeteilt hat, daß er zu dessen Lebzeit kommt". - „Daß der Sohn Gottes, dem der Vater alle Macht gegeben hat, einen Menschen wissen läßt, daß er zu seiner Lebzeit kommt, ist bis heute das erste Mal in der ganzen Reichsgottesgeschichte, sowie in dem Erlösungswerk des Sohnes Gottes gewesen; es wird sich ein zweites Mal nicht wiederholen". - Wenn der Psalmist solche Worte schrieb, so muß doch auch einmal eine Person in Erscheinung treten, an der das Gesagte erfüllt ist". - „Dieses muß aber vom Herrn selbst bestätigt werden, und zwar dadurch, daß er dem Betreffenden, von dem der Psalmist solches geschrieben hat, selbst mitteilt, daß er nicht zu sterben braucht".
Hierzu erhebt sich die Frage: „Ist jenes Wort des Psalmisten nicht ganz anders zu deuten?"
Am 11. Juli 1954 sprach der Stammapostel in Neumünster über den zur Annahme am Tag des Herrn notwendigen letzten Schritt. Er sagte: „Wer am Tag des Herrn nicht in der Arche steht, der steht eben noch draußen und muß die Folgen seines Tuns tragen. Es muß also der letzte Schritt getan werden. Und worin besteht der? Der Herr hat uns wissen lassen, daß er zu meiner Lebzeit kommt und somit auch zu eurer Lebzeit. Und wenn ihr diesen Glauben nicht aufbringt, wenn ihr diesen Schritt nicht macht, dann bleibt ihr draußen. Es gibt nun einmal keine andere Möglichkeit als diese. Das ist die Pforte, durch die wir hindurchgehen müssen. So ist es vom Herrn bestimmt und von ihm angeordnet, und wer diesen Schritt nicht wagen zu können glaubt oder denkt, er könne das nicht glauben, der muß, so hart es ist, eben mit den damit verbundenen Folgen rechnen". In diesem Gottesdienst wurde der Glaube an die Botschaft, welche als letzter Schritt bezeichnet wird, als der entscheidende Schritt genannt.
An welcher Stelle der Heiligen Schrift ist denn zu lesen, daß der am Tage des Herrn draußen bleiben muß, der nicht glaubt, daß der Herr zur Lebzeit des Stammapostels J. G. Bischoff kommt und daß dies die einzige Möglichkeit sei zum Eingang in das Reich der Herrlichkeit?
Im Gottesdienst zu Kirchheim-Teck sprach der Stammapostel am 18.07.1954 wiederum sehr viel von „dem letzten Schritt" und erwähnte: „Wo sind die Bezirke hingekommen, wo der Bezirksvorsteher sich nicht ganz streng an meine Worte gehalten hat? Sie sind von dem Siegeszug Christi überfahren und beseitigt worden. Der Herr scherzt nicht, wer ihm widersteht, den überfährt er". - Und weiter berichtete der Stammapostel: „Ein Bischof fragte vor etlichen Monaten seinen Bezirksapostel: Wie ist das nun mit der Botschaft des Stammapostels, wie sollen wir denn das den Geschwistern übermitteln? Da sagte der betreffende Bezirksapostel: Ach, ihr müßt das nicht so nehmen, ihr müßt sagen: Der Stammapostel glaubt das; aber für uns ist das nichts! Er fragte dann den Apostel, der dem Bezirksapostel zur Seite gegeben ist. Der sagte: Für die Worte des alten Mannes gebe ich keinen Pfifferling". - Beide sind aber durch den Siegeslauf Christi erledigt.
Ob wohl der Geist Jesu, der Geist dessen, der da sagte: „Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen selig zu machen, was verloren ist", jemand bewußt überfährt? Das halte ich für ausgeschlossen. Es kann vielleicht auch einem sorgfältigen Kraftfahrer passieren, daß er durch Zu- und Umstände und menschliche Unzulänglichkeit ungewollt einen Mitmenschen überfährt und dieser dadurch sein Leben einbüßt; aber wenn jemand das mit Bewußtsein und Absicht täte, dann wäre er ein Verbrecher. Und Jesus, der uns gelehrt hat, sogar die Feinde zu lieben, ist niemals so roh, jemand bewußt zu überfahren, sondern sucht stets zu helfen. Die Unduldsamkeit gegenüber solchen Aposteln und Amtsbrüdern, die nicht die Botschaft des Stammapostels predigten, daß derselbe nicht mehr sterben und er das Werk vollenden werde, wurde immer größer und gegen solche Männer wurde öffentlich eine immer schärfere Sprache geführt.
Am 20. Juni 1954 waren zahlreiche Apostel mit dem Stammapostel in Berlin, wo derselbe am Vormittag vor etwa 10000 Teilnehmern und weiteren etwa 15.000 durch Postfunk angeschlossenen Hörern sagte, daß es im Werke Gottes welche gäbe, die ängstlich darauf bedacht seien, daß seine Botschaft, daß der Herr zu seiner Lebzeit käme, nicht in ihre Bezirke hineinkäme. Diese wollten später, wenn gar der Stammapostel doch sterben sollte, sagen können: Ja, seht ihr, das haben wir auch niemals gepredigt, daß der Stammapostel nicht sterben würde, sie wollen dann als die Rechten dastehn. Aber wenn sie auch Mauern um ihre Bereiche aufrichten wollen, der Geist Christi kommt darüber hinweg. - So ähnlich sprach der Stammapostel, und zwar in einer Weise, daß unter den Zuhörern einige Male lautes Lachen war. Merkwürdig ist allerdings, daß dieser Teil der Rede des Stammapostels in dem Bericht, der in Nr. 15/1954 von „Unsere Familie" erschien, gänzlich fallen gelassen wurde. Warum wohl?
Apostel Dauber sagte am 12.09.1954 im Gottesdienst in Stuttgart „Mit der Verkündigung der Botschaft des Stammapostels ist die Zubereitung des königlichen Priestertums in die Endphase hineingetreten, und da gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder man glaubt sie hundertprozentig und bekennt sich dazu, oder man ist ungläubig und steht außerhalb. Etwas anderes kommt hier gar nicht mehr in Frage. Es kann auch heute keiner mehr sagen: Ich halte mich neutral, denn eine Neutralität und ein Abwarten auf diesem Gebiet gibt es nicht mehr. Es kann auch keiner mehr sagen: „Ich sage zu der Sache überhaupt nichts - abwarten - wenn er stirbt“. - Auch hinter den Worten: „Ich sage nichts, kann sich keiner mehr verbergen, denn wer nichts sagt, hat schon gesprochen". Eines steht fest: Ohne den Glauben und das hundertprozentige Bekennen zu dieser Botschaft kann niemand mehr apostolisch werden und kann auch niemand mehr apostolisch bleiben".
Da wurde die Unduldsamkeit soweit getrieben, daß jemand, der nicht hundertprozentig an die Botschaft des Stammapostels glaubt und diese nicht bekennt, nicht apostolisch werden kann, ja, daß jemand, der bereits lange Zeit apostolisch ist, nicht mehr apostolisch bleiben kann, wenn er nicht die Stammapostelbotschaft glaubt und bekennt.
Nachmittags war am 12.09.1954 in Stuttgart Apostelversammlung. Auf der Tagesordnung standen vom Stammapostel angegeben als
Punkt 8: Ich werde keinen Apostel oder Bischof mehr einsetzen, der nicht glaubt, daß der Herr zu meiner bzw. zu unserer Lebzeit kommt. Auch bitte ich die Apostel, keine Brüder mehr ins Amt zu setzen, wo dieser Glaube nicht wirklich vorhanden ist.
Punkt 9: Ferner müssen die zur heiligen Versiegelung kommenden Seelen vorher durch ein „Ja" bestätigen, daß sie an diese Botschaft glauben.
Der Stammapostel führte dazu in der Apostelversammlung an, daß es im Jahre 1953 in einem Bezirke vorgekommen sei, daß ein Ehepaar sich habe unter der Bedingung versiegeln lassen, daß es nicht an die Botschaft des Stammapostels zu glauben brauche, daß der Herr zu seiner Lebzeit komme. Er wolle, daß solches nicht mehr vorkäme und hielte es für nötig, daß alle zur Versiegelung kommenden Seelen vorher durch ein „Ja" ihren Glauben an seine bekannte Botschaft bestätigen müßten. Ebenfalls würde er zukünftig keinen Apostel. oder Bischof mehr einsetzen, der nicht öffentlich erkläre, daß er an die Wiederkunft Christi zur Lebzeit des Stammapostels glaube.
Ich habe mich dann zum Wort gemeldet und etwa folgendes gesagt: „Ist es nicht zu weitgehend, von solchen, die zur heiligen Versiegelung kommen und also noch wenig Erkenntnis haben, bereits einen so weitgehenden Glauben zu verlangen? Wir erwarten ja auch von keinem, der zur Versiegelung kommt, daß er dann schon so weit ist wie jemand, der jahrelang der Gemeinde angehört. Wenn nämlich jemand von ganzer Seele dem Herrn dient, dann geht er sonntags zweimal in den Gottesdienst, besucht in der Woche nochmals einen Abendgottesdienst, nimmt womöglich an einem andern Abend an der Übungsstunde des Gesangchores teil, beteiligt sich vielleicht darüber hinaus an den andern Wochenabenden noch beim Missionieren im Werke des Herrn und bringt außerdem den zehnten Teil seines Einkommens als Opfer. Aber wir haben noch niemals die Versiegelung davon abhängig gemacht, daß jemand dann ab sofort zweimal sonntags und nochmals in der Woche am Gottesdienst teilnimmt, gleich Chorsänger wird und ebenfalls im Weinberge des Herrn mitschafft und dann auch den Zehnten gibt. Wir haben alles wohl nach und nach den Seelen nahegebracht, dann aber mit jedem Geduld gehabt. Es ist ja nicht einmal jemand, der jahrzehntelang neuapostolisch ist, vollkommen, ja nicht einmal einer aus unserm Kreise (dem Apostelkreis) ist in allem vollkommen, sondern alle bedürfen der Gnade. So kann man es meines Erachtens von jemand, der erst ein halbes Jahr oder ein Jahr lang unsere Sache kennt, nicht verlangen, daß ihm bei der Versiegelung eine derartige Bedingung auferlegt wird. Außerdem ist die Botschaft des Stammapostels ja kein Glaubensartikel, und es genügt wohl, wenn wir den zur Versiegelung Kommenden das Gelöbnis abnehmen, daß sie sich an unsere Glaubensartikel halten, dem Teufel und der Welt entsagen und sich dem Herrn übergeben wollen, sich in der Nachfolge der Apostel und Brüder finden und auf den Tag des Herrn bereiten lassen. Damit haben wir uns doch bisher zufrieden gegeben.
Nach diesen meinen ungefähren Ausführungen setzten bei mehreren Aposteln ein Sturm der Entrüstung ein. Die Apostel Dauber, Higelin, Startz, Walter Schmidt, Streckeisen, Hahn und Friedrich Bischoff widersprachen mir heftig und meinten, es sei nach dem Stande der heutigen Erkenntnis unbedingt erforderlich, den Glauben an die Botschaft des Stammapostels vor der Spendung der Versiegelungshandlung zu fordern. So wie es früher bereits erforderlich war, daß jemand, der zur Versiegelung kommen wollte, an die Apostelsendung und Sündenvergebung durch Apostel glauben mußte, so sei gegenwärtig der Glaube an die Gottesoffenbarung der Botschaft des Stammapostels unerläßlich, um die Versiegelung hinzunehmen.
Ich entgegnete, daß man von jungen, im Glauben und in der Erkenntnis erst beginnenden Seelen doch nicht mehr verlangen könne als von denen, die schon lange Jahre neuapostolisch sind, denn es seien Tausende, die bereits viele Jahre dem Werke angehören und die mit dem Glauben an die Botschaft des Stammapostels immer noch Kampf haben. Wenn wir dann konsequent sein wollten, müßten wir solche langjährigen Geschwister alle aus der Gemeinde ausschließen, was aber wohl keiner im Ernst dächte.
Dazu meinten dann etliche der Apostel, daß wir leider mit den „Alten" hinsichtlich des Glaubens an die Botschaft des Stammapostels viel Arbeit hätten und dies leider nicht ändern könnten, daß wir aber doch nicht so töricht sein brauchten, Neue in unsere Reihen zu holen, die uns dann hinterher Arbeit machten. Man könne sich vor dieser Arbeit schützen, indem man „Neue", die nicht an die Botschaft des Stammapostels glauben, gar nicht erst in die Gemeinde einließe.
Apostel Friedrich Bischoff sagte: „Bei uns (im Mainzer Bezirk) ist es selbstverständlich, daß alle, die zur Versiegelung kommen, an die Botschaft des Stammapostels glauben". Ich erwiderte ihm: „Du kannst auch niemanden ins Herz sehen und weißt also nicht, ob dieser Glaube tatsächlich in allen Herzen vorhanden ist". Apostel Hahn sagte: „Als wir zur Zeit apostolisch wurden, mußten wir ja auch glauben an die göttliche Sendung der Apostel und an die Sündenvergebung durch diese. Also kann man auch heute erwarten, daß die, die zur Versiegelung kommen, das Wichtigste, was es heute gibt, die Botschaft des Stammapostels, glauben".
Dabei ist Apostel Hahn als Kind im Alter von 2 Wochen versiegelt worden und hat zu jener Zeit noch gar nicht glauben können.
Der Stammapostel sagte dann noch: „Gewiß, ein Glaubensartikel ist die Botschaft nicht".
Weiter erklärte ich: „Ich habe es bisher so gehalten, daß ich keinen der Amtsbrüder gezwungen habe, die Botschaft zu verkündigen, daß andererseits jeder Amtsbruder, der von der Wahrheit dieser Botschaft überzeugt ist, diese in unserm Bezirke freudig verkündigen kann. Ich habe es für richtig gehalten, wenn jemand von den Amtsbrüdern noch irgendwie mit dem Glauben an die Botschaft Kampf hat, dann soll er darüber stille sein".
Dann machte mir Apostel Walter Schmidt den Vorwurf: „Du bist verpflichtet, von den Brüdern das Verkündigen der Botschaft zu fordern, denn sonst weckst du Unglauben in den Herzen".
Ich erwiderte: „Der Glaube an die nahe Wiederkunft Christi ist bei uns 50 lebendig wie überall im Werke Gottes; aber ich will und kann keinen Amtsbruder zwingen, die Botschaft zu verkündigen, daß der Herr zur Lebzeit des Stammapostels wiederkommt, weil bei einem solchen Zwang die Gefahr besteht, daß die Brüder aus Angst, oder der Form nach, oder aus Augendienerei solches predigen. Ich will aber auf keinen Fall Heuchler hinter dem Altar haben und möchte keinen Amtsbruder hinter dem Altar wissen, der einem Grammophon gleicht, das nur gedanken- und gefühllos wiedergibt, was ihm vorgesprochen wurde. Ich lege Wert darauf, daß alles, was unsere Amtsbrüder am Altar sagen, aus tiefer Herzensüberzeugung gesprochen wird.
Dann wollte der Stammapostel zum nächsten Punkt der Tagesordnung übergehen; doch dann sagte Apostel Walter Schmidt: „Ich erachte es aber für sehr nötig, den Punkt, daß die zur Versiegelung Kommenden vorher erklären, daß sie an die Botschaft glauben, zu protokollieren".
Der Stammapostel überhörte dies und wollte weitergehen. Dann machte Apostel Friedrich Bischoff den Stammapostel darauf aufmerksam, daß Apostel Walter Schmidt noch was zu sagen wünsche. Apostel Walter Schmidt trug dann nochmals seine Forderung betr. Protokollierung der erwähnten Verpflichtung vor; aber der Stammapostel drängte zur Besprechung der weiteren Protokollpunkte.
Nochmals meldeten sich mehrere der Apostel zu Wort, die ebenfalls wünschten, daß zu Protokoll genommen würde, daß die zur Versiegelung Kommenden vorher durch ein „Ja" ihren Glauben an die Stammapostelbotschaft zu bezeugen hätten.
Aber der Stammapostel ging darauf nicht mehr ein, und Bischof Weine meinte dann, daß man überhaupt kein Protokoll aufstellen soll, da es dazu so wie so zu spät würde. Er schlug vor, daß der Stammapostel nach seiner Heimkehr von Frankfurt aus seine diesbezüglichen Gedanken in Briefform den Aposteln mitteilen solle.
Es kam also zu keinem Beschluß über die beiden Punkte der Tagesordnung. Die Apostel Dehmel, Dunkmann und ich waren uns vor der Apostelversammlung einig, daß wir eine solche Verpflichtung keinesfalls eingehen konnten und würden. Samstag abend vor der Apostelversammlung haben etliche Apostel untereinander ihre Gedanken über diese Angelegenheit ausgetauscht, und es ist mir gut bekannt, daß einige der. selben dieselbe Auffassung vertraten, wie ich solche in der Versammlung vorbrachte, nur haben solche sich dazu nicht zu Wort gemeldet.
Nach der Stuttgarter Apostelversammlung haben Apostel Dehmel und ich noch über die Angelegenheit mit Apostel Startz gesprochen, bei welcher Unterhaltung ich ihm sagte, daß er nicht etwa denken möchte, ich glaubte nicht an die nahe Wiederkunft Christi. Ich habe ihm erzählt, daß ich als 16-jähriger Jüngling zum Werke Gottes gekommen bin und damals schon in großer Sorge stand, der Herr Jesus könnte womöglich kommen, ehe ich die Versiegelungstat empfangen hätte. Und seit jener Zeit sei es stets meine Sorge gewesen, zu jeder Stunde auf das Kommen Jesu bereit zu sein, da ich immer in dem Glauben gelebt habe, daß das Herrn Kommen jeden Tag sein könne. - Dieses Gespräch hat Apostel Startz später hier und da entstellt so wiedergegeben, ich hätte ihm versichert, daß ich fest an die Botschaft des Stammapostels glaube. - Wahr ist, daß ich ihm deutlich erklärt habe, daß ich genau so gut wie er an das jeden Tag mögliche Kommen Jesu glaube und mich aufrichtig darauf einzustellen bemühe.
Der Stammapostel schrieb mir persönlich am 17. 9. 1954: „Der Punkt 9 der Tagesordnung war lediglich zur Besprechung angeführt".
Die Apostel Dehmel, Dunkmann und ich haben dann in den nachfolgenden Versiegelungsgottesdiensten die Versiegelungshandlung durchgeführt wie immer zuvor, ohne den zur Versiegelung kommenden Seelen die Verpflichtung aufzuerlegen, an die Botschaft des Stammapostels zu glauben.
Andere Apostel haben diese Forderung vor der Versiegelung mit allem Nachdruck gestellt. Wieder andere haben diese Forderung bei der Fragestellung an die zur Versiegelung Kommenden etwas umschrieben und gefragt: „Glaubt ihr, daß der Herr Jesus zur Lebzeit des Stammapostels kommen kann?"
So wurde auf die Apostel ein immer schärferer Druck ausgeübt, die Botschaft vom Nicht-mehr-Sterben des Stammapostels und der Wiederkunft Christi zu seiner Lebzeit zu predigen, von den unterstellten Amtsträgern die gleiche Predigt zu verlangen und die Versiegelung verlangender Seelen von dem Bekenntnis des Glaubens an diese Botschaft abhängig zu machen.
Am 12.11.1954 waren die Apostel Dehmel, Dunkmann und ich beim Stammapostel zur Besprechung einer Angelegenheit. Nachdem die Aussprache über jene Sache zu Ende war, erzählte der Stammapostel noch (im Beisein von Bischof Weine), daß er kürzlich für mehrere Wochen bei Apostel Volz in Kirchheim-Teck gewesen sei und während dieser Zeit in Süddeutschland viel gearbeitet habe. Der württembergische Bezirk habe vor dem Zusammenbruch gestanden, und er habe den Apostel Schall gefragt: „Wollen Sie zusehen, daß Ihr großer Bezirk zugrunde geht?" In Heilbronn sei eine Ämterversammlung angesetzt gewesen, zu deren Durchführung Apostel Jaggi erschienen wäre. Der dortige Bischof habe aber dem Apostel Jaggi den Eintritt in die Ämterversammlung versagt. Dann sei Apostel Jaggi wieder nach Hause gefahren. Der Apostel hätte ja den Bischof deswegen sofort seines Amtes entheben können, aber das sei nicht geschehen. Apostel Volz habe während der Zeit seiner Anwesenheit in dessen Wohnung einen neuen Organisationsplan für die Bedienung des württembergischen Bezirks ausgearbeitet, denn die dort tätigen Apostel hätten ganz ungleich große Arbeitsgebiete und Seelenzahlen zu betreuen gehabt. Apostel Volz habe also eine Neu-Organisation ausgearbeitet, und dieser Plan wäre dann dem Apostel Schall vorgelegt worden, und Apostel Schall habe dazu seine Zustimmung gegeben. Dann sei durch ihn (den Stammapostel) noch der Bezirksälteste Thomas als Apostel eingesetzt worden, und Apostel Jaggi bediene nunmehr in der Hauptsache die Gemeinden von Groß-Stuttgart. Er habe in Heilbronn gesagt, daß er unter die Vergangenheit einen großen Strich machen wolle und alles vergeben, was in der Vergangenheit verkehrt gemacht worden sei. Apostel Schall habe dann erklärt, er sei herzlich dankbar dafür usw. -Der Stammapostel sagte dann weiter: „Aber an allem war ja Apostel Schall schuld; denn er hatte zu Brüdern, die ihn gefragt haben, was er zu der Botschaft des Stammapostels sage, geantwortet: „Vorsicht, Vorsicht, der Stammapostel ist ein alter Mann". (Wann Apostel Schall dies gesagt hat oder gesagt haben soll, erwähnte der Stammapostel nicht).
Nun ist zu dem vorstehenden Fall noch einiges zu sagen: Von genau informierter Seite wurde mir berichtet, daß der Bischof aus Heilbronn mit den Aposteln Schall und Jaggi in bestem Verhältnis lebte und daß diese drei Männer wohl auch die Botschaft des Stammapostels predigten, aber dies nach der Ansicht vieler Amtsbrüder nicht mit dem nötigen Nachdruck taten und viel zu lax lehrten. Es sind dann besonders die unter der Hand des Bischofs stehenden Bezirksämter an diesen mit der Forderung herangetreten, es entweder mit ihnen zu halten und sich von der laxen Art der Apostel Schall und Jaggi loszusagen, oder sie würden ihn ablehnen. Als sich der Bischof dann einer ziemlich geschlossenen Front seiner Bezirksämter gegenüber sah, stand er vor der Frage, entweder diese Amtsbrüder zu verlieren, oder es weiter mit den Aposteln Schall und Jaggi zu halten. Da hat der Bischof es dann vorgezogen, dem Apostel Jaggi zu erklären, er wolle allein mit seinen Amtsbrüdern reden und könne ihn nicht zu der Versammlung der Bezirksämter einlassen. In jener Versammlung hat sich der Bischof zu der Haltung seiner Mitbrüder bekannt, und Apostel Jaggi ist traurig nach Hause gefahren. - Kurz danach wurde dann einer der Amtsbrüder, der bis dahin unter der Leitung des Bischofs stand, ins Apostelamt eingesetzt und wurde diesem ein gut Teil des bisherigen Arbeitsgebietes des Apostels Jaggi unterstellt, während Apostel Jaggi als Arbeitsbereich Groß-Stuttgart zugewiesen wurde.
In ähnlicher Weise wie dort in Heilbronn, nur in viel schärferer Weise und wesentlich größerem Umfang sind im Bezirk Düsseldorf in den letzten Monaten des Jahres 1954 mehr und mehr Amtsbrüder an die Bezirksvorsteher und Apostel des Bezirks herangetreten mit der kategorischen Forderung, die Botschaft des Stammapostels zu predigen, bei Aufnahmen und Versiegelungen das Bekenntnis abzunehmen, daß die Aufzunehmenden und zu Versiegelnden an die Botschaft des Stammapostels glauben, oder man würde ihnen nicht mehr folgen, man würde sie ablehnen usw. Diese Amtsbrüder wurden dabei sehr gestützt durch Briefe des Stammapostels, nach welchen niemand einem Apostel oder Amtsträger mehr folgen brauche, der nicht an seine Botschaft glaube und diese nicht verkündige. Viele dieser Brüder sind persönlich beim Stammapostel gewesen und daselbst in ihrer Haltung gegen ihre Apostel und Bezirksvorsteher bestärkt worden, Es gab dann nach und nach immer mehr Szenen derart, daß in Gottesdiensten der Ruf laut wurde: „Wir wollen die Botschaft des Stammapostels hören usw." Es kam dahin, daß seitens solcher fanatisierten Amtsbrüder und Geschwister das Gotteshaus verlassen wurde, wenn ein Apostel oder Bezirksvorsteher erschien. Solche Amtsbrüder haben einfach bei den Geschwistern den Gottesdienst abgesagt, wenn der Bezirksvorsteher kam, alles unter der Begründung, diese predigten die Botschaft des Stammapostels nicht, und deshalb kämen dieselben für sie nicht mehr in Frage. An manchen Orten wurden die Apostel und Bezirksvorsteher wüst beschimpft und jene verlangten gebieterisch, daß die Apostel und Bezirksvorsteher das predigen sollten, was sie unbedingt hören wollten, nämlich die Stammapostelbotschaft von dessen Nichtsterben und der Vollendung des Werkes unter seiner Hand. Und dieser unhaltbar gewordene Zustand war schließlich die Ursache, daß wir Apostel, Bischöfe und Bezirksältesten unseres Bezirks uns hilfesuchend an den Stammapostel gewandt haben. Allerdings ist uns dann seitens des Stammapostels nicht geholfen worden, sondern wir wurden mit Amtsenthebung und Ausschluß aus der Kirche gemaßregelt. - Und das alles wegen einer Botschaft, die sehr anfechtbar ist und im Lichte der Heiligen Schrift wohl kaum bestehen kann.
Nun noch einige Besonderheiten, welche als kräftige Irrtümer, herrührend aus der Stammapostelbotschaft, bezeichnet werden müssen:
Der Stammapostel lehrte am 01.06.1952 im Gottesdienst in Dortmund: „Satan weiß auch, was in der Bibel seht, und somit weiß er, was für unsere Zeit im Ratschluß Gottes vorgesehen ist. Früher hat er immer die führenden Personen beeinflußt, daß sie in dem Volke den Glauben erwecken sollten und auch erweckten: Der Herr kommt! Er wußte aber ganz genau, daß das nicht wahr war. - In den früheren Zeitepochen hat er gesagt: Er kommt! weil er wußte, daß er nicht kam".
Dazu muß man fragen: Seit wann hat der Satan dazu beigetragen, Seelen auf das nahe Kommen des Herrn hinzuweisen? Stets hat des Teufels Weise darin bestanden, zu sagen: Der Herr kommt noch lange nicht. Nicht Satan, sondern Jesus war es, der von der Zeit des Urchristentums an gemahnt hat: „Wachet, denn ihr wisset nicht Zeit und Stunde, wann euer Herr kommt. Ich komme wie ein Dieb in der Nacht". Der Geist Jesu Christi ist es allezeit gewesen, der da sagte: Ich komme bald! Seid bereit! Aber niemals hat der Böse eine solche Bereitschaft gepredigt.
In Frankfurt predigte der Stammapostel am 08.06.1952: „Auch um die Jahrtausendwende hat Satan in den führenden Männern die Gedanken erweckt: Der Herr kommt, glaubt es nur! Und er kam nicht. Satan wußte, daß Jesus nicht kam, Um das Jahr 1830 hat er die Träger des Geistes Christi auch im Laufe der Jahrzehnte beeinflußt: Glaubt nur fest, der Herr kommt zu eurer Zeit; denn ihr seid die Letzten. Die Apostel haben diesen Irrweg beschritten und haben das Volk gelehrt, daß der Herr zu ihrer Zeit kommt".
Wenn der Stammapostel predigte: Satan wußte, daß Jesus nicht kam, ist da nicht die Frage berechtigt: Weiß der Teufel denn, wann Jesus kommt, wo doch der Herr sagte, daß der Sohn Gottes selber dies nicht weiß?
Und dann: Wenn der Stammapostel anführte, Satan habe die englischen Apostel beeinflußt, zu lehren, der Herr käme zu ihrer Zeit und sie seien die letzten Apostel. und also hätten die englischen Apostel diesen Irrweg beschritten und das Volk gelehrt, daß der Herr zu ihrer Zeit kommt, muß man doch allen Ernstes fragen: Merkt man denn total nicht, daß der Stammapostel den englischen Aposteln das zum Vorwurf macht, was er selber heute tut? Wenn der Stammapostel lehrt, die englischen Apostel hätten mit der Lehre, daß der Herr zu ihrer Zeit käme, einen Irrweg beschritten, was. ist dann zu halten von der durchaus gleichen Lehre des Stammapostels in unsern Tagen?
Wie aus der Botschaft des Stammapostels, daß er nicht mehr sterben und Jesus zu seiner Lebzeit wiederkommen werde, sogar überhebliche Anmaßung hervorgegangen, sei an folgendem zu ersehen: Am 02.04.1953, dem Tage der Trauerfeier für den heimgegangenen Apostel Eschmann saßen die anwesenden Apostel in Zürich am Mittagstisch zusammen. Apostel Volz saß. mir gegenüber. Während des Tischgespräches sagte Apostel Volz, daß der Stammapostel zu ihm und zu seiner Frau gesagt habe: „Es werden bis zum Kommen des Herrn wohl noch etliche sterben; aber ihr beide werdet nicht mehr sterben". Dieses erzählte Apostel Volz nicht etwa scherzweise, sondern in vollem Ernst und in dem festen Glauben, daß er und seine Frau demnach nicht sterben werde.
Mag der Stammapostel auch im Hause der Familie Volz edle Gastfreundschaft genossen haben, dann hat er aber keinesfalls Befugnis, seinen guten Gastgebern die Zusage zu machen, daß sie nicht sterben würden; denn Herr über Leben und Tod ist und bleibt allein der Allmächtige.
Es sind in letzten Jahren im Zusammenhang mit des Stammapostels Botschaft Behauptungen aufgestellt worden, die jeglicher Grundlage entbehren. So sagte der Stammapostel am 18.04.1954 in Augsburg:
„Vor 50 Jahren und noch früher hat Gottes Volk auch schon an den Sohn Gottes sowie an seine Verheißungen geglaubt, man war aber weit entfernt davon, zu glauben, daß die Erfüllung seiner Verheißung zur damaligen Zeit stattfinden würde". - „Seit Weihnachten 1951 wissen wir, daß wir mit dem Kommen des Herrn stündlich rechnen können".
Es stimmt nun wirklich nicht, daß gläubige Gotteskinder vor 50 Jahren weit davon entfernt waren, zu glauben, daß Jesus zu jener Zeit hätte kommen können. Tatsache ist, daß auch damals alle den Seelenbräutigam Jesus Liebenden täglich sein Erscheinen erwartet haben. Davon sind genügend Zeugen noch in der Gegenwart vorhanden. Oder warten liebende Brautseelen erst seit Weihnachten 1951 auf die Hochzeit mit dem Seelenbräutigam Jesus? Das wird doch im Ernst niemand sagen können.
In Bielefeld sagte der Stammapostel am 16. Mai 1954: „Für uns ist das Wort „sterben" aus unserm Lebensbuch vom Allerhöchsten gestrichen".
Sterben denn seit Weihnachten 1951 weniger Neuapostolische als vordem? Und gilt nicht immer noch das Mahnwort des alten Gottesmannes: „Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden!"? Wenn auch alle, die der Herr an seinem Tage aus den dann noch Lebenden annehmen wird, die Verwandlung erleben und den Tod nicht schmecken werden, dann weiß aber doch kein Mensch, wer bis zu diesem Tage noch leben wird, und kann also auch keiner sagen, daß für ihn das Wort „sterben" vom Allerhöchsten gestrichen sei.
In Stuttgart sagte der Stammapostel im Gottesdienst am 12.09.1954 ungefähr folgendes: „Ich bin mir doch bewußt, wenn ich sterben würde - was nicht der Fall sein wird - dann wäre Gottes Werk vernichtet", und dann: „Falls ich tatsächlich heimgehen würde, was nicht geschehen wird, dann wäre das Erlösungswerk erledigt". In dem später vervielfältigten Bericht über diesen Gottesdienst heißt es dann allerdings wesentlich gemildert: „Der Sohn Gottes weiß doch ganz genau, was dann geschehen würde, wenn es möglich wäre, daß ich vorher hinweggenommen würde. Er weiß ganz genau, daß dann sein Erlösungswerk erledigt wäre".
Und wenn der Stammapostel selber sagt, daß im Falle er wirklich noch stürbe, die Neuapostolische Kirche erledigt wäre, kann man es uns da verdenken, daß wir aus der ungeheuren Sorge heraus, die Botschaft vom Nichtsterben des Stammapostels kann menschlicher Irrtum sein, eine solche Botschaft nicht gelehrt haben und auch keinen gezwungen haben, solche zu predigen.
Am 26.09.1954 sagte der Stammapostel im Gottesdienst in Dortmund: „Daß der Herr Jesus bald kommt, steht schon lange in der Heiligen Schrift; an den Zeichen der Zeit haben wir gesehen, in welcher Zeit wir uns befinden; aber es war keine nähere Grenze gezogen; und wenn der liebe Gott uns nicht durch das Versprechen seines Sohnes entgegengekommen wäre, daß er zu meiner bzw. zu unserer Lebzeit kommt, dann hätten wir uns jahraus, jahrein in derselben Gesinnung bewegt wie in den verflossenen Jahren oder Jahrzehnten, da wäre keinerlei Änderung in dieser Hinsicht bei uns eingetreten".
War denn bei jemanden, der schon vor der Verkündigung der Botschaft des Stammapostels von ganzem Herzen glaubte, daß der Herr Jesus zu jeder Stunde kommen kann, keine Gesinnungsänderung zu einem rechten Würdigwerden nach Christi Sinn möglich? Haben denn alle die, welche vor der Verkündigung der Stammapostelbotschaft als gläubige Christen der Urkirche und der Schlußkirche in die Ewigkeit gegangen sind, nicht die alte Gesinnung abgelegt und Christi Sinn angezogen?
Zum Schluß noch etliches, was der Stammapostel im Gottesdienst zu Frankfurt a. M.-Ost am 05.12.1954 sagte: „Vor etlichen Jahrzehnten sagte ich einmal in einem Gottesdienst: „Wer an meiner Hand bleibt, den werde ich zum Ziele bringen". Da war auch einer der Brüder, der sagte: „Ja, wie kann man denn so etwas sagen. Der Stammapostel ist doch schließlich auch ein sterblicher Mensch". Darauf kann ich nur sagen: „Das war einmal“. Heute ist er kein sterblicher Mensch mehr. Es wird keines der Kinder Gottes ohne mich die Verwandlung durchleben".
Ob der Stammapostel ein
sterblicher Mensch ist, das steht bei Gott. Die Zukunft wird lehren, ob wir
damit Unrecht getan, daß wir nicht gelehrt haben, daß der Stammapostel nicht
stirbt, sondern bei den alten Grundwahrheiten der Heiligen Schrift verblieben
sind und gelehrt haben, daß wir zu jeder Stunde auf die Vereinigung mit Christo
bereit sein wollen, daß aber nicht einmal der Sohn Gottes den Zeitpunkt seines
Wiederkommens weiß, sondern der Vater dies seiner Macht vorbehalten hat.
Düsseldorf, den 8. März 1955
Peter Kuhlen
Nachsatz
Heute (April 1999) halten wir fest, daß der «unsterbliche» Stammapostel J.G.Bischoff, 1960 zu Grabe getragen wurde.
Ihm, als dem «Letzten» bis zur Wiederkunft Christi, sind durch Wahl ins Stammapostelamt folgende vier Personen nachgefolgt:
Walter Schmidt, Ernst Streckeisen, Hans Urwyler und Richard Fehr Vereinigung Apostolischer Gemeinden Europa